Michel Platini bestreitet alle Vorwürfe - Bildquelle: AFPSIDZAKARIA ABDELKAFIMichel Platini bestreitet alle Vorwürfe © AFPSIDZAKARIA ABDELKAFI

Berlin- Der frühere UEFA-Chef Michel Platini ist am Dienstag in Gewahrsam genommen worden und wurde über seine möglichen Verwicklungen in korrupte Geschäfte rund um die Vergabe der WM 2022 nach Katar befragt. In der Nacht zu Mittwoch wurde der Europameister von 1984 nach mehrstündigem Verhör von der Polizei im westlichen Pariser Vorort Nanterre wieder auf freien Fuß gesetzt.

Was wird Platini vorgeworfen?

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, bestehe der Verdacht der "aktiven und passiven Korruption". Im Zentrum steht ein Treffen Platinis mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars. Bei einem Mittagessen kurz vor der Vergabe am 23. November 2010 im Elysee-Palast in der französischen Hauptstadt sollen Absprachen über die WM-Vergabe nach Katar getroffen worden sein. Katar sollte den französischen Klub Paris St. Germain kaufen, im Gegenzug würde Platini seine Kontakte spielen lassen und für Stimmen bei der WM-Vergabe werben. 

 

Was sagt Platini?

Nach seiner Freilassung bestritt Platini alle Vorwürfe. "Ich bin frei hierher gekommen und die haben mich sofort in Gewahrsam genommen. Es schmerzt. Es schmerzt jeden, an den ich denken kann", sagte der 63-Jährige: "Ich bin immer gelassen gewesen, da mir jede Art von Geschäften fremd ist. Es ist ein alter Fall, wir haben es erklärt. Ich habe mich immer transparent in allen Zeitungen erklärt. Das war es und es geht weiter."

Wie geht es für Platini weiter?

Von 2007 bis 2015 war er UEFA-Chef, dann beendete die Affäre um eine Zahlung der FIFA über 1,8 Millionen Euro an Platini seine Karriere. Seine vierjährige Sperre läuft im Oktober 2019 aus. Die Ermittlungen bezüglich der WM 2022 sind aber mit Sicherheit noch nicht ausgestanden.

Kippt die WM in Katar deswegen?

Sehr, sehr unwahrscheinlich. Der Weltverband FIFA hat bislang alle Skandal rund um den WM-Ausrichter Katar und die WM-Vergabe wegmoderiert. Erst Anfang Juni wurden als Reaktion auf Recherchen des TV-Magazins "Sport inside" des WDR Verstöße bei den Standards für Arbeiter zugegeben. Schon zuvor, während des FIFA-Prozesses 2017, hatte es Aussagen über gekaufte Stimmen bei der Vergabe der WM nach Katar gegeben - ins Wackeln kam das Großprojekt nicht.

Ist die WM 2022 ein Einzelfall?

Nein. Rund um sämtliche Weltmeisterschaften seit 1998 ranken sich Korruptionsgerüchte. Beispielsweise hatte der FBI-Kronzeuge Chuck Blazer 2015 Korruption bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 in Frankreich und 2010 in Südafrika eingestanden. Er und andere Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees sollen Bestechungsgelder akzeptiert haben. Der Sommermärchen-Skandal um die WM 2006 in Deutschland und die 6,7 Millionen Euro des früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus ist bereits Fußball-Historie. Und auch vor der WM 2002 in Südkorea und Japan sollen die sich Japaner die Unterstützung des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL erkauft haben.

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