Michael Smolik steht vor dem wichtigsten Kampf seiner Karriere - Bildquelle: Getty ImagesMichael Smolik steht vor dem wichtigsten Kampf seiner Karriere © Getty Images

München – Es soll der größte deutsche Kickbox-Kampf des Jahres werden: Michael Smolik gegen Mohamed Abdallah. Bereits seit Jahren ist Abdallah auf der Jagd nach Smolik. Nachdem der WKU-Weltmeister seine Unterschrift unter einen Glory-Vertrag setzte, war es dann nur noch eine Frage der Zeit.

Am 12. Oktober geht es dann endlich nicht mehr um YouTube-Videos oder Social-Media-Kommentare, dann sprechen nur noch die Fäuste im Ring, wenn die beiden in Düsseldorf bei Glory 69 aufeinandertreffen (ab 19 Uhr live auf ran.de und ranFIGHTING.de, ab 0:00 Uhr re-live auf ProSieben MAXX).

Bevor es zum großen Showdown kommt, gab Smolik noch ein Interview bei ranFIGHTING.de und sprach über den anstehenden Kampf und die vergangenen Jahre.

Smolik: Die vergangenen Jahre waren verletzend.

"Die letzten zweieinhalb Jahre ist sehr viel passiert, das war sehr emotional für mich und teilweise sehr verletzend", erklärt Smolik. "Aber ich bin gereifter, erwachsener und stärker geworden durch diese Phase. Und mittlerweile auch ausgelassen, ich lasse auch nichts an mich ran. Ich konzentriere mich auf den Kampf und das ist alles, was zählt."

In den vergangenen zwei Jahren sah sich Smolik, der in dieser Zeit exklusiv für die Stekos antrat und dort WKU-Schwergewichtsweltmeister im Kick- und Thaiboxen wurde, nicht nur den Herausforderungen Mohamed Abdallahs und anderer Kämpfer ausgesetzt, sondern vor allem auch dem Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

"Und in den sozialen Netzwerken wird irgendwas gesagt und die Leute glauben es, ohne es zu hinterfragen", so Smolik weiter. "Und wenn die Leute irgendwas glauben, ohne zu hinterfragen, kennen sie den Menschen an sich nicht. Man wird anderes dargestellt als man eigentlich ist. Und so kamen dann Emotionen, fast schon Kriege auf zwischen den Fronten. Das hat sich alles aufgestaut und eine Eigendynamik entwickelt, die bis zum Himmel ging und das war das ganze Problem dabei."

Smolik: Ich bin ohne Betreuer auf Turniere, weil ich kämpfen wollte.

Vor allem, dass Smolik weiterhin unterstellt wird, nur ein Fake-Champion und gar kein echter Kampfsportler zu sein, hinterließ Spuren beim Crailsheimer.

"Es hat mich verletzt, wenn Leute behaupten, man kann nicht kämpfen oder man kauft die Kämpfe, obwohl man sein Leben lang trainiert hat", erzählt Smolik. "Ich bin keiner Herausforderung aus dem Weg gegangen. Ich habe als Amateur auf allen Verbänden gekämpft, ISKA, WKU, WFMC und so weiter, was es da alles gibt."

"Ich bin auf die Turniere gefahren, hatte keinen Coach dabei und hab irgendeine 16-Jährige, die nicht mal coachen durfte, dahingestellt, weil ich einfach kämpfen wollte. Das tut einem schon weh, wenn man eigentlich diese Kämpfer-Mentalität hat und andere das über dich behaupten."

Vor allem sei die Kritik oft von Leuten geäußert worden, die überhaupt keinen Einblick in die Welt des Kampfsports gehabt hätten. Diese würden es sich viel zu leicht vorstellen.

"Es glich teilweise einer Hetzjagd", so Smolik. "Man hat dann auch nicht mehr die Welt verstanden. Warum hassen die Leute mich auf einmal so? Ich will doch nur kämpfen. Mehr will ich doch nicht machen. Für die anderen Sachen gibt es Manager, gibt es Leute im Background, den Verband oder sonst was. Und das war immer unvorstellbar für mich. Man begreift das auch nicht als Kämpfer."

Smolik: War die schwerste Zeit meiner Karriere.

Doch Smolik will das nun alles hinter sich lassen. Zwar beschäftigt ihn die ganze Angelegenheit immer noch, der 28-Jährige hat aber für sich festgestellt, dass er diese Feuerprobe überstanden hat und daraus gestärkt hervorgegangen ist.

