Manchester United hat nach zwei Spieltagen noch keinen Punkt auf dem Konto - Bildquelle: Getty ImagesManchester United hat nach zwei Spieltagen noch keinen Punkt auf dem Konto © Getty Images

München/Manchester - Manchester United ist Tabellenletzter!

Was bislang mindestens so absurd klang wie die Behauptung, Großbritannien hätte die Monarchie abgeschafft, ist tatsächlich wahr geworden.

Es steht in allen Zeitungen, auf allen Internetseiten. Überall.

Der Tabellenstand speist sich zwar nur aus den Ergebnissen der ersten beiden Spieltage. Doch im roten Teil Manchesters herrscht dennoch bereits Untergangsstimmung.

"Wir sind Zeugen der Vernichtung von Manchester United", fasste Ex-Kapitän Gary Neville als "Sky"-Experte die derzeitige Situation rund um seinen früheren Verein zusammen.

Klingt maßlos übertrieben? Mag sein. Der ehemalige englische Nationalspieler steht mit seiner Meinung nach der demütigenden 0:4-Packung beim FC Brentford aber nicht alleine da.

Shearer über Manchester United: "Absolutes Chaos"

Sein ehemaliger Auswahlkollege Alan Shearer spricht in der "BBC" von einem "absoluten Chaos". Es habe "jahrelanges Versagen, jahrelanges Missmanagement" gegeben, so der frühere Nationalstürmer: "Es mangelt an Führung, und die Personalpolitik war schrecklich."

Man könnte noch viel mehr solcher Beispiele zitieren. Die Essenz aber bleibt dieselbe. Der ruhmreiche Klub im Nordwesten Englands – immerhin englischer Rekordmeister und dreimaliger Gewinner der europäischen Königsklasse – steht so schlecht da wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Als der Klub zuletzt am Tabellenende der ersten englischen Liga stand, schrieb man den 19. August 1992. Auch damals – in der ersten Saison der neu gegründeten Premier League – bildeten die "Red Devils" nach zwei Spieltagen das Schlusslicht.

Im Laufe der Saison aber konnte sich das Team von Trainer-Legende Alex Ferguson steigern, und am Ende feierte United sogar die Meisterschaft.

In diesem Jahr aber glaubt niemand an eine solche Wendung. Zu gravierend sind die Fehler, die in der jüngeren Vergangenheit im und um das altehrwürdige Old Trafford begangen worden sind.

Was aber genau die Ursachen für diese katastrophalen Entwicklungen sind? Diese Frage spaltet die Fußball-Nation wie kaum eine andere.

Neville und Redknapp zoffen sich öffentlich

Die Diskussion wird so emotional geführt, dass selbst TV-Experten bei diesem Thema heftig aneinandergeraten. Während Neville die Glazer-Familie als Besitzer des Vereins in die Pflicht nimmt, mehr Stars zu United zu locken, sieht Jamie Redknapp – Ex-Profi von Uniteds Rivalen FC Liverpool – die Hauptschuld bei den Spielern selbst.

Ihr Streit mündete in der Aufforderung von Redknapp an seinen Kollegen: "Schau mich bitte an, wenn ich mit dir rede!"

Tatsächlich machen einige Spieler derzeit den Eindruck, als ob sie mit der derzeitigen Situation überfordert sind. Torwart David De Gea beispielsweise leistete sich in Brentford zwei folgenschwere Patzer, die zur frühen 2:0-Führung der Gastgeber führten.

Cristiano Ronaldo sorgt für Eklat

Ein Spieler, der vorangeht und die anderen mitreißt, ist derzeit nicht auszumachen. Cristiano Ronaldo wäre so ein Spieler. Doch der 37 Jahre alte wechselwillige Superstar, den zumindest in Europa kein Top-Klub mehr haben will, schiebt nur noch Dienst nach Vorschrift – wenn überhaupt.

Nach der peinlichen Niederlage in Brentford verweigerte der Portugiese zuerst den Gang zu den mitgereisten United-Fans und dann seinem neuen Trainer Erik ten Hag den Handschlag.

Womit wir bei der anderen Begründung für die epochale Krise des stolzen Klubs sind. Dem ambitionierten Coach aus den Niederlanden wurde versprochen, den einen oder anderen Star zu holen.

Doch von Top-Zugängen fehlt auch in der mittlerweile fortgeschrittenen Transferperiode noch jede Spur. Und das obwohl ten Hag für den sportlichen Neuanfang umgerechnet knapp 180 Millionen Euro versprochen wurden.

Kalajdzic auf dem Zettel von United?

Doch weder sein Wunschspieler Frenkie de Jong vom FC Barcelona noch Adrien Rabiot von Juventus Turin konnten bislang verpflichtet werden. Für de Jong wäre United bereit, 85 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Mit Barca soll längst eine Einigung erzielt worden sein. Doch de Jong weigert sich nach wie vor hartnäckig, Barcelona zu verlassen.

Und so spekuliert zumindest der "Mirror", dass jetzt auch noch Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart ins Visier von United geraten ist.

Laut der Boulevard-Zeitung soll ten Hag mittlerweile wegen der andauernden Transferpleiten seines neuen Klubs "sehr wütend" sein.

Einstweilen aber lässt er seinen Frust noch an seinen Spielern aus. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, strich er kurzerhand seinen Profis den freien Sonntag und ordnete Straftraining an.

Ob's was bringt? Nächste Woche Montag wissen wir mehr. Dann gastiert der FC Liverpool beim Tabellenletzten.

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