Xaver Schlager spielt im System von Coach Oliver Glasner beim VfL Wolfsburg ... - Bildquelle: GettyXaver Schlager spielt im System von Coach Oliver Glasner beim VfL Wolfsburg eine wichtige Rolle. © Getty

Wolfsburg/München - Nachdem der VfL Wolfsburg sich zwei Spielzeiten in Folge den Klassenerhalt erst über die Relegation sichern konnte, landeten sie vergangene Saison überraschend auf dem sechsten Tabellenplatz und qualifizierten sich für die Europa League - sogar die Champions League war bis zum letzten Spieltag theoretisch noch erreichbar.

Bruno Labbadia hatte der Mannschaft mit seinem 4-3-3-System, viel Ballbesitz und einer dominanten Spielweise seinen Stempel aufgedrückt. Normalerweise wäre das ein guter Grund gewesen, den Trainer mit einem neuen Vertrag auszustatten.

Doch persönliche Unstimmigkeiten zwischen Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke und Labbadia führten zur Trennung. Seine Rolle übernimmt nun Oliver Glasner, der in Österreich den Linzer ASK von der Zweitklassigkeit bis in die 2. Qualifikationsrunde der Champions League führte, allerdings keinerlei Erfahrung in der deutschen Bundesliga hat.

So stellt sich die Frage, wie es beim VfL Wolfsburg weitergeht: Können sie den positiven Trend auch unter Glasner fortsetzen oder versinken sie wieder tief in der zweiten Tabellenhälfte?

Das ist neu

Theoretisch könnte Glasner versuchen, die erfolgreiche Handschrift von Labbadia fortzuführen – macht er aber nicht. Stattdessen wird vieles eingerissen, was jahrelang Bestand hatte. Und zwar wortwörtlich: Der Österreicher riss an den ersten Tagen seiner Amtszeit sogar die Trennwände zwischen den Trainerbüros ein. Der Grund: Es soll mehr untereinander kommuniziert werden.

Und was ist mit dem Spielsystem? Auch das wird radikal verändert. Statt Ballbesitzfußball sollen nun Pressing und Konterfußball der Standard sein. "Wir wollen für einen aktiven Spielstil stehen", sagte Glasner der "Sport Bild". "Wenn wir den Ball haben, wollen wir ihn schnell zum gegnerischen Tor bringen. Wenn der Gegner den Ball hat, wollen wir ihn schnell wieder in unsere Reihen bringen." Ebenfalls neu: Glasner favorisiert in der Abwehr eine Dreierkette.

Der Königstransfer dieses Sommers ist der österreichische Nationalspieler Xaver Schlager, der für eine Ablöse von 15 Millionen Euro von RB Salzburg losgeeist wurde. "Er ist ein junger, erfolgshungriger Spieler, der jetzt den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen kann. Trotz seines jungen Alters verfügt er bereits über einige Erfahrung auf internationalem Niveau", erklärte Sportdirektor Marcel Schäfer.

Für weitere 9,2 Millionen Euro wurde Rechtsverteidiger Kevin Mbabu von den BSC Young Boys Bern verpflichtet. "Er überzeugt durch Robustheit und Tempo und ist ein Spieler, der sowohl als Fußballer wie auch als Mensch gut zum VfL Wolfsburg passt", sagt Jörg Schmadtke über den viermaligen Schweizer Nationalspieler.

Ein weiterer Neuzugange ist Linksaußen Joao Victor, der vergangene Saison unter Glasner beim LASK 13 Saisontore erzielte und eine Ablöse von 3,5 Millionen Euro gekostet hat. Ebenfalls neu in Wolfsburg sind Linksverteidiger Paulo Otávio vom FC Ingolstadt und der von Manchester City ausgeliehene Nachwuchsstürmer Lukas Nmecha, der bei der U21-Europameisterschaft im Kader der deutschen Nationalmannschaft stand.     

Das macht Mut

Der VfL Wolfsburg hat eine eingespielte Mannschaft. Kein Spieler, der vergangene Saison eine tragende Rolle eingenommen hat, verließ den Verein in diesem Sommer.

Zudem scheint sich die Mentalität innerhalb der Mannschaft verändert zu haben. Lange galt der VfL Wolfsburg als ein Verein, den viele Spieler nur als hochbezahlte Durchgangsstation sahen. Heute beinhaltet der Kader viele Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren. Verbunden mit den Erfolgserlebnissen aus der vergangenen Saison entstand dadurch ein neuer Teamgeist.

Das macht Sorgen

Was nützt eine eingespielte Mannschaft, wenn das Spielsystem auf den Kopf gestellt wird? Möglicherweise wäre es der sicherere Weg gewesen, einen Trainer zu verpflichten, der die erfolgreiche Philosophie von Bruno Labbadia fortführt. Erst im Saisonverlauf wird festzustellen sein, wie die Mannschaft mit dem neuen Spielsystem zurechtkommt.

Hinzu kommt die Europa League: Viele Mannschaften hatten bereits Probleme mit der Mehrfachbelastung. Für eine Mannschaft, die ein neues Spielsystem lernen muss und dafür Zeit benötigt, dürfte das besonders problematisch sein. 

Das sagen die Verantwortlichen

Trainer Oliver Glasner weiß, dass die taktischen Umstellungen ihre Zeit brauchen. "Es war klar, dass wir nicht hierherkommen, die Hände auflegen und alles funktioniert. Die Spieler sind gewillt, die Dinge umzusetzen, weil sie auch sehen, dass dies die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg erhöht", sagte er auf der Vereinswebseite.

Der Trainer hat das Ziel vorgegeben, den VfL stabilisieren zu wollen. Wenn das gelingt, sei "mal Platz sechs, mal Rang vier oder auch mal der achte Platz drin."

So läuft die Saison

Die Mehrfachbelastung und die taktische Umstellung werden nicht ohne Folgen bleiben. Vor allem die Hinrunde könnte eine Herausforderung werden. Positiv ist allerdings, dass an den ersten sieben Spieltagen mit Köln, Hertha, Paderborn, Düsseldorf, Hoffenheim, Mainz und Union machbare Aufgaben anstehen. Letztendlich dürfte der VfL im gesicherten Mittelfeld landen.

Infos zum VfL Wolfsburg

Kader

Spielplan

Transfers

Die voraussichtliche Aufstellung:  Casteels – Knoche, Guilavogui, Brooks – Mbabu, Schlager, Arnold, Roussillon – Mehmedi, Weghorst, Joao Victor

Oliver Jensen

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