Bad Boy des Kickboxens: Badr Hari. - Bildquelle: imago/VI ImagesBad Boy des Kickboxens: Badr Hari. © imago/VI Images

München - Badr Hari weiß, wie das Geschäft funktioniert. Er beherrscht es seit Jahren perfekt. Er provoziert. Polarisiert. Fasziniert. Er ist einer der echten Superstars der Kickbox-Szene.

"Bad Boy". Zwei Worte, die es auf den Punkt bringen. Denn wie heißt es so schön: Brave Jungs kommen in den Himmel, böse Jungs überallhin. Hari war im Kickboxen überall, hat alles erreicht, mitgemacht. Flog hoch, stürzte brutal ab. Stand wieder auf.

Er hat früh gelernt, sich zu wehren. Als schmächtiger Siebenjähriger wurde er von seinem Vater ins Kickbox-Gym geschickt, damit er sich auf den Straßen von Amsterdam durchsetzen kann. Für Hari war es der Startschuss einer Karriere, die zahlreichen Wendungen und Überraschungen bereit hielt.

Mit seinen nunmehr 33 Jahren, 1,97 Meter und 105 Kilogramm gehört er zu den lebenden Kickbox-Legenden. Er war K-1 Schwergewichtsweltmeister 2007/2008, It’s Showtime Schwergewichtsweltmeister 2009-2010, dazu zweimaliger K-1 GP-Finalist. 120 Kämpfe hat er in seiner Karriere bestritten, 107 davon gewonnen, 92 davon vorzeitig. Darunter waren Kampfsport-Größen wie Anderson Silva, Alistair Overeem, Peter Aerts, Semmy Schilt, Ruslan Karaev oder Gökhan Saki.

Eine beeindruckende Bilanz, zeitweise galt er als bester Kickboxer der Welt. Der König von Marokko, in dem seine Wurzeln liegen.

Siege für Marokko

"Meine Siege sind nicht nur für meine Familie und meine Freunde, sondern auch für die Menschen aus Marokko. Ich war an so vielen Orten in der Welt, aber nichts ist vergleichbar mit der Liebe, die ich von den Menschen aus Marokko bekomme. Sie geben mir die Kraft, mich selbst weiter anzutreiben. Ich liebe sie und ich liebe Marokko", sagt Hari. Ein "Bad Boy" mit großem Herzen, der auch immer wieder mit Spenden seine Wurzeln, wie Kenitra, der Stadt aus der seine Eltern herkommen, unterstützt.

Doch auch die Größten können tief fallen. Der "Goldjunge" hat mit seinem Temperament zwar viele Fanherzen gewonnen, dafür aber auch zu oft die Kontrolle über sich verloren, sowohl im Ring, in dem er zum Beispiel 2010 seinen It’s Showtime Schwergewichtstitel gegen Hesdy Gerges verlor, nachdem er disqualifiziert wurde, weil er seinen am Boden liegenden Gegner trat.

Aber auch außerhalb des Rings verlor er seinen Weg aus den Augen, bekam seine Emotionen nicht unter Kontrolle, sorgte für Skandale und Eskapaden. Und landete schließlich im Knast.

2014 wurde er wegen diverser Gewalttätigkeiten in den Jahren 2011 und 2012 verurteilt, darunter eine schwere Körperverletzung bei einem Event in Amsterdam, als er den Geschäftsmann Koen Everink attackiert hatte. Außerdem soll er in einem Nachtclub gewalttätig geworden sein und einem Gast ein Glas ins Gesicht geschmissen haben.

2017 scheiterte er mit seiner Revision vor dem Obersten Gericht in den Niederlanden, wurde endgültig zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, von denen zehn Monate zur Bewährung ausgesetzt waren. Da er in der Vergangenheit bereits acht Monate abgesessen hatte, musste er weiter sechs hinter Gittern verbüßen.

Eine prägende Zeit, denn Hari hat eine Tochter, die inzwischen mitbekommt, dass ihr Vater für mehrere Monate Marokko verlassen muss. Und deshalb lügen muss. Denn für die Wahrheit ist Amber noch zu jung. Eine Sechsjährige müsse noch nicht wissen, was ein Gefängnis sei, meinte Hari.

Große Boulevard-Bühne

Zu Hari gehört aber auch die Boulevard-Bühne. Die Freundschaft zum früheren Weltfußballer Cristiano Ronaldo, die dazu führte, dass CR7 verstärkt homosexuelle Neigungen nachgesagt wurden. Oder Haris Frauen-Geschichten. Eine Affäre mit Model Daphne Romani, aus der Tochter Amber hervorging. Oder die Beziehung zu Estelle Cruyff, Nichte der niederländischen Fußball-Legende Johan Cruyff. Auch mit Model Amber Rose wurde ihm eine Romanze nachgesagt. 

Dazu waren es aber immer wieder auch Ausraster, Prügeleien und ähnliche Skandale, mit denen er weitaus mehr Negativ-Schlagzeilen schrieb als er Kämpfe bestritt. Seit 2015 ganze drei, um genau zu sein, von denen er einen verlor, und das war der wichtigste Fight der letzten Jahre: In Oberhausen unterlag er am 10. Dezember 2016 seinem Erzrivalen Rico Verhoeven, der ihm eine Armverletzung zufügte.

Im August nun postete er bei Instagram eine Liste mit den Stars, die er bereits abgearbeitet hat. Rund vier Monate nach seinem Comeback bei GLORY, bei dem er gegen Gerges eine alte Rechnung beglich. Die mit Verhoeven ist ja noch offen.

"Es liegt noch eine Menge Arbeit (K.O.s) vor mir", schrieb er: "To be completed."

Sein Rivale meldete sich natürlich zu Wort. "Der unerreichbare Bad Boy ist exakt das, was du bist, wenn sie dich wegen des großen Kampfes anrufen. Geh zum Training und lass uns schauen, wie lange du diesmal durchhältst", schrieb Verhoeven.

"Vergiss nicht, wer der Boss ist"

Haris Konter: "Wie kannst du davon ausgehen, dass du der erste Kämpfer bist? Vergiss nicht, wer der Boss ist." Und fügte hinzu: "Wenn alle nötigen Konditionen stimmen um dich daran zu erinnern, wer Badr Hari ist, werde ich mehr als enthusiastisch sein, um dir zu zeigen, dass du alle Qualitäten hast, damit ich dich in meine lange Liste der großen Siege aufnehmen kann."

Wie gesagt: Hari weiß, wie das Geschäft funktioniert. Immer noch.

Andreas Reiners

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