Kerim Engizek ist der GMC-Champion im Weltergewicht - Bildquelle: GMC/Foto Seven SportKerim Engizek ist der GMC-Champion im Weltergewicht © GMC/Foto Seven Sport

München – In seiner Jugend fuhr Kerim Engizek jeden Tag schwarz, weil er kein Geld für ein Ticket hatte. Heute fährt er einen Porsche.

Mit dem Sportwagen hat sich Engizek einen Kindheitstraum erfüllt. Er wuchs ohne Eltern auf, konnte sich damals nicht einmal ein Spielzeugauto leisten. Im Alter von sieben Jahren kam er in ein Heim. Er hatte keine Perspektive, keine Förderer, keine Rückendeckung. Aber da er neben seinem gottgegebenen Talent auch noch Fleiß und Disziplin an den Tag legte, gehört er mittlerweile zu den besten Kampfsportlern in Deutschland.

Die harte Schule des Lebens

In den Neunzigerjahren ist Engizek in einem Kinderheim in Düsseldorf großgeworden, lebte dort mit seinem kleinen Bruder Metin. "Als Kind brauchst du deine Eltern und ich musste immer die Rolle vom großen Bruder, Vater, besten Freund spielen", sagte Engizek im "GMC 23 Countdown". Dadurch ist er früh ein Mann geworden. "Ich musste für meinen kleinen Bruder stark sein, durfte keine Schwäche zeigen. Deswegen bin ich jeden Tag zum Training."

Engizek fing – wie so viele Kampfsportler – mit dem Training an, weil er sich selbst verteidigen wollte. Und musste. "Meine Schule war brutal, da gab's eigentlich jeden Tag eine Schlägerei", erzählte Engizek. "Das war Tradition, in der Pause musste man sich schlagen. Und falls man zu ruhig war, wurde einfach Streit provoziert."

Dort, wo er aufwuchs, überlebten nur die Stärksten. Engizek war einer von ihnen.

Die Spirale der Gewalt

Mit etwa 17 Jahren verlor Engizek die Unterstützung durch das Jugendamt und musste fortan selbst für seine Miete aufkommen. So rutschte er in die berüchtigte Türsteherszene von NRW. „Mir blieb keine andere Wahl, ich habe das nicht gemacht, um cool zu sein“, sagte Engizek. „Ich musste das wegen dem Geld machen. Und so fing das mit den Problemen im Nachtleben an.“

Engizek arbeitete rund fünf Jahre lang als Türsteher. In dieser Zeit war er immer wieder in Handgreiflichkeiten verwickelt, regelte Streitigkeiten gerne mit den Fäusten. Seine Erfahrung als Amateurboxer kam ihm dabei zugute. Um die teils horrenden Schmerzensgelder zu begleichen, die seine Methoden der Konfliktlösung verursachten, schreckte er auch vor gesetzeswidrigen Unternehmungen nicht zurück – bis eines Tages sein Freund von der Polizei angeschossen wurde.

"Das war der Punkt, an dem ich gesagt habe: Entweder stirbst du so oder du landest im Knast, du musst dich jetzt entscheiden", erzählte Engizek. "Ich hatte zwei Optionen: Entweder gelangst du auf die schiefe Bahn und machst so dein Geld oder du konzentrierst dich jetzt auf deinen Sport."

Vom temperamentvollen Türsteher zum abgeklärten Profikämpfer

Mit Anfang 20 beschloss Engizek, sich auf den Sport zu konzentrieren. Das war die richtige Entscheidung. Seit seinem GMC-Debüt im Juli 2013 gewann er elf von zwölf Profikämpfen, acht davon vorzeitig.

Vor drei Jahren eroberte Engizek den Weltergewichtstitel von GMC und verteidigte ihn anschließend gegen den Italiener Giovanni Melillo und den Franzosen Thibaud Larchet. Am 9. November tritt er im Hauptkampf von GMC 23 in Oberhausen zu seiner dritten Titelverteidigung an, gegen den Griechen Leonardo "Pitbull" Sinis (ab 18 Uhr live auf ranFIGHTING.de, ab 0 Uhr auf ProSieben MAXX).

Engizek hat den Absprung rechtzeitig geschafft und sich durch den Kampfsport eine Perspektive für die Zukunft erarbeitet. Er ist ein ausgezeichneter Beweis dafür, dass ein Mensch selbst dann etwas erreichen kann, wenn er ungünstige Voraussetzungen hat. Denn im Leben geht es nicht darum, gute Karten zu haben, sondern auch mit schlechten Karten gut zu spielen.

Mehr zu diesem Event sowie Kampfsport rund um die Uhr findest du auf ranFIGHTING.de.

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