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Fürth - Morgens pauken, nachmittags kicken. So sah in den Tagen bei der deutschen U21-Nationalmannschaft der Alltag von Florian Wirtz im Mannschaftshotel in Herzogenaurach aus. Während seine Teamkollegen noch im Bett lagen, schlug sich der erst 17-Jährige bereits mit Stochastik, Kurvendiskussion und anderen mathematischen Formeln herum. Dass der Profi von Bayer Leverkusen all das wunderbar unter einen Hut bekommt, hat er nicht zuletzt bei seinem U21-Länderspiel-Debüt in Chisinau gegen Moldau (5:0) gezeigt.

Kaum für die deutsche U21 nominiert, gleich in der Startelf. Mit 17 Jahren, fünf Monaten und sechs Tagen ist er damit der jüngste Debütant in der Geschichte der U21-Nationalmannschaft. Doch U21-Bundestrainer Stefan Kuntz versucht die Euphorie um den aktuellen Träger der Fritz-Walter-Medaille in Gold im U17-Bereich ein wenig zu dämpfen. "Wir werden jetzt nicht sagen, der Junge ist der Heilsbringer und wir brauchen ihn jetzt zwei Mal 90 Minuten, um uns zu qualifizieren. Das wäre eine zu hohe Last für Florian und auch nicht fair den anderen gegenüber", so Kuntz.

Immer wieder hörte man "Hier, hier hier" oder "Ich, ich, ich"

Dennoch ist jetzt schon klar erkennbar, dass Kuntz auf das deutsche Top-Talent setzt. Nachdem er gegen Moldau schon von Beginn an ran durfte und nach 64 Minuten dann für Ragnar Ache ausgewechselt wurde, beförderte der deutsche U21-Bundestrainer Wirtz gegen Bosnien-Herzegowina erneut in die Startelf. Und der zeigte in Fürth dann auch, warum ihm bereits so viel Vertrauen entgegengebracht wird.

Wirtz war im Fürther Ronhof von der ersten Sekunde an präsent, forderte Bälle und immer wieder hörte man ihn im Corona bedingt menschenleeren Stadion seinen Teamkameraden zurufen: "Hier, hier, hier". Oder: "Ich, ich, ich." Ein 17-Jähriger geht also vorne weg, will Verantwortung übernehmen. Das zeigte auch seine ganze Körpersprache, seine Präsenz auf dem grünen Rasen.

Angeschlagen ausgewechselt

Der Leverkusener brachte sich vor allem in der Anfangsphase richtig gut ein, spielte kluge Pässe, ließ die Bälle prallen, um so das Spiel schnell zu machen. Allein all diese Ansätze lassen nur vermuten, welch' glorreiche Zukunft Wirtz vor sich haben könnte. Leider musste er gegen Bosnien-Herzegowina bereits in der 26. Minute angeschlagen ausgewechselt werden. Einen überaus positiven Eindruck hat der 17-Jährige trotzdem hinterlassen.

Für ranFussball-Experte Rene Adler kommt die Leistung von Wirtz im deutschen U21-Dress nicht wirklich überraschend. "Florian hat etwas, das keine Frage des Alters ist - und das ist das ganz besondere Gefühl für Spielsituationen", so der Ex-Nationalkeeper. "Er ist wie ein Schachspieler, der im Kopf immer zwei, drei Züge vorne dran ist, ein absoluter Unterschiedsspieler wie beispielsweise auch ein Kai Havertz." Ein großes Kompliment für einen erst 17-Jährigen.

"Unglaubliches Potenzial"

Allerdings ist es für Adler das eine, gedanklich auf dem Spielfeld schnell zu sein, das andere ist es, es auch entsprechend umzusetzen. Und genau diese Gabe hat Wirtz aus seiner Sicht. Vor allem: "Er hat all diese Fähigkeiten schon jetzt mit 17 Jahren. Das heißt eben auch, dass er noch unglaubliches Potenzial in sich trägt und viel besser werden kann." Doch dafür müsse man ihn nun behutsam und mit aller Bedacht aufbauen.

 

"Natürlich besteht dieser Hype um Wirtz aber ein Stück weit auch zurecht", meint Adler. "Er ist Stammspieler bei Bayer Leverkusen und was ich von dort so höre, sind sie hochzufrieden mit ihm und seiner Entwicklung." Demnach mache man sich am Rhein auch berechtigte Hoffnungen, dass Wirtz mittelfristig ein Thema für Joachim Löw und die A-Nationalmannschaft werden könnte.

Havertz und Wirtz "zwei komplett unterschiedliche Spielertypen"

Dass Wirtz in und um Leverkusen bereits mit Havertz verglichen wird, der vor dieser Saison von der Werkself nach England zum FC Chelsea gewechselt ist, hält Adler für schwierig. "Das sind zwei komplett unterschiedliche Spielertypen", erklärt der ranFussball-Experte. "Außerdem besteht leider immer die Gefahr, dass man Fußstapfen künstlich so groß aufbläst und ihn dann da einfach rein hebt und er darin mehr oder weniger versinkt." Keine schönen Aussichten.

Aber: "Deswegen finde ich es richtig gut, wie Leverkusen mit der Situation umgeht und ihn schützt, in dem sie ihn beispielsweise bei Medienterminen rausnehmen oder Ähnliches."

Klar ist, dass Fußball-Deutschland noch viel von Florian Wirtz hören wird. Und zwar nicht nur als Spieler von Bayer Leverkusen in der Bundesliga, sondern auch als deutscher U21-Nationalspieler auf internationalem Parkett. Spätestens im November, wenn es für Kuntz und Co. zwei Mal in Braunschweig gegen Slowenien und im letzten U21-EM-Qualifikationsspiel gegen Wales geht (live auf ProSieben MAXX und ran.de).

Aus Fürth berichtet: Dominik Hechler

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