Nordin Asrih (l.) trainierte in Arizona mit UFC-Star Ryan Bader - Bildquelle: privatNordin Asrih (l.) trainierte in Arizona mit UFC-Star Ryan Bader © privat

ran.de: Ihre Auftritte sind rar gesät, umso mehr freuen wir uns, dass Sie am 30. Juni (ab 18 Uhr live auf ranFIGHTING.de) bei GMC mit dabei sind– fast ein Jahr nach Ihrer Titelverteidigung im Leichtgewicht gegen Vaso Bakocevic bei Superior FC. Wie wählen Sie Ihre Kämpfe aus – und warum GMC 15 in Ulm?

Nordin Asrih: "Ich bin in den Sport sehr involviert, habe mein eigenes Gym. Ich bin als Referee weltweit unterwegs und somit auch immer wieder bei großen Veranstaltungen dabei – da juckt es einfach. Aber eine Pause von zwölf Monaten gab es in meiner ganzen Karriere noch nie. Jetzt habe ich einfach wieder Lust auf einen Fight gehabt, und GMC ist die perfekte Gelegenheit dafür."

ran.de: Wie lief die Vorbereitung – Sie waren im Trainingslager?

Asrih: "Mein Trainingslager habe ich in Arizona bei Ryan Bader und Javier Torres absolviert. Dort habe ich als Sparringspartner die Jungs unterstützt, vor allem Javier Torres, mit dem ich damals bei TUF war. Ich habe ihm fünf Wochen bei seiner Vorbereitung gegen Neiman Gracie geholfen. Es ging also in erster Linie um ihn, aber eigentlich sollte ich ja meinen Titel im Mai verteidigen. Der Kampf ist leider ausgefallen und da ich sowieso im Training war, hat GMC gut gepasst."

ran.de: Wie schätzen Sie Ihren Gegner Dragan Pesic ein und was ist Ihre Voraussage für den Kampf?

Asrih: "Pesic ist mit seinen 28 Kämpfen ein gestandener Fighter. Er ist ein sehr guter Allrounder, hat den Brownbelt im Jiu Jitsu, ist also sehr stark auf dem Boden, mit einem sehr unorthodoxen Striking. Sein Stil ist sehr schwer zu lesen, weil er aus jeder Bewegung unorthodoxe Schläge entwickeln kann. Zudem ist er sehr flexibel und hat eine gefährliche Guard, aber auch K.o. Power. Aber das ist egal, denn ich bin für alles gewappnet. Je länger der Kampf dauert, desto besser findet Pesic seinen Rhythmus. Daher werde ich den Bodenkampf vermeiden und den Kampf in der ersten, spätestens Mitte der zweiten Runde beenden. Ich gehe davon aus, dass ich ihn K.o. schlage."

ran.de: Sie sind jetzt 39 Jahre. Haben Sie sich einen Zeitpunkt gesetzt, zu dem Sie aufhören? Sie sind ja schon mal 2015 zurückgetreten, wenn auch nur für ein halbes Jahr. Seitdem marschieren Sie mit Siegen durch.

Asrih: "Damals hatte ich einen schweren Verlust in der Familie zu verkraften. Daher musste der Sport erst einmal zurückstehen. Ich wollte diesen Druck, immer trainieren zu müssen, nicht mehr. Da hatten andere Sachen Vorrang. Im Moment bin ich gesund und fühle mich gut. Ich habe meinen Ernährungs- und Trainingsplan mittlerweile so optimiert, dass ich genau weiß, wann ich was zu tun habe. Das sieht man an meiner Leistung und an meiner körperlichen Verfassung. Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber momentan denke ich nicht ans Aufhören. Da sind noch ein paar Kämpfe drin – auch wenn man sie vielleicht an einer Hand abzählen kann. Aber das werden alles gute Jungs und gute starke Fights sein."

ran.de: Könnte denn einer der Kämpfe gegen Nick Hein sein? Sie haben ja noch eine Rechnung mit ihm offen.

