Ronaldo ist bei Manchester United nicht glücklich - Bildquelle: 2022 imagoRonaldo ist bei Manchester United nicht glücklich © 2022 imago

München - Es gibt ja schon ein bisschen Platz für Romantik im knallharten Fußballgeschäft. Wenn Robert Lewandowski Gerd Müllers Torrekord knackt und sich aus Nostalgiegründen keiner so wirklich freuen will.

Wenn WM-Held Mario Götze nach langer Leidenszeit und holländischem Exil mit großem Brimborium in die Bundesliga zurückkehrt. Oder auch dramatischer: Wenn Christian Eriksen nach Herzstillstand bei der EM 2021 mit Defibrillator wieder auf den Platz zurückkehrt. 

Wenig romantisch ist es allerdings, wenn einer der besten Spieler, den dieser Sport je gesehen hat, von seinem Berater wie sauer Bier angeboten wird. Genau dieses unwürdige Szenario scheint gerade mit Cristiano Ronaldo zu passieren.

Dabei wollte CR7 mit seiner Rückkehr zu Manchester United im vergangenen Jahr eben jenes Verlangen nach Fußball-Romantik bedienen. Noch einmal glänzen, bei dem Verein, bei dem er einst zum Superstar herangewachsen war ehe er nach sechs erfolgreichen Jahren für die damalige Rekordsumme von 94 Millionen Euro zu Real Madrid gewechselt war. Dort stieg er bekanntlich in noch höhere Sphären auf. Sportlich wie finanziell. 

Ronaldo drittbester Torjäger der Premier League

Doch beim zweiten Stint in Old Trafford sieht derzeit wenig nach Happy End aus. An dieser Stelle sei betont: An Ronaldo liegt es nicht. Mit 18 Treffern in 30 Ligaspielen war er nach Liverpools Mohamed Salah und Tottenhams Heung-Min Son immer noch der drittbeste Torjäger der vergangenen Premier-League-Saison - etwa vor Harry Kane oder Sadio Mane. Wettbewerbsübergreifend knipste er immerhin 24 Mal. 

Weil aber der Rest der Mannschaft zeitweise indiskutabel auftrat und sogar die Qualifikation zur Champions League verpasste, will der Portugiese offenbar nur noch weg. Gemäß dem Motto: Zeit zu verschwenden, kann ich mir in meinem Alter nicht mehr leisten.

Ten Hag will Ronaldo halten

Der neue United-Trainer Erik ten Hag versucht derzeit alles, den Superstar milde zu stimmen. Schließlich gilt: Auch mit spätherbstlichen 37 Lenzen ist eine Mannschaft MIT Ronaldo immer noch besser als eine OHNE. Selbst wenn der Zahn der Zeit allmählich auch am ewig jugendlichen Portugiesen nagt.

Die Sprints sind nicht mehr ganz so schnell wie früher. Das Timing nicht mehr ganz so perfekt. Überall fehlt das berühmte My. Dass Ronaldo trotzdem immer noch zu den besten Stürmern weltweit zählt, verdeutlicht einmal mehr, wie überirdisch gut er eigentlich über zwei Jahrzehnte war.

Berater geht mit Ronaldo hausieren

Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Ronaldos Wechselwunsch, wenn auch nicht offensiv geäußert, bislang von keinem Topklub erhört wurde. Berater Jorge Mendes bewog das offenbar dazu, hausieren zu gehen. So traf sich der Top-Agent öffentlichkeitswirksam mit dem neuen Chelsea-Boss Todd Boehly und bot Ronaldo laut "Sport 1" sogar dem FC Bayern an.

Das Gerücht über ein mögliches Interesse des deutschen Rekordmeisters sei demnach nichts anderes als eine wohlplatzierte Botschaft des Beraters an die Welt. Mit dem Ziel, Ronaldo wieder auf den Radar der Topklubs zu bekommen. Arrangierte Ehe statt Liebesheirat sozusagen.

Abwegiges Real- und Juve-Interesse 

Möglich, dass der umtriebige Berater auch bei allen anderen Spekulationen seine Finger im Spiel hatte. So berichtete der "Mirror" etwa von dem abwegigen Real-Wunsch, Ronaldo zurückzuholen. In Wahrheit haben die Königlichen mit Karim Benzema den wohl aktuell besten Stürmer der Welt in ihren Reihen und es für die Zukunft eher auf Erling Haaland oder Kylian Mbappe abgesehen.

Auch Juventus Turin soll sich laut "Sport" - ganz romantisch - in die Kandidaten eingereiht haben, die sich nach dem Ex zurücksehnen. In Wahrheit hatte Ronaldo seinerzeit ein angespanntes Verhältnis zu Trainer Massimiliano Allegri. Der Juve-Coach soll dem Klub damals sogar zum Verkauf geraten haben. "Werden Sie Ronaldo los. Er blockiert das Wachstum der Mannschaft und des Klubs", wird Allegri in "La Repubblica" zitiert.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass keines der Gerüchte ein Zitat oder konkrete Zahlen beinhaltet. Meist ein Indiz dafür, dass nichts dahintersteckt.

Ronaldo ein immenser Kostenfaktor

Doch warum steht Ronaldo, für den Juventus Turin noch vor vier Jahren 117 Millionen Euro hinblätterte, trotz ansprechender Leistungen plötzlich wie ein Ladenhüter da? Zwei Gründe sind denkbar.

Zum einen ist Ronaldo ein immenser Kostenfaktor. Zwar dürfte sich die Ablöse bei einem Marktwert von 30 Millionen Euro (laut "transfermarkt") im Rahmen halten. Sein Gehalt jedoch soll sich aktuell auf rund 27 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Netto. Im Vergleich: Lewandowski kassiert bei den Bayern kolportierte 25 Millionen Euro - brutto.

Allerdings zeigt das Beispiel Lionel Messi bei Paris St. Germain, dass neue Sponsorenverträge und Trikotverkäufe einen solchen Mega-Deal dennoch rentabel machen können.

Ronaldo für Topklubs zu alt?

Der zweite Grund wiegt schwerer. So ist es Ronaldo gewohnt, dass das Spiel auf ihn zugeschnitten wird. Jeder potenzielle Arbeitgeber muss sich also die Frage stellen, ob er seine Mannschaft um einen 37-Jährigen bilden will, dessen Karriereende absehbar ist. Vielen Topklubs ist das zu heikel.

Und weil die Großen schweigen - oder wie Bayern dementieren - kommen Vereine wie der AS Rom und Inter Miami ins Spiel. Das hätte allerdings so gar nichts von Romantik.

Dann doch lieber eine Rückkehr zu Ronaldos Jugendklub Sporting Lissabon. Doch dafür ist der Superstar eigentlich noch viel zu gut, was wiederum dafür sprechen könnte, dass er Manchester ein zweites Jahr beschert - und damit auch die Chance auf ein angemessenes Hollywood-Happy-End wahrt.

Carolin Blüchel

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