Pep Guardiola steht mit Manchester City vor dem Viertelfinal-Rückspiel der C... - Bildquelle: imagoPep Guardiola steht mit Manchester City vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Tottenham mächtig unter Druck. © imago

München/Manchester – Es geht um alles – zumindest in den Augen vieler Anhänger von Manchester City. Die Sky Blues gehören ohne Frage personell zu den besten Teams der Welt. Vom Kaderwert her kann sich nur der große FC Barcelona mit den Citizens messen. National hat die Mannschaft in der Vergangenheit bereits alle Titel gesammelt, die ein englischer Fußballverein nur gewinnen kann. International jedoch hakt es seit Jahren.

Manchester City und die Champions Leauge. Die Beziehung scheint wie eine Hass-Liebe. Noch nie in seiner Vereinshistorie ist der Klub über das Halbfinale der Champions League hinausgekommen. Dabei sehnen sie sich im blauen Teil Manchesters so sehr nach der europäischen Krone.

Pep Guardiola: Der Hoffnungsträger

Um den Fans, dem Verein und natürlich auch den großen Geldgebern diesen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, werden in Manchester keine Kosten und Mühen gescheut. Das gilt nicht nur für den Kader, sondern auch für die Trainerbank. Seit 2016 hat mit Pep Guardiola einer der wohl besten Trainer der Welt das Heft in die Hand genommen.

Die große Hoffnung in Guardiola als Coach in Manchester: Den lang und heiß ersehnten Titel in der Königsklasse. Schließlich weiß der Spanier ja wie es geht. Als Trainer des FC Barcelona gewann er sowohl in der Saison 2008/2009, als auch zwei Jahre später den begehrten Henkelpott.

Auch der FC Bayern hoffte auf Guardiola-Effekt

Allerdings: Manchester City ist nicht der erste Verein, der sich erhoffte, mit dem großen Guardiola an Europas Spitze zu marschieren. Auch der FC Bayern spekulierte auf den Triumph in der Königsklasse, als sie Guardiola 2013 nach München lockten.

Bereits in der ersten Spielzeit unter Guardiola schien alles nach Plan zu laufen. Das Halbfinale gegen Real Madrid avancierte aber zu einem Desaster – ein klägliches 0:4 im Rückspiel besiegelte kurz vor dem Ziel das Aus. Pep Guardiola, der große Taktik-Fuchs hatte sich verspekuliert. Wurde förmlich ausgecoacht vom alten Hasen Carlo Ancelotti auf der Bank der Königlichen.

Nur ein Jahr später dasselbe Bild: Wieder schießt sich der FCB bis ins Halbfinale – wieder verspielen die Münchner den Triumph. Diesmal gar ausgerechnet gegen den FC Barcelona, Guardiolas Ex-Verein, und seinen Nachfolger Luis Enrique als Coach. Der hat Guardiolas Taktik bereits im Hinspiel vollends geknackt. Der deutsche Rekordmeister geht mit 0:3 unter, das Ende scheint nach dem Hinspiel bereits besiegelt.

Die Saison 2015/2016: Dritter Versuch, dritte Halbfinalteilnahme, zum dritten Mal das Haus gegen eine spanische Mannschaft. In diesem Fall Atletico Madrid um Coach Diego Simeone, gegen dessen Defensivverbund Guardiola und Co. im Münchner Dress kaum Lösungen finden.

International fehlt der lange Atem

Schon in seiner Zeit beim FC Bayern ist klar: Guardiola ist ein Taktiker, ein akribischer Arbeiter, ein Querdenker. Niemand stellt in Frage, dass er seine Spieler allesamt grundsätzlich besser macht. Im nationalen Vergleich war auch seine Bayern-Mannschaft das Maß aller Dinge. International allerdings fehlte der lange Atem.

Die Folge: Guardiola verlässt die Bayern in Richtung England – und lässt viele enttäuschte Bayern-Seelen zurück. Der Traum, mit dem großen Pep Guardiola endlich wieder der größte Verein Europas zu sein, bleibt unerfüllt.

Auch bei den Citizens trifft Manchester City auf ein Projekt, das er entwickeln kann – und auch entwickeln will. Die Sky Blues gehören bereits zur Spitze in der Premier League. Natürlich wird Guardiola auch geholt, um nach 2012/2013 den Meistertitel nach Manchester zurück zu holen. Der eigentliche, tiefe Wunsch der Klubbosse liegt jedoch – wie schon bei den Bayern – wohl im Gewinn der Champions League.

Schwieriges erstes Jahr in Manchester

Und dafür werden Guardiola alle Bedürfnisse recht gemacht. Finanziell scheinen keine Limits gesetzt. Der Spanier bekommt seine Wunschspieler, hat einen derart luxuriösen Kader – der Gewinn der Königsklasse scheint definitiv möglich.

Aber seit seinem letzten Triumph mit Barcelona im Jahr 2011 liegt eine Art Champions-League-Fluch auf Guardiola. Sein erstes Jahr in Manchester grenzt dabei fast an einer Blamage. Bereits im Achtelfinale der Königsklasse ist Schluss. Nach einem 5:3-Heimsieg und einer 1:3-Auswärtspleite scheidet man gegen die AS Monaco aus. Und das als der klare Favorit. Auch in der Meisterschaft reicht es nur für Rang drei – eine herbe Enttäuschung.

