Pascal Schroth (r.) mit seinem behandelnden Arzt Dr. Gerhard Melcher - Bildquelle: SchrothPascal Schroth (r.) mit seinem behandelnden Arzt Dr. Gerhard Melcher © Schroth

München – Ein Jahr lang hat Pascal Schroth nicht mehr gekämpft, heute Abend kehrt er in den Ring zurück. Der Kickboxer aus Bremerhaven hatte vor einem Jahr eine der heftigsten Verletzungen überhaupt erlitten, als er in China auf seinen Kopf geworfen wurde.

In München kehrt er beim Stekos Fight Club 3 gegen den Spanier Mariyan Asenov in den Ring zurück und will mit seinem Comeback andere inspirieren (Stekos Fight Club am 3. Oktober ab 20:45 Uhr live auf ranFIGHTING.de und ab 23:45 Uhr bei Kabel Eins und ran.de).

Horror-Verletzung in China

Es sollte eigentlich ein Routine-Rückkampf in China werden. Nachdem Schroth im Jahr 2017 bei Glory in China den Lokalmatador Qinghao Meng knapp nach Punkten besiegt hatte, sollten die beiden ein Jahr später einen Rückkampf absolvieren. Dieser lief nur wenige Sekunden, die Folgen spürt Schroth aber bis heute.

Denn kaum war der Kampf freigegeben, überraschte der Chinese mit einem Griff um die Hüfte des Deutschen. Doch anstatt wieder loszulassen und sich ein ordentliches Duell im Kickboxen zu liefern, wuchtete Meng seinen Gegner hoch und schleuderte ihn vornüber auf die Matte.

Schroth landete mit voller Wucht auf dem Kopf und krümmte sich vor Schmerzen. Die anschließende Diagnose: ein zweifach gebrochener fünfter Halswirbel. Nur mit viel Glück entkam Schroth dabei einer Lähmung, doch die nächsten Wochen musste er ein Gestell tragen, das seinen Nacken stabilisierte und immobilisierte.

"Ich habe drei Monate in einem Gestell verbracht und konnte mich nicht bewegen", erzählt Schroth. "Ich bin regelrecht dem Tod von der Schippe gesprungen und hätte auch im Rollstuhl enden können."

Schroth: Ich habe das Knacken gespürt.

"Als er meine Hüfte gegriffen hat, habe ich mich erst gefragt, was er vorhat, es war ja ein K-1-Kampf", erklärte Schroth. "Dann habe ich dagegengehalten und auf das Eingreifen des Ringrichters gewartet. Aber das Kommando kam nicht. Ich habe dann lockergelassen, weil ich dachte, er würde es auch tun. Dem war am Ende nicht so."

Stattdessen wurde Schroth an der Hüfte angehoben, mit dem Kopf nach unten gedreht und dann gerade auf den Kopf auf die Matte geworfen.

"Das nächste, was ich realisiert habe, war, dass meine Füße in der Luft waren und ich dann mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen bin", so Schroth weiter. "Ich hatte sofort stechende Schmerzen im Genick und habe das Knacken gespürt."

Probleme in Asien ging danach weiter

Damit ging die Odyssee für Schroth jedoch erst los. Zwar wurde er anschließend in ein Krankenhaus gebracht, die Probleme hörten damit jedoch nicht auf. Denn erst Tage später wurde Schroth überhaupt erst darüber informiert, was ihm widerfahren war.

"Auf der Veranstaltung hat kaum jemand Englisch gesprochen", so Schroth. "Es ging dann ins Krankenhaus, wo ich geröntgt wurde, ich wusste nicht wirklich, wie mir geschieht, weil mir niemand gesagt hat, was passiert ist. Ich dachte, ich hätte mir vielleicht was beim falschen Fall ausgerenkt und habe meiner Freundin noch geschrieben, dass alles in Ordnung sei und ich mich melden würde."

Erst Tage später, Schroth wurde bis dahin vom Veranstalter mit 6.000 Euro Schmerzensgeld abgespeist und schnell außer Landes gebracht, machte ihm ein Arzt begreiflich, wie knapp Schroth an einer Lähmung vorbeigeschrammt war.

"Ich bin dann nach vier Tagen nach Phuket und dort wurde mir das erste Mal überhaupt erklärt, was mit mir passiert ist. Also das der fünfte Halswirbel zweifach gebrochen ist und ich fast im Rollstuhl gelandet wäre. Solche Aussagen vom Arzt haben mich sehr hart getroffen. Es war schrecklich."

Schroth: Mir sind die Tränen gekommen

"Der schwerste Punkt war, es zu akzeptieren", so Schroth weiter. "Ich habe mich im Spiegel angesehen, als ich in diesem Gestell war und musste es einfach akzeptieren, ich konnte nichts dagegen tun. Das war wie ein Identitätsverlust für mich. Ich habe nicht mehr gewusst, was ich mit mir anfangen kann."

Vom WKU-Weltmeister und erfolgreichen Kickboxer innerhalb weniger Sekundenbruchteile fast zum Sportinvaliden. Für den Sportler Schroth, der sein Leben dem Kickboxen gewidmet hatte, ein schwerer Schlag.

"Der Kampfsport war das, worüber ich mich identifiziert habe, das war mein Ding. Über Nacht wurde mir alles genommen, ich war komplett auf Hilfe angewiesen und ich wusste nicht mehr, was meine Aufgabe im Leben, was der Sinn ist. Mir sind in der Zeit danach jedes Mal die Tränen gekommen, wenn ich einen Rollstuhlfahrer gesehen habe, weil ich dachte, das hätte auch ich sein können."

Mit mentaler Stärke ins nächste Kapitel der Karriere

Für Schroth führte der Weg und die Gedanken über den Sinn des Lebens schlussendlich in ein buddhistisches Kloster, in dem er zum Mönch wurde. Mit neuer spiritueller Stärke will der "German" nun auch wieder im Ring angreifen.

"Ich bin super aufgeregt und freue mich riesig. Ich bin mental, physisch und psychisch stärker, als je zuvor und werde das allen zeigen. Ich denke nicht, dass mein Gegner am 3. Oktober mental so stark ist wie ich. Ich kann es kaum erwarten, wieder in den Ring zu steigen und die Leute mit meiner Geschichte zu inspirieren."

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