München – Es war der Aufreger des WM-Finals zwischen Frankreich und Kroatien. Als Schiedsrichter Nestor Pitana Mitte der ersten Halbzeit nach Studium der TV-Bilder auf den Elfmeterpunkt zeigte und auf Strafstoß für Frankreich entschied, konnten viele Fans die Entscheidung des argentinischen Referees nicht nachvollziehen.

ZDF-Kommentator Bela Rethy legte sich schnell fest. Für ihn war es kein Handspiel, weil Kroatiens Ivan Perisic nicht absichtlich mit der Hand am Ball war. Das, so Rethy, wäre das einzige Beurteilungskriterium. Stimmt das? 

 

Das offizielle Regelwerk des internationalen Fußballs, das vom International Football Association Board (IFAB) festgelegt wird, beschreibt die Definition eines Handspiels in seiner aktuellsten Fassung (2018/2019) wie folgt:
"Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt.

Folgendes ist zu berücksichtigen:

• die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),
• die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball),
• die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen).

Diese Definition lässt viel Interpretationsspielraum, gibt Rethy aber recht. Entscheidend ist, ob es Absicht war oder nicht.

Wirklich interessant wird es, wenn man in Betracht zieht, was der DFB auf seiner Homepage zum Thema Handspiel schreibt. "Auch die Position der Hand kann eine entscheidende Rolle spielen. Befindet sie sich nämlich in einer unnatürlichen Haltung, muss auch von Absicht ausgegangen werden."

 

Plötzlich ist also von einer "unnatürlichen Haltung" die Rede, die auf Absicht hindeutet.

Den entscheidenden Input liefert ZDF-Experte und Nigerias WM-Coach Gernot Rohr in der Halbzeit-Analyse des Spiels. "Wenn die Hand vom Gegner (vom Körper Anm. d. Red.) weg ist, ist es ein klarer Elfmeter", sagt der Deutsche. So habe es der Weltverband FIFA in Lehrgängen vor der WM erklärt.

Wenn die FIFA es den WM-Teilnehmern vor dem Turnier so erklärt hat, dann kann es keine Diskussion geben. Klarer Elfmeter, richtige Entscheidung.

Um zukünftige Diskussionen zu vermeiden, wäre es sicherlich hilfreich, wenn die FIFA ihre Erklärungen bezüglich der Regelauslegungen nicht nur den WM-Teams, sondern auch der Öffentlichkeit mitteilen würde. Oder wenn der Weltverband einfach das Regelwerk detaillierter auslegen würde.

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