Pascal Schroth (r.) mit seinem behandelnden Arzt Dr. Gerhard Melcher - Bildquelle: SchrothPascal Schroth (r.) mit seinem behandelnden Arzt Dr. Gerhard Melcher © Schroth

München - Am 20. Oktober wäre Pascal "The German" Schroth beinahe im Ring gestorben. Bei einem Kampfsport-Event in China wurde der gebürtige Bremerhavener, der im thailändischen Phuket lebt und trainiert, von seinem Gegner kopfüber in den Boden "geslammt" und blieb zunächst regungslos liegen.

Es war ein schockierendes Foul, eine unerlaubte Technik, ein verbotener Move des chinesischen Kontrahenten, der dem WKU-Champion im Muay Thai und erfolgreichen Glory-Veteran beinahe das Leben gekostet hätte. Später folgte dann die erschütternde Diagnose: Genickbruch.

Schroth hatte Todesangst

"In dem Moment", so Schroth, "ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Denn schon als Kind habe ich gedacht: Wenn du dir dein Genick brichst, dann musst du sterben. Genau das ist meiner Großmutter passiert. Sie ist die Treppe hinuntergestürzt und an so einem Bruch gestorben. Da habe mich gefragt: Was mache ich jetzt? Ich bin 25, befinde mich in der Blüte meines Lebens. Der Sport ist das, was mich am Leben hält. Das hätte von einer Sekunde auf die nächste vorbei sein können."

Doch Pascal Schroth hatte Glück im Unglück: Der fünfte Halswirbel ist zwar gebrochen, aber es ist ein gerader Bruch, und es wurden keine Nervenbahnen beschädigt, eine Gefahr der Lähmung besteht nicht.

Dubioser Event ohne Medizin-Check

Diese furchtbare Verletzung ist aber nur die eine Geschichte, das, was um den Event herum passiert ist, die andere: Eine rein chinesische Veranstaltung, bei der kein Mensch ein Wort Englisch spricht.

Dazu der deutsche Kickboxer: "Es gab vorab auch kein Rules Meeting und keinen Medical Check. Das kam uns alles schon sehr komisch vor. Was ist das für ein Event ohne Waage und ohne Doktor?"

6.000 Euro "Schmerzensgeld"

Nach dem Event wurde Schroth zwar in ein Krankenhaus gebracht, aber auch dort hat niemand mit ihm gesprochen. 48 Stunden lag er nur auf dem Rücken und wusste nicht, was mit ihm los ist.

Danach ging alles ganz schnell. Der Promoter des chinesischen Veranstalters WLK bot Schroth eine Art Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet 6.000 Euro an. Kurz darauf sorgte er dafür, dass der K1-Fighter möglichst schnell außer Landes gebracht wird, möglicherweise, um weiteren Regressansprüchen zu entgehen.

"The German" kann Karriere fortsetzen

Inzwischen ist Schroth längst zurück in seiner Wahlheimat angekommen. Er hat in Thailand einen guten, deutschsprachigen Arzt gefunden.

Und Dr. Gerald Melcher meint, so der Bremerhavener, "dass so ein Bruch in sechs Wochen bis drei Monaten verheilt ist. Solange werde ich auch das Gestell tragen müssen. Außerdem hat mein Arzt gesagt: Es gibt zwei Arten von Athleten, die einen, die aus der Sache stärker zurückkommen. Und die anderen, die sich nie wieder überwinden können, in den Ring zu steigen. Ich gehöre definitiv zur zweiten Kategorie. Ich werde stärker zurückkommen als je zuvor. Es ist nur eine Frage der Zeit."

Auf seinen Arzt- und Anwaltskosten wird er wohl sitzen bleiben, denn es wird schwierig sein, einen Verantwortlichen in China dingfest zu machen. Die gute Nachricht aber, die alle negativen Schlagzeilen überdeckt, ist, dass "The German" trotz seines Genickbruchs schon bald wieder vollkommen gesund sein und wieder in den Ring steigen wird.

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