Klopp coacht Guardiola aus

Neues Jahr – neuer Versuch. In der Saison 2017/2018 sichert Guardiola den Citizens immerhin die Meisterschaft. In der Champions League kommt es im Viertelfinale zum Duell mit Jürgen Klopp und den Reds. Und wieder wird Taktik-Guru Guardiola ausgecoacht, kassiert bereits im Hinspiel eine vernichtende 3:0-Niederlage.

In dieser Saison startet Pep mit City nun Versuch Numer drei in der Champions League. Wieder wartet im Viertelfinale mit den Tottenham Hotspur ein Liga-Konkurrent. Und wieder setzt Guardiola auf die vermeintlich falsche Taktik.

Im Hinspiel bei den Spurs bringt er mit Gündogan und Fernandinho zwei Sechser. Mit Leroy Sane und Kevin de Bruyne bleiben zwei Top-Stars aus der Offensive auf der Bank. Stattdessen scheinen Raheem Sterling und Riyad Mahrez auf den Außenbahnen extrem angewiesen, weite Wege mit nach hinten zu machen. Auch Gündogan und Fernandinho halten sich im Offensiv-Spiel zurück.

Defensiv-Taktik geht nicht auf

Guardiolas Taktik wirkte, als wären die Citizens mit einem 0:0 zufrieden. Ärgerlich nur, dass der Defensivverbund nicht hält. Linksverteidiger Fabian Delph pennt einmal, Heung-Min Son reagiert schnell und trifft zum 0:1 in der 78. Minute.

Sowohl vor, als auch nach dem Gegentreffer bleibt Guardiola mutlos. Dies macht sich besonders in seinen Wechseln fest. Kurz vor dem Gegentor bringt er Gabriel Jesus für Sergio Aguero – ein positionsgetreuer Tausch. Erst in der 89. Minute reagiert der Coach erneut, bringt Sane und de Bruyne für die Offensive – die Reaktion kommt allerdings zu spät.

Wieder einmal droht den Citizens das zu frühe Aus in der Champions League. Wieder einmal droht die so sehnsüchtig nach dem Henkelpott gierende Fan-Seele eine herbe Enttäuschung zu erleben. Und das Rückspiel der Champions League könnte nur der Auftakt zu einer titelmäßig missratenen Saison werden.

 

Tottenham: Das Zünglein an der Waage der gesamten Saison

Denn die Spurs können innerhalb von vier Tagen zum Zünglein an der Waage für Guardiola werden. Bereits am Samstag spielt Tottenham erneut in Manchester bei den Citizens, diesmal in der Premier League. Eine City-Pleite in dieser Partie könnte das Meisterschaftsbarometer wieder zu Gunsten des großen Konkurrenten aus Liverpool ausschlagen lassen.

Zwei entscheidende Spiele innerhalb von vier Tagen. Der Druck auf die Citizens wächst – und so auch der Unmut aus den eigenen Reihen. Bereits nach dem Hinspiel hatte Nationalspieler Ilkay Gündogan den Auftritt der Mannschaft öffentlich kritisiert. Auch die erst späte Einwechslung von Leroy Sane warf Fragen auf. Hinzu kommt die Aussage von Kevin de Bruyne, Guardiola wirke durchgehend extrem gestresst. Eine Auswirkung dieses hohen Drucks?

Guardiola: "Bin nicht gekommen, um die Champions League zu gewinnen"

Druck in der Champions League, Druck in der Meisterschaft, gereizte Stimmung in der eigenen Mannschaft. Und wie reagiert Guardiola? Der nimmt dem ganzen erstmal den Wind aus den Segeln. "Ich weiß, dass viele Leute sagen, ich bin hier hergekommen, um die Champions League zu gewinnen. Aber ich bin nicht deswegen hier hergekommen, um ehrlich zu sein", sagte Guardiola am Abend vor dem wichtigen Rückspiel. Eine Aussage, die einige Fans doch herbe enttäuscht haben dürfte.

Weiter sagt Guardiola, dass der Premier-League-Titel für ihn "der wichtigste Titel ist." Sätze, die ein wenig klingen, als hätte er die Königsklasse schon leicht abgeschrieben. Und Sätze, die in den Ohren der Klubbosse vermutlich nicht für Jubelschreie sorgen. Denn wenn es in dieser Saison wieder nicht klappt, muss Guardiola sich immerhin noch vorwerfen lassen, aus dem zweitteuersten Kader der Welt nicht das Maximum herausgeholt zu haben.

Die Möglichkeiten für einen internationalen Triumphzug sind da. Was Guardiolas Verhalten jedoch zeigt: Der Spanier versucht sich selbst und seinem Team ein wenig den Druck zu nehmen. Fraglich ist jedoch, ob dies tatsächlich die richtige Herangehensweise an zwei absolut richtungsweisende Partien ist. Partien, von denen von außen betrachtet auch abhängig ist, auf welcher Ebene die drei Jahre von Guardiola bei Manchester City anzusiedeln sind. Ob sie als großer Triumphzug gewertet werden können. Oder ob sie – wie schon seine drei Jahre beim FC Bayern – als Enttäuschung abgestempelt werden.

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