Asrih: "Einen Kampf gegen Nick Hein nehme ich jederzeit an, auch mit nur zwei Wochen Vorlauf. Er ist ja wieder im Leichtgewicht. Ich hoffe, sein Gegner in Hamburg fällt aus. Denn ich wäre der erste Ersatz für diesen Kampf. Theoretisch muss er dieses Duell annehmen, aber da wir ja alle wissen, dass er keine Eier in der Hose hat, wird er diesem Kampf nie zustimmen. Er weiß genau, dass er den Arsch von mir vollkriegen würde. Nick hatte ja schon einmal die Chance, gegen mich zu kämpfen. Es gab ein offizielles Angebot der UFC. Aber er hatte die Hosen voll, dieses kleine Mädchen. Darum ist er auch ins Federgewicht gewechselt."

ran.de: Was steckt denn hinter Ihrem Beef mit Nick Hein? Wie hat das Ganze angefangen?

Asrih: "Für mich ist Nick Hein eine menschliche Enttäuschung. Er gibt vor etwas zu sein, was er nicht ist. Für mich ist er kein Kämpfer. Ein echter Fighter geht raus und versucht, den Kampf zu beenden. Hein aber absolviert im Cage einen Marathonlauf und ruht sich auf einem Schlag pro Runde aus. Die Fehde zwischen mir und ihm ist privater Natur. Er hat einfach schlecht über mich geredet. Wenn er das gerne ausbügeln möchte, dann soll er gegen mich antreten, ich nehme das jederzeit gerne an."

ran.de: Sie waren ja auch mal sein Trainer ...

Asrih: "Nick läuft von Gym zu Gym und wechselt nach jedem Kampf das Team. Bei mir war er ein halbes Jahr, ich habe ihn gegen James Vick in Texas vorbereitet. Damals habe ich ihn mental extrem aufbauen müssen. Der Dank dafür war ein Arschtritt."

ran.de: Ihr Ziehsohn Mohamed Grabinski kämpft – ebenfalls bei GMC 15 – gegen Benjamin Brander. Wie schätzen Sie seinen Kampf ein?

Asrih: "Mo hat in letzter Zeit richtige Brocken gehabt. Er hat immer allerdings kleine Fehler gemacht, die ihm zum Verhängnis geworden sind. Da fehlt halt einfach die Erfahrung, Benjamin Brander ist ein Gegner auf Augenhöhe. Er ist genauso alt wie Mohammed und hat genauso viel Kampferfahrung. Das ist ein ausgeglichenes Match, in dem jeder seine Stärken hat, aber ich sehe Mohammed von der physischen Voraussetzung und vom Biss her vorne."

ran.de: Sehen Sie ihn auch bald in der UFC?

Asrih: "Er hat definitiv das Zeug, um in der UFC zu kämpfen. Er hatte sehr viele Trainingspartner, die gestandene Kämpfer in der UFC sind. Aber er hat gerade geheiratet und muss im Gym mehr Präsenz zeigen, weil ich viel als Referee unterwegs bin. Da will ich ihm nicht mit dem Leistungsdruck belasten. Es gab schon Anfragen der UFC, aber da war er meiner Meinung nach noch zu jung. Jetzt besitzt er das nötige Alter und die Erfahrung. Wenn er die nächsten vier bis fünf Kämpfe gut hinter sich bringt, dann kann man darüber reden."

ran.de: Was halten Sie von dem Promi-Kampf Thorsten Legat vs. Dominic Harrison?  Bringt das dem Sport etwas oder ist das Klamauk?

Asrih: "Ich finde so etwas sehr gut. Das sind ja auch ganz normale Männer, die sich wie jedermann gerne messen. Ob Sänger, Schauspieler oder auch Fußballspieler, das spielt für mich keine Rolle. Das Kämpfen ist in jeder DNA, das hat jeder Mensch. Der Kampf ist eine genetische Programmierung über Jahrtausende, das kann man nicht einfach abstellen. Es tut dem Sport gut, wenn Prominente sich messen."

Das Interview führte Susann Brandes

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