Leroy Sane soll den nächsten Schritt im DFB-Team machen. - Bildquelle: GettyLeroy Sane soll den nächsten Schritt im DFB-Team machen. © Getty

München - Es ist eine Krux mit dem eigenen Ruf. Schließlich ist es eine Heidenarbeit, das Image positiv aufzubauen und dann auch noch bestmöglich zu pflegen. Damit man als Profisportler damit punkten, ein bisschen spielen und Geld verdienen kann.

Blöd nur: Leider geht es umso schneller, das eigene Ansehen zu ruinieren. Manchmal reicht eine unbedachte Aktion, ein Fauxpas, und das Ding hängt einem ein halbes Leben lang nach.

Schlampiges Genie

Bei Leroy Sane ist es dann doch eher eine Häufung der Vorkommnisse, die ihm den Stempel unbequemer Jungstar beziehungsweise umstrittener Problemprofi mit Allüren eingebracht haben. Typ schlampiges Genie.

Etwas zu lässig, wenn es um die Ernsthaftigkeiten einer Profikarriere geht, bei einem 23-Jährigen, dem man seit Jahren nachsagt, er sei zu Höherem berufen. Ohne Frage ist er mit Weltklasse-Potenzial ausgestattet, aber, wie Sane auch selbst zugibt, ist bei ihm auch die Notwendigkeit des einen oder anderen Tritts in den Hintern gegeben.

Und: Er hat sich den Ruf zum Teil auch selbst zuzuschreiben. Auf die Chance des Confed Cup verzichtete er, um sich - medizinisch notwendig, wenn auch vom Zeitpunkt her unglücklich - die Nase richten zu lassen. Im besagten Sommer ließ er sich auch das riesige jubelnde Selbstbildnis als Tattoo stechen. Ein bisschen zu viel Selbstverliebtheit für den Geschmack vieler. Selbst die City-Teamkollegen lachten sich schlapp.

Sane polarisiert

Der Junge polarisiert, die Grenzen zwischen sportlichen und menschlichen Bewertungen verschwimmen dann schnell. In die Analyse der Ausbootung vor der WM im vergangenen Jahr floss dann auch an der einen oder anderen Stelle sein Verhalten abseits des Platzes ein - was laut Bundestrainer Joachim Löw aber völlig korrekt war. Das Unangepasste, Unbequeme, Extravagante fällt Sane dann auf die Füße, obwohl es genau das ist, was ihn wohltuend von anderen glattgebügelten Jungstars seiner Generation abhebt.

Ob man mit einer Designer-Felljacke und einem Louis-Vuitton-Rucksack, das zusammen so teuer wie ein Mittelklasse-Neuwagen ist, zum Treffpunkt der Nationalmannschaft kommen muss, kann man diskutieren. Die Notwendigkeit einer Diskussion über einen Teil des Privatlebens und der modischen Vorlieben allerdings auch. 

Neue Frisur

Es war klar - und natürlich weiß Sane das -, dass dann auch seine neue Frisur zum Start der Vorbereitung auf die beiden EM-Qualifikationsspiele am Samstag in Weißrussland (20:45 Uhr im Liveticker auf ran.de) und am Dienstag gegen Estland (20:45 Uhr im Liveticker auf ran.de) wieder eine Meldung sein würde.

Gut zu wissen: "Über so was mache ich mir keine Gedanken, das spielt für mich keine Rolle", sagt Löw.

Was stimmt: Sane kam lange in der Nationalelf nicht richtig an, fand dort seinen Platz, den Rhythmus und sein Spiel nicht, was sich in der deutlichen Divergenz seiner Auftritte in Manchester und in der DFB-Auswahl widerspiegelte. 

Die Kritik: Im Nationaltrikot mache er zu wenig aus seinen Möglichkeiten, bringe zu selten seine Dribblings, sein Tempo, seine Dynamik, sein Zug zum Tor ein.

Toni Kroos äußerte sich zweimal zu Sane. Einmal, vor der WM, kritisierte er unter anderem den Stürmer für eine zu lasche Einstellung. Im September erklärte der Real-Superstar: "Grundsätzlich ist er ein Spieler, der alles mitbringt, um absolute Weltklasse zu werden. Man hat aber das Gefühl, dass er gesagt bekommen muss, was zu tun ist, um das zu werden."

"Leroy ist ein besonderer Spieler"

Auch in Manchester musste er feststellen, dass er sich vom Lob seines Trainers Pep Guardiola - "Leroy ist ein besonderer Spieler" oder "Sane ist der beste Spieler der Welt, wenn es um Läufe in die Tiefe geht" - nicht viel kaufen kann, wenn in den wichtigen Spielen andere den Vorzug bekommen.

Die Disziplin ist das Problem, die taktische. "Ich verlange sehr viel von ihm und manchmal kritisiere ich ihn auch, nicht nur bei Aktionen mit dem Ball - auch ohne", so Guardiola. Klar ist: Es darf gerne der nächste Schritt kommen. Heißt: Konstantere Leistungen, reifere Spiele, mehr Verantwortung.

Löw sagt im "kicker", Sane sei, genau wie Leipzigs Timo Werner, "in diesen engen Räumen besser geworden als vor zwei, drei Jahren. Aber sie haben auch noch Luft nach oben, sie sind noch lange kein Ronaldo oder Messi. Das lernt man erst im Lauf der Jahre in Spielen auf allerhöchstem Niveau".

Bayern bieten 80 Millionen

Das könnte Sane nun beim FC Bayern, denn der Rekordmeister ist an dem 23-Jährigen interessiert. Angeblich haben die Bayern 80 Millionen Euro geboten, City will 100.

"Man muss ein bisschen skeptisch sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es klappt. Es geht um Beträge, die sind Wahnsinn", sagt Präsident Uli Hoeneß.

Eine Absage? Nein, vielmehr der Start in den branchenüblichen Poker also. Der hat ja schließlich auch seinen Ruf weg.

Andreas Reiners

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