Joachim Löw steht weiter vor wichtigen Entscheidungen - Bildquelle: PIXATHLONPIXATHLONSIDJoachim Löw steht weiter vor wichtigen Entscheidungen © PIXATHLONPIXATHLONSID

Köln - Bundestrainer Joachim Löw hat mit der Ausbootung dreier 2014er-Weltmeister einen radikalen Schnitt gezogen. Der SID beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. 

Wie wird Joachim Löws Entscheidung aufgenommen?

Nach anfänglichem Lob für die Konsequenz mit viel Kritik an Timing und Stil. Der stärkste Gegenwind kommt naturgemäß aus München, wo die drei Ausgebooteten ansässig sind: Thomas Müller lieferte eine scharfe Video-Replik, angeblich wollen sich auch Jerome Boateng und Mats Hummels noch eingehend äußern.

Riskiert der Bundestrainer seinen Job?

Ja. Löw hat sich aufs Drahtseil gewagt. Er hat einen radikalen Schnitt gezogen, seine Maßnahmen müssen in der EM-Qualifikation (ab 24. März) die erwünschte Wirkung zeigen. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass er vor der EM 2020 ernsthaft angreifbar wird. Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bekennt sich klar zu ihrem Weltmeistertrainer.

 

Ist dies das Ende der Generation Weltmeister?

Fast. Vier Weltmeister gehören noch zum DFB-Kader: Toni Kroos und Manuel Neuer als Stammkräfte 2014, dazu Julian Draxler, der eine Viertelstunde im längst gewonnenen Halbfinale gegen Brasilien (7:1) spielen durfte, und Matthias Ginter, der ohne WM-Einsatz geblieben war.  

Wer wackelt jetzt noch? 

Neuer. Und Kroos. Der Torhüter hat sein Spiel 2014 auf ein Niveau gehoben, das er später selbst nicht mehr halten konnte. Sein Rivale Marc-Andre ter Stegen liefert hingegen für den FC Barcelona reihenweise Weltklasseleistungen. Löw hat einen Wechsel schon angedeutet. Populär ist die Forderung nach einem Abschied von Kroos - besonders nach dem Champions-League-Aus von Real Madrid. Bernd Schuster nannte ihn abschätzig "Dieseltraktor".

Wer rückt für die Aussortierten nach?

Auf den erfahrenen Marco Reus wird eine Menge Verantwortung zukommen. Ebenso auf Joshua Kimmich oder Draxler, Leon Goretzka oder Leroy Sane. Niklas Süle wird wie schon beim FC Bayern der Abwehrchef sein - dort wechselten sich Hummels und Boateng zuletzt an seiner Seite ab. In der Nationalmannschaft bewerben sich Antonio Rüdiger und Jonathan Tah. Kai Havertz wird eine neue Führungsfigur im Mittelfeld. 

Wie verändert sich die Hierarchie?

Hummels, Boateng und Müller waren die begehrtesten Gesprächspartner und bildeten eine Hälfte des sechsköpfigen Mannschaftsrates, von dem - nach dem Abschied von Sami Khedira - nur noch Neuer und Kroos übrig sind. Süle, Timo Werner und Kimmich dürften in der Hierarchie schnell aufrücken. 

Hätten Hummels, Müller und Boateng unter einem anderen Nationaltrainer eine Zukunft?

Vielleicht. Müller beklagt die "suggerierte Endgültigkeit" seiner Ausbootung und äußert sich sehr kämpferisch: "Das Spiel ist noch nicht aus." Allerdings wird Löw vor der EM 2020 kaum zurücktreten oder entlassen werden. Müller hätte noch die besten Karten, die Zeit von Hummels und Boateng scheint abgelaufen zu sein. Alle drei sind zudem in ihrem Stolz verletzt.

Welche jungen Spieler bieten sich an? 

Löw schätzt die Jahrgänge 1995/96 als die Letzten ein, die noch Überfluss hergeben. Danach, sagt der Bundestrainer, sei zu sehen, dass Deutschland überholt worden ist. Dennoch gibt es einige Spieler mit Potenzial: Zu nennen sind Arne Maier und Niklas Stark (beide Hertha BSC), Maximilian Eggestein (Werder Bremen), Danny da Costa (Eintracht Frankfurt) oder Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg). Ersten Aufschluss wird Löws Kadernominierung am 15. März für die Spiele gegen Serbien (20. März) und in den Niederlanden (24. März) geben.

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