Champions League

Kommentar zum FC Bayern München

ranSicht: Der FC Bayern gleitet Carlo Ancelotti aus den Händen

Gegen Anderlecht stimmt beim FC Bayern nur das Ergebnis. Beim 3:0-Sieg gegen dezimierte Belgier sorgt Franck Ribery für den nächsten Aufreger und verschärft so die Unruhe im Klub. Trainer Carlo Ancelotti ist als Krisenmanager gefragt.

13.09.2017 15:15 Uhr / ran.de / Martin Jahns

München - Es schien wie der perfekte Schritt: Nach Dogmatiker Pep Guardiola sollte Star-Dompteur Carlo Ancelotti das fehlende Puzzlestück zum Champions-League-Titel sein. Zurück zu den Wohlfühl-Bayern der Ära Jupp Heynckes war das Versprechen.

Die Situation ein gutes Jahr später nach einem 3:0-Sieg in der Champions League: Franck Ribery wütet nach seiner Auswechslung, Arjen Robben zeigt nach der Partie offenes Unverständnis für die lasche Einstellung seiner Teamkollegen gegen die dezimierte europäische Laufkundschaft und auch Jerome Boateng fordert, das Team müsse sich "wieder mehr auf das Fußballspielen konzentrieren".

Bayern-Urgestein Thomas Müller zweifelt ohnehin seit längerem an Ancelottis Wertschätzung seiner Qualitäten und Robert Lewandowski bricht im "Spiegel" einen Streit vom Zaun, in dem sich selbst Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß nicht einig sind.

Fast täglich ein neuer Brandherd

Der FC Bayern ist von Heynckes-Harmonie weit entfernt. Viel schlimmer noch: In München wütet ein Flächenbrand, wie es ihn seit der Ära Louis van Gaal nicht mehr gab. Und während Ancelotti tröpfchenweise versucht, die Brandherde zu löschen, sticht ihm inzwischen fast täglich eine neue Flamme entgegen. Der Rekordmeister droht dem erfahrenen Italiener zu entgleiten. Auch weil er innerhalb und außerhalb der Mannschaft mehr Unterstützung bräuchte.

Ancelotti hat ein Problem: Hatte er bei Real Madrid mit Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos zwei Stützen der Mannschaft als treue Gefolgsmänner innerhalb der Mannschaft auf seiner Seite, rücken diese beim FC Bayern mit dem zuletzt wieder auffällig unleidigen Ribery und Edel-Bankdrücker Müller weiter von ihm ab.

Ein Philipp Lahm, der die Mannschaft in den letzten Jahren immer wieder in die Pflicht nahm und so auf Linie brachte, wird schmerzlich vermisst. Gegen Anderlecht wirkten die erstaunlich blutleeren Bayern mehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem Gegner.

Dabei muss Ancelotti auch Versäumnisse seiner Vorgesetzter ausbaden. Offensiv ist man mehr denn je in den letzten Jahren von Arjen Robben und Franck Ribery abhängig. Robert Lewandowski für die öffentliche Kritik am Vereinskurs einen Denkzettel zu verpassen, kann sich Ancelotti angesichts der dünnen Besetzung im Sturmzentrum schlicht nicht erlauben.

Salihamidzic bringt keine Entlastung

Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic? Der soll Ancelotti eigentlich den Rücken freihalten. Mit strikteren Regeln und Personalrochaden im Betreuerstab schärft Salihamidzic zwar sein Profil. Ruhe hat er damit aber bislang nicht in den Klub bekommen. Im Gegenteil. Sein Durchgreifen kann man durchaus als Schwäche des Trainers auslegen.

Bei aller Coolness nach außen wirkte Ancelotti zuletzt wie ein Getriebener. Steuerte Pep Guardiola die öffentlichen Debatten um den Klub mit seinem langen Schweigen über eine Vertragsverlängerung größtenteils noch selbst, stürzen über den 58-Jährigen immer wieder neue Probleme herein, die er managen muss.

Darunter ein besonders pikantes mit Julian Nagelsmanns öffentlichem Flirt mit den Bayern. "Letztes Jahr habe ich ihm gesagt, dass er in der Zukunft vielleicht einen absoluten Topklub trainieren wird", kommentierte Ancelotti die unverblümte Bewerbung auf seinen Posten milde. Bekommt er die schlingernden Bayern nicht bald unter Kontrolle, könnte Nagelsmanns Aufstieg schneller kommen, als es Ancelotti lieb sein dürfte.

Martin Jahns

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