Nordin Asrih ist in Oberhausen wieder in Aktion - Bildquelle: FotoSevenSportsNordin Asrih ist in Oberhausen wieder in Aktion © FotoSevenSports

München – Zum Thema Alter gibt es eine Weisheit, die den Nagel häufig auf den Kopf trifft. „Der Mensch ist wie ein guter Wein – er reift mit den Jahren und wird immer wertvoller“, heißt es.

Auf Nordin Asrih passt er wie die Faust aufs Auge. 

Der MMA-Pionier hat auch im nun doch etwas höheren Kämpferalter noch lange nicht genug. Im Gegenteil. Und gleichzeitig ist der 40-Jährige auch noch erfolgreich dabei. Acht Siege in Folge hat Asrih seit seiner Auszeit 2015 angesammelt. Mit Nummer acht setzte er sich im März die GMC-Krone im Superleichtgewicht auf. Dabei stellte er gleichzeitig einen Europarekord auf. Denn es war bereits die sechste Gewichtsklasse, in der Asrih in den Käfig stieg. 

Bei GMC 23 tritt er jetzt gegen den gefährlichen Islam Khapilaev (GMC 23 am 9. November live auf ranFIGHTING.de) an. 

Und wie: Der Titelträger ersetzt in Oberhausen kurzfristig den verletzten Ozan Aslaner. Heißt: Asrih hat nur vier Wochen Vorbereitung auf den Kampf, bei dem er seinen Titel allerdings nicht aufs Spiel setzen wird. Doch die Erfahrung macht eine Menge aus. Und davon hat er fraglos jede Menge.

Fast 20 Jahre im Geschäft

Fast 20 Jahre ist der gebürtige Marokkaner nun schon im Geschäft. Er begann zu Zeiten, als man sich einfach im Gym traf und kämpfte, selbst wenn die Gewichtsklasse nicht ganz stimmte. Neun Kilogramm Unterschied? Egal.

"Man hat damals trainiert und den Drang gehabt, sich als Bad Boy zu messen. Ich war nicht der Typ, der sich auf der Straße geprügelt hat. Dann hat man den Ausgleich in dem Sport gesucht", sagte er ranFIGHTING.de. Beim Outsider Cup 2 am 28. Februar 2004 begann die professionelle Karriere, seitdem hat er 38 Kämpfe bestritten, von denen er 28 gewann.

Aber nichts hat ihn in dieser Zeit so beeinflusst wie "The Ultimate Fighter". Er nahm 2010 an der Show beim Team von Brock Lesnar teil. Immer auf der Jagd nach einem UFC-Vertrag, sollte es ihm trotz der Teilnahme, als erster Deutscher überhaupt, nicht gelingen, den Sprung in die USA zu schaffen. Er verlor damals seinen Kampf gegen Shamar Bailey.

Eine ganz besondere Erfahrung für Asrih. "Das war ein ganz krasser Worst Case in meiner Karriere. Da habe ich angefangen zu verstehen, wie der Sport funktioniert. Was man für Voraussetzungen mitbringen muss, um erfolgreich zu sein. Ich habe verstanden, dass man bestimmte Kriterien erfüllen muss. Die habe ich vorgelebt bekommen", sagte er.

Rücktritt nach Krise

In den Jahren nach TUF schlitterte Asrih dann in eine sportliche und private Krise, Niederlagen im Käfig häuften sich, vier waren es innerhalb von nicht einmal zwei Jahren. Familiäre Dinge waren vorgefallen, er musste einen schweren Verlust verkraften, der Sport rückte in den Hintergrund. Andere Sachen hatten Vorrang.

Im April 2015 hatte er deshalb genug und verkündete sein Karriereende. Mit einem der besten Kämpfe des Jahres gegen einen späteren UFC-Kämpfer aus Spanien verabschiedete er sich in den Ruhestand.

Der nur von sehr kurzer Dauer war, denn nur ein halbes Jahr später war das MMA-Urgestein schon wieder zurück. Um noch einmal durchzustarten.

"Du musst es leben"

Parallel gibt es in seinem eigenen Pride Gym in Düsseldorf seine Erfahrungen, seine Einstellung an die neue Generation an Kämpfern weiter. Sein Erbe soll vor allem sein Adoptivsohn Mohamed Grabinski antreten. Vielleicht schafft er sogar das, was Asrih immer verwehrt blieb: den Sprung in die UFC.

"Du musst es leben, du kannst nicht halbherzig an die Sache herangehen. Auch wenn man weniger Talent hat, kann man durch Fleiß viel wettmachen. Dazu gehöre ich", sagte Asrih, der polarisiert und das auch weiß. 

"Ich bin provokativ, und sehr direkt. Da kommen nicht alle mit klar. Ich habe keine Grauzone, es ist entweder schwarz oder weiß. Entweder man liebt mich oder man hasst mich", so Asrih.

Seine Fans lieben ihn. Auch dafür, dass er immer noch nicht genug hat.

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