Joachim Löw steigt mit dem DFB-Team in der Nations League ab. - Bildquelle: GettyJoachim Löw steigt mit dem DFB-Team in der Nations League ab. © Getty

Leipzig - Den Sturz in die europäische Zweitklassigkeit erlebte Joachim Löw hilflos in der Zuschauerrolle. Der Bundestrainer verfolgte den 2:0 (1:0)-Sieg der Niederlande in der Nations League gegen Weltmeister Frankreich im Teamhotel The Westin in Leipzig und konnte den nächsten Imageschaden nach dem historischen WM-Debakel nicht aktiv verhindern.

Doch nach dem Turbo-Fußball seiner Rasselbande beim souveränen 3:0 (3:0) gegen Russland dürfte Löw den Abstieg aus der Division A mit Fassung tragen. Dies wäre "kein Weltuntergang", hatte Löw bereits vor dem Spiel erklärt. Für ein Turnier sei das nicht entscheidend. Und außerdem: "Man kann ja auch wieder aufsteigen." Das ist seiner neuformierten Mannschaft um die drei "Mopeds" Serge Gnabry, Leroy Sane und Timo Werner zuzutrauen.

Der Abstieg ist ärgerlich

Am Freitag ließen es die Nationalspieler aber erst einmal etwas ruhiger angehen. Kai Havertz und Co. genossen an ihrem freien Nachmittag im Sonnenschein die Schönheiten der Goethe-Stadt Leipzig, erst am Abend mussten sie wieder im Teamhotel sein. Löw machte auch ein "Rudelgucken" des Niederlande-Spiels nicht zur Pflicht. Ärgerlich ist der Abstieg dennoch. "Bei mir persönlich würde es sehr am Ego kratzen", hatte Joshua Kimmich nach dem Russland-Spiel gesagt.

Für Löw stand aber die gelungene Fortsetzung seiner Verjüngungskur im Mittelpunkt. Der Bundestrainer freute sich beim höchsten Sieg seit über einem Jahr über den gezeigten "Killerinstinkt", die auch "im letzten Drittel aufrecht erhaltene Dynamik" und die "Laufwege in die Tiefe".

Der bärenstarke Havertz und das pfeilschnelle Sturm-Trio hinterließen in den ersten 45 Minuten gegen allerdings auch schwache Russen mächtig Eindruck. "Das sind ja schon kleine Mopeds da vorne", sagte Niklas Süle.

DFB-Präsident Reinhard Grindel fühlte sich nicht nur aufgrund der Torpremieren von Sane (8.) und Süle (25.) sowie des Treffers von Gnabry (40.) an die "Confed-Cup-Gruppe" erinnert: "Sie spielen unbekümmert, aber gut abgesichert nach hinten. Das macht schon einen guten Eindruck."

Löws Umbruch trägt Früchte

Diesen konnte auch die schwächere zweite Halbzeit nicht nachhaltig trüben. Löws Umbruch trägt weiter Früchte. Sieben Spieler in der Startelf gegen den WM-Viertelfinalisten waren 23 Jahre oder jünger. Der später leicht verletzt ausgewechselte Jonas Hector (verstauchtes Sprunggelenk) war mit 28 Jahren der älteste Feldspieler in der Anfangsformation. "Jeder junge Spieler zeigt sich hier sehr hungrig", lobte Kapitän Manuel Neuer.

Besonders hungrig war Havertz in seinem ersten Länderspiel von Beginn an. Der 19 Jahre alte Leverkusener war an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Für sein Alter sei er schon "auffällig gut", sagte Löw. Daher sei vorstellbar, "dass er in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle spielen kann".

Havertz steht für den Generationenwechsel nach dem historischen WM-Debakel. "Dieses Gesicht der neuen Mannschaft entwickelt sich jetzt langsam", sagte Grindel. Im nächsten Jahr soll mit den jungen Wilden die Qualifikation für die EM 2020 glücken.

Versöhnliches Ende gegen Erzrivalen?

Dafür wäre ein Sieg zum Nations-League-Abschluss gegen die Niederlande wichtig, damit der viermalige Weltmeister bei der Gruppenauslosung in Dublin am 2. Dezember in Topf 1 landet. Ansonsten droht zumindest ein erneut sehr starker Gegner.

Gegen den Erzrivalen soll zudem das Horror-Jahr 2018 versöhnlich beendet und Wiedergutmachung für die 0:3-Pleite im Hinspiel in Amsterdam betrieben werden. Es sei wichtig, "wieder ein gutes Gesicht zu zeigen", sagte Gnabry.

Personell könnte Löw einige Veränderungen vornehmen. Der gegen Russland geschonte Toni Kroos stieß zur Mannschaft und trainierte bereits mit. Über einen Einsatz von Marco Reus (Mittelfußprellung) wird am Sonntag nach der Ankunft in der Sportschule Kaiserau entschieden. Ob Julian Draxler (Trauerfall in der Familie) noch zur Mannschaft kommt, blieb zunächst offen.

Weiterentwicklung macht Mut

Ungeachtet des Personals macht die taktische Weiterentwicklung Mut. Gegen Russland funktionierte zum zweiten Mal in Folge die Dreierkette gut. Offensiv tauschten Sane, Gnabry und Werner immer wieder die Positionen und gefielen mit intensiven Laufwegen.

Thomas Müller verfolgte das gute Spiel der Stürmer erneut zunächst nur auf der Bank. Der formschwache Münchner ist derzeit nur Ergänzungsspieler, steht den jungen Wilden aber mit Rat und Tat zur Seite. Und seinen Humor hat Müller, der am Montag sein 100. Länderspiel bestreiten könnte, nicht verloren. "So fühlt sich also mal wieder ein Sieg an", sagte er gewohnt schelmisch.

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