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München/Stuttgart - Sven Mislintat war lange ein Mann, der im Verborgenen gearbeitet hat. Bekannt durch seine Fähigkeiten, nicht durch seine öffentlichen Auftritte. "Diamantenauge" wird er genannt, weil er mit seinem außergewöhnlichen Blick Talente erspäht wie kaum ein anderer in der Branche. 

Beim VfB Stuttgart wagt sich der 46-Jährige nun in eine Position, die größerer öffentlicher Beachtung ausgesetzt ist. Seit vier Wochen ist er der neue Sportdirektor bei den Schwaben. Die Aufgabe beim aufgeregten Traditionsklub ist denkbar schwer: Mislintat soll nach dem Abstieg den Neuaufbau mitlenken und den unausgewogenen Kader neu strukturieren.

Mislintat sieht "Riesenaufgabe"

Stuttgarts Sportvorstand Thomas Hitzlsperger wurde die Verpflichtung Mislintats als großer Coup angerechnet. Der Druck ist entsprechend groß. "Es ist eine Riesenaufgabe, so einen Klub wieder dahin zu bringen, wo er mal war", sagt Mislintat dem "SWR".

Seine Erfahrung soll dabei helfen, diese "Riesenaufgabe" zu bewältigen. Bei Borussia Dortmund war er Chefscout, initiierte Transfers wie von Shinji Kagawa, Ousmane Dembele oder Pierre-Emerick Aubameyang. Nach über zehn Jahren im Verein floh er nach einem Disput mit dem damaligen Trainer Thomas Tuchel aber zum FC Arsenal, bei dem er die Scouting-Abteilung leitete.

Klopp habe gezeigt, was möglich ist

Doch wie löst man die Probleme in einem schwierigen Umfeld wie Stuttgart? Mislintat hat das höchste Vorbild gewählt, das es zurzeit im Vereinsfußball gibt: Champions-League-Sieger FC Liverpool.

Das liegt vor allem an einem seiner Wegbegleiter aus Dortmunder Zeiten. Was für wunderbare Geschichten möglich seien, sehe man "an einem meiner Mentoren, Jürgen Klopp, der nach dreieinhalb Jahren Arbeit mit dem FC Liverpool den großen Titel gewonnen hat", erklärt Mislintat. Mislintat und Klopp arbeiteten zwischen 2008 und 2015 zusammen beim BVB.

Klopp hat vorgemacht, wie es geht einen Klub aus dem grauen Mittelmaß in helleres Licht zu führen. In nur dreieinhalb Jahren formte der gebürtige Stuttgarter aus dem englischen Traditionsverein wieder einen Spitzenklub - auch mit klugen Transfers.

Große Krise beim VfB

Nun hat der VfB Stuttgart nicht einmal annähernd die finanzielle Kraft eines FC Liverpool, aber er verfolgt auch ganz andere Ziele - es geht vorerst "nur" um den Aufstieg in die Bundesliga. Mislintats Kernkompetenz, Spieler zu entdecken, die über außergewöhnliches Potential verfügen - und noch erschwinglich sind -, kann dem fünfmaligen Meister dabei helfen, sich neu zu strukturieren.

Mislintat geht aber nicht verblendet an die Aufgabe heran: "Die Wahrheit ist auch, dass es eine große Krise gibt", sagt der Sportdirektor über die gegenwärtige Situation bei den Schwaben. Dennoch sei der VfB für ihn ein großer Klub.

"Man darf nur nicht den Fehler machen, dieses Potenzial, was hier schlummert, dazu zu benutzen, dass alles zum Selbstläufer wird", sagt er.

In Zusammenarbeit mit Sportvorstand Hitzlsperger, dem neue Trainer Tim Walter und den Fans will er das "extreme Feuer, die extreme Leidenschaft" des Klubs wecken. Von Waltet erwartet er einen "progressiven Spielstil", und dass Spiele selbst entschieden werden "am Ball", soll heißen: der VfB soll wieder das Kommando übernehmen und nicht nur den Gegner spiegeln. 

Gute Strukturen für eine erfolgreiche Zukunft

Dafür braucht es Veränderungen im Kader. Wenn Mislintat darüber spricht, wie er sich die neue Mannschaft vorstellt, wählt er Worte, wie sie mit großer Sicherheit auch Klopp wählen würde. Mentalität, Hunger, Leidenschaft sollen die neuen Spieler mitbringen. "All das, was Fußball auszeichnet und was wir auch sehen wollen", sagt Mislintat. 

Wenn neue Spieler kommen, müssen altgediente Spieler gehen. Wie geht es weiter mit einem Mario Gomez oder mit Kapitän Christian Gentner? Mislintat muss diesen Umbruch moderieren, entscheiden, wie wichtig die Erfahrung der Älteren für die Entwicklung der Neuen ist.

Wenn das alles klappt, kann er vielleicht bald mal einen Satz sagen wie Jürgen Klopp nach dem Sieg in der Champions League: "Diese Gruppe ist immer noch am Anfang. Das ist ein Team in einem wundervollen Alter. Die haben die beste Zeit ihrer Karriere immer noch vor sich."

Lukas Hiegle/Tim Brack

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