- Bildquelle: imago/Sven Simon © imago/Sven Simon

Hamburg - Markus Kauczinski legte zwei Minuten zu früh los. Schon um 9:28 Uhr betrat er seine neue Bühne beim FC St. Pauli. Der 47-Jährige hat als Nachfolger des geschassten Olaf Janßen keine Zeit zu verlieren.

"Alles ging sehr schnell. Wir hatten sehr intensive Gespräche in einer kurzen Zeit", sagte Kauczinski, der auf seine Kiez-Mission brennt: "Wenn eine Mannschaft auf die Fresse bekommen hat, ist es eine reizvolle Aufgabe, diese wieder aufzurichten."

Sieben Spiele ohne Sieg, nur Platz 14, zuletzt in zwei Partien neun Gegentore kassiert - St. Pauli ist zuletzt in der 2. Liga tatsächlich ziemlich vermöbelt worden. Und so wurde die Führungsetage um Sportchef Uwe Stöver nervös, die Trennung wurde Janßen am Mittwochabend in einem 90-minütigen Gespräch mitgeteilt - parallel lief die Weihnachtsfeier der Mitarbeiter der Geschäftsstelle.

Am Montag gab es erstmals Kontakt mit Kauczinski

Die "sportliche Entwicklung der letzten Wochen" habe zu der Entscheidung geführt, sagte Stöver, der vor sechs Tagen noch meinte, ein Einzelner trage keine Schuld an der Krise. Nun die Kehrtwende, am vergangenen Montag wurde Kauczinski erstmals kontaktiert.

Der Ex-Trainer vom Karlsruher SC und dem FC Ingolstadt habe "bewiesen, dass er Mannschaften entwickeln, stabilisieren und Talente entwickeln kann. Er ist Kenner der zweiten Liga", sagte Stöver, während sich Janßen am Donnerstag von der Mannschaft verabschiedete.

Kauczinski, der einen Vertrag bis 2019 unterschrieb, leitete schon am Vormittag das Training und zeigte sich zuversichtlich, dass er bis zu seinem ersten Spiel am Sonntag (13:30 Uhr) am Millerntorstadion gegen den MSV Duisburg schon die ersten Schritte für die Wende einleiten kann. "Wir haben Luft in allen Bereichen", sagte er: "Die momentanen Probleme kann man meistern."

Janßen soll die Spieler mit seinem Aktionismus gegen sich aufgebracht haben

Der Mythos St. Pauli habe dazu beigetragen, dass sich Kauczinski so schnell für die Kiezkicker entschieden habe. "Dass der Verein etwas Besonderes ist, solche Floskeln erspare ich Euch an dieser Stelle. Das weiß jeder", sagte er: "Ich wollte bei einem Verein mit Perspektive und einem gewissen Spirit arbeiten."

Doch dass dieser Spirit auch auf St. Pauli manchmal nur Folklore ist, zeigt die Entlassung von Janßen. Allerdings sei die Situation mit der Krise vor einem Jahr, als der Klub an Ewald Lienen festhielt und am Ende belohnt wurde, nicht "zu vergleichen", sagte Stöver.

In der Beziehung zwischen Janßen und dem Team ist zuletzt offenbar etwas zerbrochen, sein Aktionismus soll nicht gut angekommen sein. Zuletzt setzte Janßen am 1. Advent ein Straftraining um acht Uhr morgens an, zudem wechselte er immer wieder die Aufstellungen. Jetzt übernimmt Kauczinski: "Die Situation ist nicht einfach, Kraft und Potenzial sind aber da, um aus dieser herauszukommen und zusammenzuwachsen."

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