Ronaldo will Manchester so schnell wie möglich verlassen - Bildquelle: 2022 Getty ImagesRonaldo will Manchester so schnell wie möglich verlassen © 2022 Getty Images

München - Geschätzte 659 Millionen Anhänger soll Manchester United weltweit haben. Jeder einzelne dürfte sich aktuell verwundert oder gar traurig die Augen reiben, was mit der Mutter aller Traditionsvereine gerade geschieht.

War die Rückkehr von Cristiano Ronaldo an alte Wirkungsstätte vor einem Jahr als Fußball-Märchen geplant, entwickelt sich daraus eine peinliche Soap Opera, die dem Verein gefährlich wird und bei der auch der sonst so professionelle Superstar keine gute Figur macht.

Wie dünnheutig der Superstar mittlerweile auf Gerüchte und Spekulationen reagiert, zeigte ein Kommentar des Portugiesen unter einem Instagram-Post einer Ronaldo-Fanpage. 

"Macht nur weiter so, dann schafft Ihr es vielleicht, irgendwann mal richtig zu liegen" schrieb Ronaldo, löschte den Kommentar aber nur wenige Minuten später. Zudem kündigte er an, dass er in einem Interview bald mit der "Wahrheit" heruasrücken werde.

So oder so, klar ist, dass er bereits vor Wochen öffentlich bekanntgab, United nach nur einer Saison verlassen zu wollen. Die verpasste Qualifikation für die Champions League und damit verbundene Gehaltseinbußen um 25 Prozent sowie fehlende Neuzugänge sollen laut "Manchester Evening News" die wahren Gründe dafür sein.

Hinzu kommen private. So dränge vor allem Freundin Georgina Rodriguez auf eine Rückkehr der Familie nach Spanien.

Ten Hag denkt um: Lieber Harmonie als Ronaldo

Lange hatte der neue Trainer Erik ten Hag gehofft, den 37-Jährigen umstimmen zu können, verpasste ihm sogar das Etikett "not for sale" (dt. nicht zum Verkauf). Der Niederländer blieb auch standhaft, als Ronaldo-Berater Jorge Mendes in der Sommerpause öffentlichkeitswirksam durch Europa tingelte und seinen berühmten Klienten gefühlt jedem Verein anbot, den er für annähernd zahlungsfähig hielt.

Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 30 Jahren mit der 1:2-Heimniederlage gegen Brighton & Hove Albion sowie dem 0:4 in Brentford soll Ten Hag seine Meinung geändert haben. Ronaldo könne gehen. Aus Angst um die Stimmung in der Kabine. Die könnte gegenwärtig nämlich mieser nicht sein. Der missmutige und lustlose Portugiese ist eine Ursache dafür.

Dabei hatte sich während der Vorbereitungstour, die CR7 aus privaten Gründen verpasst hatte, ein Wohlfühlgefühl innerhalb der Mannschaft breitgemacht. Seit Ronaldos Rückkehr ist davon nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil.

Mannschaft von Ronaldos Lustlosigkeit genervt

Bereits vor der Klatsche gegen den FC Brentford am Wochenende soll es in der Kabine zu einer Rangelei unter den Spielern gekommen sein. Auch wenn Ronaldo hier nicht direkt involviert war, sind laut "The Athletic" viele Spieler nicht mehr gut auf den Superstar zu sprechen. Auf dem Trainingsgelände gilt Ronaldo offenbar als isoliert. Bis auf einige junge Spieler, die noch zu ihm aufschauen.

Dabei hatte er in der vergangenen Saison nach dem Aus des glücklosen Trainers Ole Gunnar Solskjaer das Team noch mit aller Macht zusammengehalten. Und selbst noch im Mai hatte er den jungen Spielern vor ihrem Sieg im FA Youth Cup Finale Motivations-Videobotschaften gesendet.

Aber mit Teamplay ist längst Schluss. Ronaldo macht sichtbar kein Geheimnis mehr aus seiner Null-Bock-Einstellung. So wie zum Beispiel bei einem Testspiel Anfang August gegen Rayo Vallecano, als er nach seiner Auswechslung zur Halbzeit wortlos abrauschte, während das Spiel noch lief.

Ronaldo läuft die Zeit davon

Am Dienstag verbreitete die spanische "AS" die Meldung, Ronaldos Berater stehe in Kontakt mit Borussia Dortmund. Allein schon wegen der begrenzten Finanzkraft der Schwarz-Gelben absolut utopisch. Doch scheinbar ist im Ronaldo-Lager die Verzweiflung so groß, dass jedes noch so unrealistische Gerücht willkommen ist. Denn viele reale Interessenten gibt es nicht mehr.

Sein Jugendklub Sporting Lissabon und vielleicht noch Atletico Madrid. Spekuliert wird in englischen Medien über ein mögliches Tauschgeschäft mit Alvaro Morata oder Antoine Griezmann. Allerdings vermeldete die "Times" diese Woche, dass es derzeit keine Anzeichen gebe, wonach CR7 Teil eines Deals mit Atletico werden könnte. Ronaldo läuft die Zeit davon, in zwei Wochen schließt das Transferfenster. 

United im "Krieg" mit eigenen Besitzern

Angeblich zerbrechen sich Geschäftsführer Richard Arnold und Fußballdirektor John Murtough tagein, tagaus die Köpfe, wie das Dilemma zu lösen ist. Das berichtet zumindest die "BBC". Allerdings sind den United-Verantwortlichen die Hände gebunden. Ihr größtes Problem ist die Glazer-Familie.

Die Eigentümer um den Co-Vorsitzenden Joel Glazer müssen jeden Transfer absegnen und denken laut "Manchester Evening News" im Traum nicht daran, Marketing-Zugpferd Ronaldo ziehen zu lassen.

"Manchester United ist im Krieg" mit den Glazers, titelte die "Sun". Ganz unwahr ist das nicht. Schließlich sind die ungeliebten Besitzer den Fans seit je her ein Dorn im Auge. Anders als der frühere Chelsea-Oligarch Roman Abramovich oder die ManCity-Scheichs ziehen die Glazers Geld aus dem Klub statt zu investieren. Rund 1,2 Milliarden sollen es seit 2005 gewesen sein.

United-Fans wollen Glazers loswerden

Der sportliche Erfolg bzw. das Wohlergehen des Vereins an sich, scheint den Glazers einigermaßen egal zu sein, solange nur der Rubel rollt. Seit 2006 wurde das Old Trafford-Stadion nicht mehr modernisiert, das Trainingsgelände ist gar noch auf dem Stand der Jahrtausendwende.

Als die Besitzer im vergangenen Jahr auch noch treibende Kraft bei der Gründung der Super League waren, um noch mehr Geld rauszuquetschen, ist bei den Fans der Ofen endgültig aus. Mit heftigen Protesten erzwangen sie die Rolle rückwärts. Seitdem fordern die Anhänger bei nahezu jedem Heimspiel laut- und bildstark das Ende der Glazers bei Manchester United.

Sorgt das Transfer-Dilemma um Ronaldo jetzt für den ganz großen Knall? 659 Millionen Fans drücken die Daumen, dass das nicht passiert.

Carolin Blüchel

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