Der FC Bayern trifft im Achtelfinale der Champions League auf den FC Chelsea... - Bildquelle: GettyDer FC Bayern trifft im Achtelfinale der Champions League auf den FC Chelsea. Ist der deutsche Rekordmeister dieses Jahr reif für den Titel? © Getty

München – Da schau her, der FC Bayern ist wieder wer! Unter Trainer Hansi Flick blüht der Rekordmeister auf, eilt von Sieg zu Sieg. plötzlich scheint nichts mehr unmöglich, auch nicht in der Champions League. 

Aber ist der FC Bayern wirklich schon titelreif? ran.de macht den Check.

 

Bayern-Check: Die Form

Der FC Bayern hat von allen Achtelfinal-Teams der Champions League die aktuell längste Serie ohne Niederlage. Zuletzt unterlag der Rekordmeister am 7. Dezember 2019 Borussia Mönchengladbach mit 1:2. Es folgten: Elf Spiele, zehn Siege, ein Unentschieden.

Klar, der FC Liverpool schießt in der Premier League alles kurz und klein. Doch in der Königsklasse gab es ein 0:1 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Atletico Madrid. Auch Teams wie Barcelona, Manchester City, Juventus Turin oder Real Madrid haben in diesem Zeitraum bereits verloren. Die Münchener nicht.

Kurzum: Bayern ist momentan in absoluter Top-Form!

Bayern-Check: Die Offensive

37 Tore in den vergangenen elf Spielen sprechen eine eindeutige Sprache. Offensiv brauchen sich die Münchner vor niemanden verstecken. Robert Lewandowski knipst wie er will, ist in der Form seines Lebens. Dazu Serge Gnabry und Kingsley Coman – eine bessere Flügelzange findet man in Europa aktuell kaum. Dazu noch Freigeist Thomas Müller, der wieder zu alter Klasse gefunden hat. Hinzu kommen der abschlusstarke und dynamische Leon Goretzka, der kreative Thiago und der passsichere Joshua Kimmich im Spielaufbau. Das ist nach vorne einfach hervorragendes Niveau.

Nicht zu unterschätzen: Der Wohlfühlfaktor ist wieder da. Die Mannschaft akzeptiert den Trainer, der Spaß ist zurück. Der menschliche Umgang, die taktischen Vorgaben – alles scheint zu passen. "Die Spieler fühlen sich nun sehr viel selbstbewusster, denn sie wissen nun, was der Trainer von ihnen will", bringt Lewandowski gegenüber "The Guardian" die Situation auf den Punkt.

Kurzum: Die Offensive gehört zu den besten Europas.

Bayern-Check: Die Defensive

Die größte Baustelle. Zuletzt zeigte das knappe 3:2 gegen Paderborn die Schwächen im ungewohnten 3-4-3-System auf. Flick wird gegen Chelsea mit Sicherheit wieder auf das gewohnte 4-3-3 umstellen, doch auch darin gibt es Schwachpunkte. Rechtsverteidiger Benjamin Pavard macht seine Sache defensiv zwar ordentlich, aber der Zug nach vorne reicht nicht für höchste Aufgaben. Er kommt Wettbewerbs-übergreifend auf sieben Scorer-Punkte in der laufenden Saison - ein Trent Alexander-Arnold (Liverpool) auf 16.

Auf der Gegenseite ist Alphonso Davies zwar die Entdeckung der Saison. Doch der 19-Jährige stand noch nie bei einem solch wichtigen Spiel auf dem Feld, hat taktisch noch Defizite. Aber: Die Bayern haben schon einmal mit einem jungen, unbedarften Linksverteidiger den Titel geholt – und zur Not kann David Alaba ja jederzeit wieder einspringen.

Alaba ist aber vor allem im Abwehrzentrum gesetzt. Daneben fällt die Entscheidung zwischen Jerome Boateng und Lucas Hernandez. So oder so – beide Varianten sind nicht unantastbar. Hinzu kommt: Im defensiven Mittelfeld fehlt der klassische Abräumer. Der eigentliche Rechtsverteidiger Kimmich interpretiert seine Rolle eher spielerisch, Thiago soll der Antreiber im Spiel sein. Dazu gesellt sich meist Goretzka, der gerade von einer Verletzung zurück kommt.

Kurzum: Die Defensive hat in den vergangenen elf Spielen zehn Gegentore zugelassen. Sie ist den Beweis schuldig, gegen absolute Topteams zu bestehen und in K.o.-Spielen die Null zu halten. Zweifel sind angebracht.

 

Bayern-Check: Personelle Situation

Abgesehen von den Langzeitverletzten Niklas Süle, Ivan Perisic und Javi Martinez sind alle Spieler dabei. Goretzka hat seine muskulären Probleme überwunden, ist einsatzfähig. Soweit, so gut eigentlich.

Doch das große Problem bleibt die Bank: Wenn die Startelf nicht funktioniert, heißen die Alternativen: Ein formschwacher Coutinho oder Corentin Tolisso zur Stabilisierung im Mittelfeld. Danach kommen schon Namen wie Joshua Zirkzee oder Michael Cuisance. Puh!

Pluspunkt Bayern: Taktisch ist der Rekordmeister sehr flexibel. Sowohl Alaba als auch Kimmich können auf den Außenpositionen aushelfen, Coutinho kann jederzeit mit einer Einzelaktion den Unterschied machen. Doch die Breite im Kader fehlt im Vergleich zu den anderen Favoriten.

Kurzum: Die Startelf passt, aber es mangelt an Alternativen!

 

Bayern-Check: Die Konkurrenz

Achtelfinalgegner FC Chelsea ist selbst nicht in Top-Form. Nur ein Sieg in den vergangenen drei Spielen, dazu fehlen Schlüsselspieler wie N’Golo Kante, Christian Pulisic oder Callum Hudson-Odoi verletzt. In zwei Spielen sollte Bayern kein Problem mit den Engländern haben.

In der Champions League gibt es aber genügend Teams, die berechtigte Chancen auf den Titel haben. Zwar hat Liverpool das Achtelfinal-Hinspiel mit 0:1 verloren, ist aber trotzdem der absolute Topfavorit. Dahinter gibt es jedoch keine klare Nummer zwei. Bayern scheint auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona, Juventus Turin oder Real Madrid. Inklusive des großen Offensiv-Potentials und der unsicheren Verfassung der Defensive.

Kurzum: Bayern braucht sich nicht verstecken.

Bayern-Check: Das Fazit

Die Offensive ist auf absolutem Weltklasse-Niveau. Doch das alleine wird nicht reichen. Die Defensive muss erst beweisen, dass sie die besten Spieler Europas ausschalten kann.

Trotz schlechter Ausgangslage für das Rückspiel ist der FC Liverpool der Favorit auf den Champions-League-Titel. Keine andere Mannschaft hat solch einen starken Kader. Bayern gehört zu einem Kreis aus drei, vier Teams, die dahinterkommen. Hier mögen andere von den Namen oder der Kader-Breite her besser besetzt sein. Doch gerade in der Königsklasse darf eines nicht unterschätzt werden: Die Team-Chemie, die Stimmung im Kader und das Verhältnis zum Trainer passen offensichtlich wieder.

Kurzum: Mit etwas Losglück scheint das Halbfinale oder gar das Endspiel möglich, der Titel wäre angesichts der personellen Qualität aber eine Überraschung.

Julian Reusch

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