Katharina Lehner im Schlagwort Podcast - Bildquelle: ran FightingKatharina Lehner im Schlagwort Podcast © ran Fighting

München – Vom Flughafen direkt ins Studio und zum Schlagwort Podcast! Vor einer Woche hatte Katharina Lehner noch in den USA für Invicta FC gekämpft, eine Woche später kehrt sie nach vier Monaten USA-Aufenthalt nach Deutschland zurück.

"Ich bin im Februar in die USA, weil ich dachte, dass ich am 16. März kämpfe", erklärt Lehner. "Das hat sich dann alles etwas verzögert, aber mein Manager hat dann gleich gesagt, dass er sich darum kümmert und wir etwas bei Invicta finden."

Gefunden wurde am Ende Lisa Spangler, eine ungeschlagene Ringerin, die dann vor zehn Tagen Lehner das Leben schwer machte und die stark verbesserte Kölnerin nach Punkten bezwang. Die zweite Niederlage in Folge für die 29-Jährige gegen eine unbequeme Gegnerin.

Abstriche bei den Gegnern zu machen, kommt für Lehner jedoch nicht in Frage. "Ich habe meinem Manager gleich gesagt, dass ich gegen jede antrete, egal, wer es wird", so Lehner. "Das war auch bei Sarah Kaufman damals der Fall."

Lehner: Verlieren gehört zum Sport dazu!

Gegen die kanadische MMA-Pionierin musste Lehner im vergangenen Jahr die erste Niederlage ihrer Karriere einstecken. Auch wenn damit die bis dahin perfekte Bilanz kaputt war, bereut Lehner es nicht, den Kampf um den Invicta-Titel so früh angenommen zu haben.

"Sarah hatte eine Bilanz von 19 Siegen und vier Niederlagen, sie war viel erfahrener als ich. Aber ich habe bei solchen Kämpfen einfach nichts zu verlieren. Auch gegen Lisa Spangler war es klar, dass ich den Kampf annehme. Ich will mir meine Gegnerinnen nicht aussuchen."

Denn der Trend, mit einfachen Kämpfen die eigene Bilanz zu verschönern, schwappt seit mehreren Jahren vom Boxen nun auch in den MMA-Sport. Damit kann Lehner wenig anfangen, denn die Fallhöhe wird umso größer.

"Verlieren gehört auch einfach dazu", so Lehner. "Wenn man nur Kämpfe annimmt, bei denen die Chance auf den Sieg super hoch ist, hat man vielleicht irgendwann seine tolle Bilanz, aber eben gegen Pflaumen. Irgendwann kommt die Zeit, in der man gegen gute Gegner kämpfen muss und dann fällt man umso tiefer."

Mit guten Leistungen kann man sich trotz einer Niederlage immer noch für einen nächsten Schritt empfehlen. Das weiß Lehner am besten, die trotz ihrer ersten Niederlage auf dem Radar der UFC landete.

Lehner will im Herbst wieder kämpfen

Der Marktführer ist immer noch das große Ziel der Deutschen. Dass sie dort auch ihren Platz finden wird, davon ist sie überzeugt. Nicht zuletzt die Erfahrungen aus der gemeinsamen Vorbereitung im Jackson-Wink-Gym in Albuquerque machten das deutlich. Dort war Lehner im Training die Hauptpartnerin der früheren UFC-Titelträgerin Holly Holm.

"Letztes Jahr habe ich mich schon gut gefühlt, wenn ich gegen sie überlebt habe. Mittlerweile kann ich da schon gut mithalten", erklärt Lehner. "Wir haben da auch im Sparring immer 100 Prozent gegeben, Ellenbogen inklusive. Das war auch anfangs nicht geplant, hat sich da aber immer wieder hochgeschaukelt."

Auch mit Michelle Waterson, Titelanwärterin im Strohgewicht, ging es auf der Matte zur Sache. Für ihren nächsten Kampf geht es für Lehner aber wieder in die Heimat. Mit ihrer TUF-Kollegin und –Gegnerin Pannie Kianzad und Lina Länsberg hätte sie auch in Europa ein paar Trainingspartner zur Verfügung.