"Ich habe sehr viele positive Dinge aus dieser Sache gezogen. Ich bin reifer und erwachsener geworden und ich glaube, dieses etwas Kühlere schützt einen mehr. Also wenn man nicht gleich emotional reagiert und nicht alles an sich ranlässt. Gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist das ganz wichtig. Kritik ist eine Sache, aber Hass ist was komplett Anderes. Ich habe jetzt gelernt, auch mit Hass umzugehen."

Doch nicht nur die mentale Reife ist es, die durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre stärker geworden ist. Smolik ist sich sicher, dass er durch diesen Spießrutenlauf auch zu einem stärkeren Kämpfer geworden ist.

"Diese Phase meiner Karriere war definitiv die schwerste Zeit. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Ich glaube, so etwas muss man auch nicht unbedingt erleben. Mal ein kleiner Shitstorm, ok, aber sowas wünsche ich wirklich keinem. Von außen betrachtet ist es immer so harmlos. Aber es ist wirklich sehr, sehr schlimm. Da ist auch sehr, sehr viel passiert in mir und das hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin."

Smolik: Glory ist mir wichtig, Abdallah ist nur ein weiterer Gegner.

Daher denkt Smolik auch nicht daran, dass in Mohamed Abdallah ein Rivale auf ihn wartet. Für den Crailsheimer überwiegt die Freude darüber, dass er es jetzt endlich zum Kickbox-Marktführer Glory geschafft hat. Abdallah ist dabei nur ein weiterer Gegner, den es zu besiegen gilt.

"Der Kampf hat eine riesengroße Bedeutung für mich", so Smolik. "Aber nur aus dem Grund, weil es mein Glory-Debüt ist. Ich habe schon vor Ewigkeiten von Glory geträumt. Dass es jetzt gegen einen Gegner geht, der mich jahrelang herausgefordert hat, ist für mich nur Nebensache. Ich will mich nur noch auf meine Kämpferkarriere und auf meine Fights konzentrieren, nicht auf die Gegner."

Dass die zahlreichen Anfeindungen und Herausforderungen beim Wechsel des Managements und der darauffolgenden Unterschrift bei Glory eine Rolle gespielt haben, weist Smolik ebenfalls weit von sich.

"Ich habe für mich entschieden, dass ich diesen Weg gehen will und muss. Ich habe das nicht für irgendjemand anderen getan. Natürlich hat man im Hinterkopf, dass man es den Leuten zeigen will.  Aber wenn man das wegen anderen Menschen tut, ist man auf dem falschen Weg. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich den Weg gehen und gegen die stärksten Kämpfer der Welt kämpfen kann und das ist alles was zählt."

Smolik kündigt Kampf des Jahres an

Schritt eins erfolgt in Düsseldorf gegen Abdallah, der schon zwei Mal für Glory in den Ring stieg. Smolik ist sich sicher, dass es einen Kampf dieser Größenordnung nicht oder zumindest lange nicht mehr gegeben hat.

"Es ist der größte Kampf, den Kickbox-Deutschland je gesehen hat. Sowas gab es noch nie, wenn dann in den 90ern. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwelche Sportler so einen krassen Hasskampf schon fast hatten und es letztendlich dann zum Finale kam. Die Fans können einen spektakulären Kampf erwarten, es wird explodieren im Ring. Sie können gefasst sein auf eine richtige Schlacht."

So kühl und abgeklärt sich Smolik derzeit auch gibt, ihm ist bewusst, dass er alles, was vorgefallen ist, nicht komplett ausblenden kann. Zwar betont der Crailsheimer, wie wichtig ihm der Respekt zwischen den Kämpfern ist, ob er im Falle eines Sieges über Abdallah jedoch entspannt reagiert, dass kann er nicht versprechen.

"Ich kann nicht garantieren wie ich reagiere, wenn ich den Kampf gewinne", sagt Smolik. "Ob dann die Emotionen raussprießen oder ob es noch emotionaler wird als sonst. Aber was danach passiert, ist völlig egal. Letztendlich zählt nur, was jetzt, was im Kampf passiert. Um das, was danach passiert, darum kümmere ich mich auch erst danach."

"Ob die Leute sich für Kampfsport interessieren oder nicht, spielt eigentlich gar keine Rolle. Wenn sie diesen Kampf verpassen, verpassen sie den Kampf des Jahres!"

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