Bernd Hoffmann (links) und Ralf Becker müssen mit dem Hamburger SV eine weit... - Bildquelle: imagoBernd Hoffmann (links) und Ralf Becker müssen mit dem Hamburger SV eine weitere Saison in der 2. Bundesliga planen © imago

Hamburg – Nach acht sieglosen Spielen ist der Traum vom Wiederaufstieg beim Hamburger SV ausgeträumt. Der einstige "Bundesliga-Dino" muss mindestens noch ein Jahr im Fußball-Unterhaus antreten. Bernd Hoffmann spricht von dem "überflüssigsten Nicht-Aufstieg der Fußball-Geschichte".

"Es handelt sich um ein System-Versagen", sagte der Vorstandsvorsitzende am Dienstag. "Das hat auch mit einzelnen Personen zu tun. Aber offensichtlich ist das gesamte Sport-System im Winter sichtbar kollabiert. Wir sind seit Jahren in einem permanenten Krisen-Modus, der im Austausch einzelner Personen endet. Das macht es kurzfristig besser, hatte aber dauerhaft keinen Effekt. Wir müssen uns jeden einzelnen Bereich anschauen und analysieren."

ran.de verrät, wie die Zukunft des HSV aussehen wird und welche Entscheidungen getroffen werden könnten:

Die Finanzen

Der verpatzte Wiederaufstieg kommt dem HSV teuer zu stehen. Die Fernseheinnahmen schrumpfen gewaltig. Es ist auch kaum vorstellbar, dass Trikotsponsor Emirates, der in dieser Saison laut dem "RND" rund 4,5 Millionen Euro eingebracht hat und in der Bundesliga sogar sieben Millionen gebracht hätte, den Vertrag verlängern wird.

Abgesehen davon sind alle weiteren großen Werbe-Deals bereits unterzeichnet. Ebenfalls positiv: Auch im lukrativen VIP-Bereich gibt es laut der "Bild" die geringste Kündigungs-Quote (rund 20 Prozent) seit Jahren.  

Der HSV hat die Lizenz für die 2. Bundesliga ohne Auflagen erhalten. Das mag bei einem Schuldenstand von 85,5 Millionen Euro (Stand Juni 2018) verwunderlich erscheinen. Allerdings spielen die Schulden bei der Lizenzierung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass die Liquidität gesichert ist. Dies hat der HSV nicht zuletzt aufgrund einer neuen Fan-Anleihe vollbracht.

Der Spieleretat

Laut übereinstimmenden Medienberichten wird der Etat des HSV im nächsten Jahr rund 25 Millionen Euro betragen. Das ist nicht viel weniger als in der laufenden Spielzeit. Laut der Bild waren zwar 28 Millionen Euro für 2018 / 2019 eingeplant. Da allerdings in der Rückrunde kaum Erfolgsprämien anfielen (nur vier Siege, keine Aufstiegsprämie), wird das Budget laut der Bild letztendlich nur mit 26 Millionen Euro belastet werden.

Darauf angesprochen, ob dem HSV ein ähnlicher Absturz wie Kaiserslautern oder 1860 München droht, bleibt Bernd Hoffmann gelassen: "Das droht auf gar keinen Fall. Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt, haben die Lizenz ohne Probleme bekommen, haben eine Einigung mit Kühne erzielt, haben die Fan-Anleihe platziert. Wir werden auch nächste Saison in der Lage sein, einen der Top-2 oder Top-3-Kader zu stellen."

Der Trainer

Hannes Wolf hat zwar Vertrag bis Sommer 2020, dürfte nach dieser misslungenen Rückrunde allerdings einen schweren Stand haben. Bernd Hoffmann wollte am Dienstag noch keine Entscheidung bekanntgeben: "Der Trainer sitzt mit im Boot, genauso wie wir alle. Wir werden die Entscheidungen treffen. Wir werden in aller Ruhe nicht über, sondern mit Hannes Wolf sprechen."

Ein Fünkchen Hoffnung besteht für Wolf offenbar. Hoffman sagt nämlich auch: "Wir können das nicht immer am Trainer festmachen. Wir müssen den Kreislauf irgendwann mal durchbrechen, dass wir alles auf den Trainer reduzieren."

Ein Verbleib von Wolf wäre allerdings eine schwer vermittelbare Entscheidung. Vor allem in der Fanszene gilt der Trainer aufgrund vieler taktischer und personeller Fehlgriffe als der Hauptschuldige des Absturzes.

Laut der Hamburger Morgenpost gelten Bruno Labbadia (Wolfsburg) und Dieter Hecking (Gladbach) als heiße Kandidaten. Beide sind nach dieser Saison vertragslos. Selbiges trifft auf den vereinslosen Peter Stöger zu, über den in Hamburg ebenfalls spekuliert wird.

Der Vorstand

Ein HSV-Fan hat am Dienstagmorgen auf der Plattform "change.org" eine Petition gestartet, die dazu führen soll, dass der derzeitige Vorstand abgesetzt wird und dafür Vereins-Ikone Felix Magath die Macht bekommt. Es ist allerdings kaum vorstellbar, dass Vorstandsboss Bernd Hoffmann, Frank Wettstein (Finanzen) und Ralf Becker (Sport) wirklich ihre Posten räumen müssen.

Hoffmann und Wettstein haben es zum zweiten Mal in Folge geschafft, die Lizenz für die 2. Bundesliga ohne Auflagen zu erhalten. Das spricht zumindest für ein wirtschaftlich solides Handeln.

