Schlechte Stimmung: Lukas Podolski droht mit Vissel Kobe auch in seiner drit... - Bildquelle: imago images / AFLOSPORTSchlechte Stimmung: Lukas Podolski droht mit Vissel Kobe auch in seiner dritten Saison die sportlichen Ziele zu verfehlen © imago images / AFLOSPORT

München/Kobe: Präsident Hiroshi Mikitani hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mit Vissel Kobe die erste japanische Meisterschaft der Vereinsgeschichte zu gewinnen. Der deutsche Lukas Podolski kam bereits im Sommer 2017 in die Millionenstadt am Hafen, der Spanier Andres Iniesta folgte im Sommer 2018, Landsmann David Villa im Januar 2019.

Drei Weltmeister spielen also in einer Mannschaft, die mit einem Etat von rund 40 Millionen Euro als Krösus von Japan gilt – dennoch drohen Poldi & Co. erneut im Mittelmaß zu versinken.

Lediglich drei Siege gelangen in den bisherigen acht Saisonspielen. Die letzten drei Partien gingen alle verloren. Das ergibt einen enttäuschenden elften Tabellenplatz in der J League. Es droht ein noch schlechteres Abschneiden als in der Saison 2018, die mit Tabellenplatz 10 ebenfalls enttäuschend verlief.

Die Unzufriedenheit ist groß: Der Präsident nahm am 16. April einen Trainerwechsel vor und entließ den Spanier Juanma Lillo – nicht ungewöhnlich in Kobe. Seit 16 Jahren ist Mikitani Präsident des Vereins und hat in dieser Zeit bereits 16 Trainer verschlissen.

Der erhoffte Trainereffekt blieb aus: Die erste Partie unter Takayuki Yoshida, der bereits 2017 und 2018 in Kobe auf der Trainerbank saß, endete am vergangenen Samstag mit einer 0:1 Niederlage gegen Urawa Reds.

Gelingt Sonntagfrüh deutscher Zeit (7 Uhr) auch gegen den Tabellen-Siebten Kawasaki Frontale kein Sieg, droht die Stimmung weiter zu kippen. Umso bitterer, dass es sich um einen Angstgegner handelt: Keines der letzten vier Aufeinandertreffen konnte Kobe gewinnen. Das Torverhältnis: 4:12.

Podolski gab Kapitänsbinde ab

Erschwerend kommt hinzu, dass die Leistungsträger nicht fit sind. David Villa hat die letzten beiden Spiele aufgrund einer Adduktorenverletzung verpasst, Andres Iniesta war im letzten Spiel ebenfalls nicht einsatzbereit. Und Podolski? Der scheint mit sich selber zu tun zu haben. Erst zu Saisonbeginn hatte er die Kapitänsbinde übernommen, die er nach dem 7. Spieltag schon wieder freiwillig abgab.

"Seit einigen Wochen herrscht eine Situation, in der sich nichts beruhigt. Nicht nur ich, sondern das ganze Team hat sich nicht wohlgefühlt", wird Podolski vom kicker zitiert. Angeblich habe der Stürmer nicht mehr das Vertrauen in seine Person gespürt. Seine Leistungen sind okay, allerdings nicht überragend. In sieben Spielen gelangen ihm zwei Tore und eine Vorlage.

Sein Vertrag endet nach dieser Saison. Der erhoffte Erfolg blieb bislang aus.

 

Die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation ist ihm anzusehen. Im vergangenen Spiel war in der TV-Übertragung zu hören, wie er sich einen verbalen Ausrutscher leistete: Als ihm ein Balljunge den Ball nicht genau zuwarf, beschwerte sich Podolski auf Deutsch mit den Worten: "Gib ihn mir in die Hand, du H...sohn."

Iniesta: Hart arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen

Innerhalb der Mannschaft scheint die Chemie nicht zu stimmen. Der ehemalige Hannover-Spieler Hotaru Yamaguchi bemängelte bereits den fehlenden Teamgeist einiger Spieler. Iniesta soll als neuer Kapitän für ein besseres Mannschaftsgefüge sorgen.

Er twitterte: "Es ist ein großer Stolz, der Kapitän dieses Teams zu sein. Ich werde versuchen, meine Teamkollegen, den Verein und die Fans bestmöglich zu vertreten. Wir werden weiter hart daran arbeiten, Freude zu bereiten und unsere Ziele zu erreichen. Immer vereint Arigato!"

Präsident Mikitani möchte mit Vissel Kobe weiterhin hoch hinaus. Der Verein soll der FC Barcelona des japanischen Fußballs sein. Daher hatte er nicht nur Villa und Iniesta, sondern im März auch noch den 24-jährigen Ex-Barca-Spieler Sergi Samper geholt.

Damit nicht genug: Er plant sogar ein Nachwuchsleistungszentrum nach dem Vorbild der Barcelona-Ausbildungsschmiede "La Masia".

Visionen sind also vorhanden. Und an Geld mangelt es dem Milliardär Mikitani (Eigentümer vom Online-Händler Rakuten) ohnehin nicht. Das einzige, was wirklich fehlt, ist schlicht und ergreifend sportlicher Erfolg.

Oliver Jensen

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