Badr Hari. - Bildquelle: imago images/Hollandse HoogteBadr Hari. © imago images/Hollandse Hoogte

München - Wenn Badr Hari am Samstag (ab 21 Uhr live auf ranFighting.de) bei Glory 76 auf Benjamin Adegbuyi trifft , will sich der Marokkaner der Marke von 100 Knockouts annähern. Acht fehlen ihm noch zum Jubiläum.

Dass er nicht schon bei 94 Knockouts steht, ist den beiden Kämpfen gegen Rico Verhoeven geschuldet, in denen Hari trotz guter Treffer keinen Sieg erringen konnte und mit zwei im Kampf erlittenen Verletzungen verlor.

Der 36-Jährige sieht sich weiterhin nicht nur als größter Star des Sports, sondern auch als bestes Schwergewicht. Die Leistungen gegen Verhoeven könnten ihm Recht geben. Und sollte Hari in einem potenziell dritten Kampf die Glory-Krone erringen, wäre er nach 20 Jahren endlich am Ziel.

Supertalent

Denn seit seinem Debüt im Ring ist Hari auf der Jagd nach sportlichem Glanz. Bereits mit 16 Jahren feierte er in den Niederlanden seine ersten Knockouts als Profi und sammelt Erfahrung gegen Veteranen wie Alexey Ignashov oder den späteren UFC-Kämpfer Antoni Hardonk.

Schon früh sieht man Hari sein Talent an, der Spitzname “Golden Boy” kommt nicht von ungefähr. Und Hari bestätigt die Erwartungen im Ring. Er eilt in den Niederlanden von Sieg zu Sieg, besiegt im Duell der Top-Talente Gökhan Saki und feiert bereits mit 20 Jahren seine ersten Siege für K-1.

Nachdem er in einem Qualifikations-Turnier in Italien einen Sieg feiert, darf er noch im gleichen Jahr sein Können in Japan zeigen und revanchiert sich in einem Reservekampf des K-1 Grand Prix per Spinning Back Kick am Blitz Stefan Leko, der ihn Monate zuvor mit einer ähnlichen Technik bezwungen hatte.

Superstar

Hari ist gerade einmal 20 Jahre alt, als er bereits als kommender World Grand Prix Champion gilt. Der hochtalentierte Kämpfer soll in die Fußstapfen der niederländischen Kickbox-Legenden Ernesto Hoost, Peter Aerts, Remy Bonjasky und Semmy Schilt treten, die das renommierteste Turnier der Welt zusammen 14 von 19 Mal gewinnen konnten.

Und Hari macht seinen Job. Er gewinnt weiter mit spektakulären Knockouts und wird sogar Schwergewichts-Champion von K-1. Nur der große Wurf des Grand-Prix-Siegs, bei dem man drei Mal am Abend in den Ring steigen muss, gelingt ihm nicht, obwohl er zwei Mal im Finale steht.

Denn 2008 wandelt sich der "Golden" zum "Bad Boy" und gibt einen Vorgeschmack auf die folgenden Jahre. Denn Hari wurde nicht nur Talent, sondern auch Temperament in die Wiege gelegt. Und so bringt sich der Marokkaner 2008 um den Grand-Prix-Erfolg.

Sorgenkind

Denn nachdem er von Remy Bonjasky im Finale 2008 angeklingelt wird, wirft Hari seinen Rivalen in der zweiten Runde um, dann brennen ihm die Sicherungen durch. Obwohl Bonjasky am Boden liegt, will der Marokkaner weiter auf seinen Rivalen einschlagen und tritt ihm fast ins Gesicht.

Hari wird disqualifiziert und einen Monat später vom hauptberuflichen MMA-Kämpfer Alistair Overeem gedemütigt. Zwar kann sich Hari im darauffolgenden Jahr an Overeem revanchieren und sich noch einmal ins Finale vorkämpfen, unterliegt dabei jedoch Schilt nach drei Niederschlägen in der ersten Runde.

Mit dem Niedergang von K-1 geht es auch für Hari bergab. Gegen Ignashov muss er zum ersten Mal seit drei Jahren für einen Sieg über die komplette Distanz gehen. Zurück in den Niederlanden versucht er erneut, einen Gegner am Boden zu treten und wird gegen Hesdy Gerges disqualifiziert.

Schlagzeilen außerhalb des Rings

Von da an drehen sich die Schlagzeilen vor allem um Haris turbulentes Leben abseits des Rings. Bereits 2006 wird er das erste Mal straffällig, doch von 2010 an gerät er jedes Jahr mit dem Gesetz in Konflikt, immer wieder wegen Körperverletzung, doch zeitweise wird er auch des versuchten Mordes beschuldigt.

Nachdem Hari mehrere Male verhaftet wird, stets Einspruch gegen etwaige Urteile einlegt und auf Kaution wieder freikommt, wird er im Jahr 2014 schließlich zu zwei Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung verurteilt, von denen er nur noch ein halbes Jahr absitzen muss, was er 2017 tut.

Seine sportliche Karriere leidet entsprechend. Hari kann nur selten die Niederlande verlassen und kämpft für Scheichs und Warlords in Abu Dhabi und Tschetschenien, wobei er weiterhin K.o.-gefährlich bleibt.

Wiederauferstehung bei Glory

Erst 2016 kehrt Hari auf die große sportliche Bühne zurück und feiert sein Debüt bei Glory direkt mit einem Titelkampf gegen Rico Verhoeven. Zweifel daran, dass sich die turbulenten Jahre auf sein Können ausgewirkt haben könnten, wischt er bereits in der ersten Runde beiseite, ein verletzter Arm führt zu einem enttäuschenden Ende in Oberhausen.

Doch ganz ohne Skandale geht es weiterhin nicht im Hause Hari. Nachdem er Hesdy Gerges im Jahr 2018 auch sportlich bezwingen kann, fallen im Nachgang beide durch den Dopingtest. Gerges Sperre wird später aufgehoben, Haris bleibt bestehen.

Seiner Anziehungskraft haben die Skandale jedoch nicht geschadet. Schwergewichts-Champion Verhoeven knüpft seine Vertragsverlängerung an einen Rückkampf gegen Hari, der schließlich im Dezember 2019 stattfindet. Erneut ist Hari auf dem Weg zum Sieg, erneut macht ihm eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung.

Schwieriges Vermächtnis

Nun, ein Jahr später, kehrt Hari wieder in den Ring zurück. Hari kämpft mittlerweile nicht nur um eine neue Chance auf den Titel von Glory, sondern um sein Vermächtnis. Denn seine sportlichen Großtaten sind mittlerweile über zehn Jahre her.

Die letzte Dekade war geprägt von Skandalen eines sportlichen Stars, der die Kontrolle über sich selbst und seine Karriere verlor. Mit einem Glory-Titel gegen den "King Of Kickboxing" Rico Verhoeven kann der Marokkaner wenigstens ein Mal in seiner Karriere sagen, dass er das beste Schwergewicht der Welt ist.

Hari ist weiterhin der größte Star des Sports. Doch was hätte alles aus ihm werden können? Hari hatte das Zeug, der beste Kickboxer der Geschichte zu werden, bevor er sich selbst im Weg stand. Nun kann er noch ein paar Mal mitbestimmen, wie sich die Leute in Zukunft an ihn erinnern werden.

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