"Ich habe noch zwei Kämpfe offen für Invicta und hoffe auf einen Kampf am 8. August", so Lehner weiter. "Ich sollte eigentlich im Januar gegen Pam Sorenson kämpfen, die aber dann operiert werden musste. Sie hat mich vor ein paar Wochen direkt angeschrieben, dass sie das gern nachholen würde. Ich habe sofort zugesagt. Ich würde dafür aber dann meine Vorbereitung hier in Köln beim Combat Club machen und dann zwei Wochen vor dem Event in die USA fliegen."

Lehner: In den USA wird man als Athlet mehr wertgeschätzt

Seit zwei Jahren ist die Wahl-Kölnerin Dauergast in den USA. Die Rückkehr nach Deutschland ist dabei immer wieder ein kleiner Kulturschock, verrät sie. "Als Athlet ist das in den USA etwas ganz Anderes mit der Wertschätzung. Wenn ich an die Grenzkontrolle komme und die sehen an meinem Visum, dass ich MMA-Kämpferin bin, sind sie sofort begeistert, dass man Sportler ist. Man wird auf der Straße erkannt, die Leute wollen einem etwas ausgeben. Selbst kleine Firmen schreiben einen an, um einen als Sponsor zu unterstützen. Ich habe da in Albuquerque sogar eine kleine Wasserfirma, die mich mit Wasser versorgt hat und lauter solche Dinge."

Kein Vergleich mit der Situation in Deutschland für Athleten im Kampfsport. Natürlich kommt da einem auch der Gedanke, vielleicht die Zelte komplett hier abzubrechen. Für Lehner kommt das aber noch nicht in Frage.

"Ich habe schon darüber nachgedacht, aber bin immer noch unschlüssig", sagt sie. "Ich finde es in Deutschland sehr schön. Meine Familie und meine Freunde sind hier. Ich lebe in Köln, einer der schönsten Städte Deutschlands. Und es kommt natürlich auch immer darauf an, wo man in den USA leben würde. Aber ich weiß eben, dass dort vieles einfacher ist, weil man als Athlet viel mehr geschätzt wird."

Lehner kämpft für, statt in Deutschland

Dabei hat Katharina Lehner die Entwicklung in Deutschland natürlich nicht aus den Augen verloren, sondern betrachtet mit großem Interesse, wie sich der Sport und die Rahmenbedingungen hierzulande entwickeln, insbesondere bei den Frauen.

"Ich sehe natürlich das Wachstum mit den größeren Events, den großen Plattformen wie ran Fighting und dem Free-TV", so Lehner. "Vor zwei Jahren gab es da ja so gut wie gar nichts. Ich finde es natürlich super. […] Auch Frauen-Kämpfe werden immer populärer. Als ich mit dem Sport anfing, war ich die einzige Frau im Gym, heute stehe ich in den USA mit 20 Mädels im Training auf der Matte."

Kritik aus Deutschland, dass sie zu früh den Sprung ins Ausland wagt, will Lehner jedoch nicht gelten lassen: "Ich habe damals bei GMC mit Alexandra Buch die Nummer 1 geschlagen. In Europa gab es natürlich noch Gegnerinnen. Aber warum soll ich gegen eine Pannie Kianzad aus Schweden in Europa für 1000 Euro kämpfen, wenn ich das bei Invicta für das Fünf- oder Sechsfache machen kann?"

Eine Rückkehr auf deutsche Bühnen wird also noch etwas auf sich warten lassen, zumal mögliche Gegnerinnen, die sie sportlich weiterbringen trotz des Wachstums immer noch rar gesät sind. Bis dahin müssen Fans sich weiterhin die Nächte um die Ohren schlagen, wenn sie Katharina Lehner live kämpfen sehen wollen. Oder sich mit einem Box-Kampf begnügen, den Lehner in den kommenden Wochen in Karlsruhe dazwischen schieben will.

Die gebürtige Bayerin leistet als Repräsentantin auf ihre Weise ihren eigenen kleinen Beitrag zum Wachstum des Sports und kämpft dann eben für Deutschland, statt in Deutschland: "Ich versuche, Deutschland so gut wie möglich im Ausland zu repräsentieren, das ist mein Beitrag", so Lehner. "Entweder Bayern oder Deutschland mit der Fahne. Das machen leider sehr wenige deutsche Kämpfer."

Das komplette Interview mit Katharina Lehner, in dem sie über ihre Erfahrungen im TUF-Haus, das Training beim Jackson-Winkeljohn-Gym und vieles mehr spricht, siehst du hier:

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