Tayfun Ozcan ist der Enfusion-Champion in der Klasse bis 72,5 Kilo - Bildquelle: Facebook/Tayfun OzcanTayfun Ozcan ist der Enfusion-Champion in der Klasse bis 72,5 Kilo © Facebook/Tayfun Ozcan

München – Tayfun "Turbine" Ozcan ist ein Kämpfer, den nichts erschüttern kann, nicht einmal das Nervenflattern vor einem Ereignis, das den Rest seines Lebens bestimmen wird. Nur eine Woche vor seinem Auftritt bei Enfusion 73 in Oberhausen heiratete der gebürtige Türke seine Verlobte Janneke.

Seinen ersten Kampf als Ehemann bestreitet Ozcan am 27. Oktober gegen den Rumänen Amanso Paraschiv (ab 21:30 Uhr live auf ranFIGHTING.de). Es ist ein Superfight zwischen den beiden Champions der größten Kickbox-Organisationen in Europa: Ozcan hält in der Klasse bis 72,5 Kilo den WM-Titel von Enfusion, Paraschiv den WM-Titel von SuperKombat.

"Ich finde es super, dass Enfusion uns die Möglichkeit bietet, der ganzen Welt unser Können zu zeigen", sagt Ozcan. "Ich gebe wie immer mein Bestes und freue mich darauf, in Oberhausen in den Ring zu steigen."

Vom Sozialhilfeempfänger zum Weltmeister

Ozcan kam 1991 in einem kleinen Dorf in der Türkei zur Welt, ein paar Jahre darauf zogen seine Eltern ins niederländische Tilburg. Sie ließen sich scheiden, als er noch sehr jung war, zu seinem Vater hatte er fortan keinen Kontakt mehr. Seine Mutter musste ihn und sechs Geschwister alleine großziehen. Sie arbeitete Vollzeit, die Familie war aber dennoch auf Sozialhilfe angewiesen.

"Ich hatte keine schlechte Kindheit, wir hatten einfach nur kein Geld", sagt Ozcan. "Oftmals bekamen wir nur Kartoffeln und Zwiebeln zu essen. Ich habe Pfandflaschen gesammelt und alten Frauen im Haushalt geholfen, damit meine Mama genügend Geld hatte, um einkaufen zu gehen."

Das Risiko zahlt sich aus

Heutzutage sammelt Ozcan lieber Gürtel und Trophäen statt Flaschen. Als er 2011 den Schritt zu den Profis wagte, ging er ein großes Risiko ein, er hatte keinen Plan B. Doch vier Jahre später gelang ihm der internationale Durchbruch, als er bei Enfusion ein 70-Kilo-Turnier für sich entschied und wenige Wochen später den WM-Titel in der Klasse bis 72,5 Kilo gewann.

"Rückblickend war es sehr naiv von mir, eine Karriere als Profi-Kickboxer anzustreben, denn was kann man dabei schon groß verdienen?", sagt Ozcan, der sich als Kind weder die Ausrüstung noch den Mitgliedsbeitrag für das Kickbox-Training leisten konnte – die Kosten übernahm damals sein Trainer für ihn. "Die Gefahr, dass ich scheitere, war enorm. Aber ich hatte Glück. Ich habe keinen Topf voll Gold gefunden, aber ich kann davon leben."

Mama ist stolz

Mit dem Geld, das Ozcan nun als Profi-Kickboxer verdient, unterstützt er auch seine Mutter. Die war von seinen Karriereplänen anfangs nicht begeistert, seine Pokale stellt sie mittlerweile jedoch gut sichtbar auf die Fensterbank, damit auch die vorbeilaufenden Passanten sehen, was ihr Sohn geleistet hat.

"Meine Mama hat 20 Jahre ihres Lebens nicht wirklich gelebt und nichts von den Niederlanden gesehen – als ob sie in einem Gefängnis gewesen wäre", sagt Ozcan. "Sie hat sich für ihre Kinder aufgeopfert. Sie hat für uns gelitten, um uns die Chance zu geben, etwas aus uns zu machen."

Ein Vorbild für die jüngere Generation

Ozcan hat etwas aus sich gemacht, er ist heute einer der weltbesten Kickboxer in der Klasse bis 72,5 Kilo. 2018 war bisher ein äußerst erfolgreiches Jahr für ihn. Im Februar knockte er die niederländische Kampfsportlegende Andy Souwer aus, im Juni siegte er nach vier Niederschlägen gegen Mohamed Khamal und im September verteidigte er sein WM-Titel beim Enfusion-Debüt in Hamburg gegen den Lokalmatador Ardalan Sheikholeslami.

Mit jedem Sieg steigt sein Bekanntheitsgrad. Und den möchte Oczan künftig nutzen, um andere Menschen zu motivieren und ihnen ein positives Vorbild zu sein. Denn er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man es mit Ehrgeiz, Entschlossenheit und harter Arbeit weit bringen kann.

"Seit ich bei Enfusion unter Vertrag bin, bekomme ich Nachrichten aus aller Welt, von Menschen, die mir schreiben, ich würde sie motivieren", sagt Ozcan. "Als Sportler muss man auf ein geordnetes Leben achten, man sollte nicht in Clubs feiern und saufen. Kickboxer sollten sich auf ihren Sport konzentrieren, denn es gibt da draußen viele Menschen, die einem zusehen."

Mehr zu diesem Event sowie Kampfsport rund um die Uhr findest du auf ranFIGHTING.de.

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