Russland belegt in der FIFA-Weltrangliste Platz 70. - Bildquelle: imago/FotoarenaRussland belegt in der FIFA-Weltrangliste Platz 70. © imago/Fotoarena

Moskau - Die Legenden des Fußballs applaudierten im Spalier, als Wladimir Wladimirowitsch Putin staatstragend über den Kunstrasen des Moskauer Expocenters schritt.

Die FIFA-Delegierten hielt es vor Begeisterung nicht mehr auf ihren Sitzen, Präsident Gianni Infantino schloss den mächtigen Mann symbolträchtig in die Arme. Die Fußballfamilie verneigte sich am Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel  zwischen Russland und Saudi-Arabien (ab 17 Uhr im LIVETICKER) vor dem Star-Gast aus dem Kreml - und Putin genoss die Aufmerksamkeit in vollen Zügen.

Es sind die Momente, die er liebt, die Momente, in denen die Gastgebernation der WM 2018 in voller Pracht erstrahlt. So wie Stunden später beim Gala-Konzert auf dem Roten Platz mit Opernstar Anna Netrebko, Star-Pianist Denis Mazujew und Star-Dirigent Waleri Gergijew. Ein Fest russischer Hochkultur, was vom Eröffnungsspiel kaum zu erwarten ist.

Dschiuba bittet um Unterstützung

Zwar wird die Kulisse im gigantischen Luschniki-Stadion von Moskau stimmen, "alles wird reibungslos funktionieren", verspricht Putin, doch weder seine Sbornaja noch der Gegner aus Saudi-Arabien genügen gehobenen sportlichen Ansprüchen. Im Gegenteil: Laut Weltrangliste sind beide Mannschaften die schlechtesten des Turniers. Die russischen Medien sind derart pessimistisch gestimmt, dass Artem Dschiuba einen verzweifelten Aufruf startete.

"Ich bitte Euch um Respekt, dann werden auch wir Euch respektieren", rief der Stürmer den Journalisten und Fans zu: "Ich bitte euch, positiv zu sein. Das Turnier hat noch nicht begonnen, und ihr seid schon aggressiv. Für uns ist es die wichtigste Zeit unserer Karriere und unseres Lebens. Wir brauchen die Unterstützung des ganzen Landes." Mittelfeldspieler Alexander Samedow stellte am Mittwoch klar: "Artem hat für das ganze Team gesprochen!"

Seit sieben Spielen ohne Sieg

Die Zweifel der großen Tageszeitungen und Sportsendungen sind jedoch nicht unbegründet. Seit sieben Spielen wartet die Mannschaft von Trainer Stanislaw Tschertschessow auf einen Sieg, Andrej Kantschelskis, einst in Diensten des englischen Rekordmeisters Manchester United, bezeichnet seine Nachfolger als "das schlechteste russische Team, das ich in meinem Leben gesehen habe". Selbst Putin glaubt nicht an eine Überraschung.

"Ich muss leider zugeben, dass unsere Mannschaft zuletzt keine guten Ergebnisse erzielt hat", sagte der Präsident: "Aber wir - alle Fans und Liebhaber des russischen Fußballs - erwarten einfach, dass das Team mit Würde spielt, modernen und interessanten Fußball zeigt und bis zum Ende kämpft."

Putin will eine perfekte WM bieten

Tatsächlich ist die Würde der stolzen Sportnation bedroht. Ob Putin ein Elend ertragen kann, das im Aus nach der Vorrunde gipfeln könnte? Nach seinem Pflichtbesuch beim Eröffnungsspiel könnte es sein, dass Putin nur noch am 15. Juli zum Finale ins Stadion geht. Die Stärke Russlands im weltweiten Vergleich werden die Fußballer - anders als die durch Doping angetriebenen Wintersportler in Sotschi - nicht beweisen können. Der Titel wird - anders als Platz eins im olympischen Medaillenspiegel 2014 - unerreichbar bleiben.

"Unser größtes Ziel als gastgebende Nation", sagte Putin daher, "ist es, ein Turnier auf höchstem Niveau auszurichten und eine Show für Millionen Fußballfreunde aus der ganzen Welt zu bieten. Das wird unser größter Erfolg werden." Ein schwacher Trost für ein Land, das auch vom Stolz auf sportliche Leistungen der eigenen Athleten lebt.

Ein schwacher Trost für Wladimir Wladimirowitsch Putin.

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