Arsenal fertigt Chelsea im Testspiel mit 4:0 ab - Bildquelle: 2022 Getty ImagesArsenal fertigt Chelsea im Testspiel mit 4:0 ab © 2022 Getty Images

München – Vier Spiele, vier Siege: Die Bilanz des FC Arsenal in der Vorbereitung ist lupenrein. Das 4:0 gegen den FC Chelsea - der vorläufige Höhepunkt. Die "Gunners" schießen sich warm für die bevorstehende Saison.

Dementsprechend groß ist die Euphorie in London, gab ein strahlender Mikel Arteta nach Abschluss der USA-Reise zu. "Aber nicht übertreiben", warnte der Trainer im selben Atemzug. "Es waren trotzdem nur Testspiele. Es gibt immer noch viele Dinge, die wir besser machen müssen."

Tatsächlich tut Arsenal gut daran, den Ball flach zu halten. Mit dem FC Everton (1:0), Orlando City (3:1) und dem 1. FC Nürnberg (5:3) gelangen drei der Siege gegen deutlich schwächere Gegner.

Gefährlichste Waffe "Gunners": Der dreifache Gabriel

Vor allem gegen den "Club" offenbarte Arsenal anfangs noch eklatante Schwächen, lag zwischenzeitlich sogar mit 0:2 zurück. Erst als Arteta den dreifachen Gabriel einwechselte, kam die Wende. Und die Erkenntnis, dass das brasilianische Trio in dieser Saison durchaus den Unterschied machen könnte.

Gabriel Magalhaes: Dem Innenverteidiger gelang schon im Vorjahr der Durchbruch. Mit seiner Zweikampfstärke und dem gutem Auge in der Spieleröffnung ist er quasi der brasilianische Schlotterbeck. Aber aufgepasst, Arsenal! Juventus Turin hat den 24-Jährige als De-Ligt-Nachfolger in Visier. 

Gabriel Martinelli: Der Offensiv-Allrounder fühlt sich auf dem linken Flügel am wohlsten. Schon in der vergangenen Saison sorgte er für viel Wind auf der Seitenbahn, erzielte wichtige Treffer. Mittlerweile ist der 21-Jährige aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. In der Scouting-Abteilung herrscht Einigkeit: Dem Brasilianer gehört die Zukunft - als Vorbereiter und Vollstrecker.

Gabriel Jesus: Für schlappe 52,2 Millionen eiste Arsenal den Stürmer von Manchester City los. Ein absoluter Top-Transfer. Denn der 25-Jährige startete wie eine Rakete, erzielte vier Treffer in vier Spielen. Kein Vergleich zu Vorgänger Alexandre Lacazette, der im vergangen Jahr vor dem Tor zwar bemüht aber meistens glücklos blieb und den Klub ablösefrei verließ.

Das Trio sowie Kapitän Martin Ödegaard und Mittelfeld-Juwel Bukayo Saka bilden den Stamm der aktuell so starken "Gunners", die eigentlich schon in der Saison 2021/22 für Furore gesorgt hatten.

Mit Besonnenheit und Geduld zum Erfolg

Dabei hatte Artetas Stuhl nach einem Fehlstart mit drei Pleiten in Folge im Spätsommer 2021 schon verdächtig gewackelt. Doch Edu, der technische Direktor, hielt am Trainer fest, glaubte an dessen Vision.

Am Ende mussten sich die Londoner mit Tabellenplatz fünf erst im Schlussspurt im Kampf um die Champions-League-Plätze geschlagen geben. In dieser Saison könnten sie endlich die Früchte ernten.

Im Grunde ist Arsenal derzeit das beste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn der Trainer Zeit bekommt, etwas Langfristiges aufzubauen. Besonnenheit und Geduld als Erfolgsrezept. Stand heute.

Das überwiegend junge Team, das sich der frühere Guardiola-Co über Jahre aufgebaut hat, wurde zuletzt mit Jesus (Manchester City), Fabio Vieira (FC Porto) und Oleksandr Zinchenko (Manchester City) punktuell verstärkt. Und – so betont Edu – man habe auch alte Fesseln abgelegt. Mit Ansage.

Edu rechnet mit früheren Arsenal-Stars ab

Schon bei seinem Amtsantritt 2019 hatte der frühere Mittelfeldspieler der Vereinsführung prophezeit: "Männer, 2022/23 wird die Saison sein, in der wir viel besser sind." Er beschrieb damals einen Fünf-Jahres-Plan, an den keiner so recht glauben wollte.

Diesen umzusetzen war häufig auch schmerzhaft, so Edu rückblickend. Arsenal hatte über Jahre hinweg zu viele teure Spieler im Kader, die unter den Erwartungen geblieben waren. "Wenn jemand viel verdient aber nicht abliefert, dann ist das kein Problem. Aber wenn der Spieler über 26 ist, ein hohes Gehalt bezieht und keine Leistung bringt, dann tötet er dich."

Edu beklagte, dass Arsenal zu viele unambitionierte Akteure auf der Payroll hatte, die keiner haben wollte. Und die sich mit ihrer Reservistenrolle abgefunden hatten, solange sie ihr fürstliches Gehalt bekamen. "Wie viele Spieler hatten wir in der Vergangenheit, die so gestrickt waren? 80 Prozent des Kaders", so das vernichtende Urteil.

Özil und Aubameyang: Bezahlt, damit sie gehen

Deshalb griff der Brasilianer in den letzten Jahren zu ungewöhnlichen Methoden. Rund 40 Spieler wurden aussortiert. Manche Hochkaräter wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Mesut Özil wurden sogar bezahlt, damit sie den Klub verlassen.

Ladenhüter wie Skhodran Mustafi, Sead Kolasinac oder Sokratis dürften trotz laufender Verträge ablösefrei gehen. Hauptsache weg. Selbst vor Stars wie Willian und David Luiz machte Edu nicht Halt. Der Erfolg gibt ihm recht.

Arsenal auf Citys Spuren

Zwar ist der Kader noch immer aufgebläht, der Aufschwung ist jedoch spürbar. Die jungen Wilden glänzen mit "high intensity football", wie es auf der Insel heißt: Ballbesitz, hohes Pressing, viel Gegenpressing. 

Arsenal mit Arteta ist ein wenig das Abziehbild von Manchester City und Pep Guardiola. Kein Wunder, lernte der Trainer doch jahrelang als Assistent von seinem Vorbild. In den kommenden Monaten und Jahren wollen sich die "Gunners" auch leistungsmäßig an den "Skyblues" orientieren.

"Ein Klub wie Arsenal ist nicht dazu da, um den vierten Platz zu spielen. Sorry, das ist inakzeptabel", sagte Edu, der einst selbst das Arsenal-Trikot getragen hatte.

"Ich will sehen, dass Physios, Masseure, Scouts, jeder im Klub fühlt: Verdammte Scheiße, jetzt legen wir uns richtig ins Zeug." Die Vorbereitung ist da nur ein Vorgeschmack.

Carolin Blüchel

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