Becker ist zwar für die sportliche Entwicklung verantwortlich, trat seinen Job allerdings erst Ende Mai 2018 an, als die meisten Vertragsentscheidungen bereits getroffen wurden. Er wird also die Chance bekommen, den Kader jetzt im Sommer nach seinen Vorstellungen zu verändern – muss dann aber auch Ergebnisse liefern.   

Diese Spieler werden gehen

Die auslaufenden Verträge mit Lewis Holtby und Pierre-Michel Lasogga werden nicht verlängert. Die Leihspieler Orel Mangala (VfB Stuttgart) und Hee-Chan Hwang (RB Salzburg) kehren zu ihren Vereinen zurück, wahrscheinlich auch Léo Lacroix (AS St.-Etienne).

Für Transfereinnahmen soll Linksverteidiger Douglas Santos sorgen, an dem unter anderem Bayer Leverkusen interessiert sein soll. Der Brasilianer könnte laut der "Sport Bild" rund 13 Millionen Euro einbringen. Filip Kostic ist noch ein Jahr an Eintracht Frankfurt ausgeliehen, die für Sommer 2020 eine Kaufoption besitzen. Um an frisches Geld zu gelangen, möchte der HSV wohl mit Frankfurt darüber verhandeln, bereits in diesem Jahr den Transfer abzuwickeln und dafür auf einen Teil der Kaufsumme zu verzichten.

Vermutlich würde der HSV gerne auch die Top-Verdiener Bobby Wood (der Stürmer kehrt nach seiner Ausleihe aus Hannover zurück) und Kyriakos Papadopoulos von der Gehaltsliste bekommen – die Zeichen stehen aber schlecht.  

Ansonsten gilt wohl: Jeder Spieler, der ordentlich Geld einbringt, darf gehen. Lediglich der 20-jährige Innenverteidiger Rick van Drongelen und der gleichaltrige Flügelspieler Bakery Jatta spielen in der Planung des HSV wohl eine zentrale Rolle.  

Diese Spieler sollen kommen

Der HSV möchte laut der Bild die kompletten Transfereinnahmen in den Kader stecken. Fix sind die Verpflichtungen von Mittelfeldspieler David Kinsombi, der für 3 Millionen von Holstein Kiel kommt, und den ablösefreien Defensivspielern Jeremy Dudziak (St. Pauli) und Jan Gyamerah (VfL Bochum).

Als Wunsch-Stürmer gilt Lukas Hinterseer, der beim VfL Bochum in dieser Saison 18 Tore erzielt hat und im Sommer vertragsfrei ist. Auch Mittelfeldspieler Hanno Behrens, der aus dem Nachwuchs des HSV stammt und aktuell Kapitän vom 1. FC Nürnberg ist, soll auf dem Wunschzettel des HSV stehen, würde allerdings eine Ablöse im Millionenbereich kosten.

Der HSV möchte weiter auf entwicklungsfähige Spieler setzen, braucht aber möglicherweise an dessen Seite mehr erfahrene Führungsspieler. Hoffmann sagt: "Wir haben eine super Nachwuchsakademie. Es ist alternativlos, auf junge Spieler zu setzen. Ob die Kaderstruktur anders aussehen wird, besprechen wir dann."   

Diese Rolle kann Investor Kühne spielen

Milliardär Klaus-Michael Kühne hat sich einen Tag nach dem verpatzten Aufstieg bereits zu Wort gemeldet und behauptet, er hätte bereits im Februar die Entlassung von Trainer Hannes Wolf gefordert.

Sicher ist, dass er auch zukünftig eine wichtige Rolle beim HSV spielen wird. Er kaufte die Namensrechte am Stadion für ein weiteres Jahr für rund vier Millionen Euro, sodass die Arena weiter Volksparkstadion heißen darf.

Zudem würde Kühne (der 20,6 Prozent an der HSV Fußball AG hält) gerne weitere Anteile hinzukaufen – ihm schweben acht bis zehn Prozent vor. Allerdings hat der HSV bereits insgesamt 23,8 Prozent verkauft. Es erfordert die Zustimmung der Mitglieder, um insgesamt mehr als 24,9 Prozent zu veräußern.

Das Problem: Wenn Kühne alleine insgesamt mehr als 25 Prozent der Anteile besitzt, hätte er eine Sperrminorität in der AG, könnte sein Veto einlegen und Entscheidungen blockieren. Kühne wäre also mächtiger als je zuvor.

Daher scheut der HSV diesen Schritt. Sollte allerdings auch in der kommenden Saison der Aufstieg misslingen, könnte ein weiterer Anteilsverkauf die letzte Chance des HSV sein.

Droht Mitarbeitern die Entlassung?

Es wäre nicht untypisch im Profifußball, dass Einsparungen vor allem auf der Geschäftsstelle vorgenommen werden. Hoffmann macht den Mitarbeitern in Hamburg allerdings Mut: "Wegen anderer wirtschaftlicher Rahmendaten muss sich niemand Gedanken machen. Es muss sich nur jeder hinterfragen, ob er den Einsatz gebracht hat, um den Laden wieder auf ein anderes Level zu kriegen. Da bin ich aber zuversichtlich, dass das passiert."

Heißt also: Eine Entlassungswelle droht eher nicht.

Die Zielsetzung

Der HSV wird auch kommende Saison den Aufstieg in die Bundesliga anstreben. Bernd Hoffmann stellt klar: "Es wäre nicht vermittelbar, sich mit der 2. Liga anzufreunden und für normal zu halten."

Oliver Jensen

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4Hamburger SVHamburger SVHamburgHSV341681045:42356
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6Holstein KielHolstein KielHolstein KielKIE3413101160:51949
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