Saba Bolaghi (li.) will wieder auf den GMC-Thron - Bildquelle: GMC/FotoSevenSportSaba Bolaghi (li.) will wieder auf den GMC-Thron © GMC/FotoSevenSport

München – "Wenn er ein Mann ist, bleibt er im Stand". Eine Zeile, ausgesprochen von GMC-Champion Ömer Solmaz, die seitdem die Gemüter der deutschen MMA-Szene erregt.

Gerichtet wurde sie an Saba Bolaghi, Gewinner der Bronzemedaille bei der Europameisterschaft 2011 im Ringen, Ringer des Jahres im gleichen Jahr und nun Solmaz Gegner am 12. Oktober (GMC 22 live und exklusiv auf ranFIGHTING.de). Für den 30-Jährigen nur weiterer Ansporn.

Bolaghi: Das wird kein reiner Standkampf.

Denn wie der gebürtige Frankfurter dem Schlagwort-Podcast verriet, geht Bolaghi weniger der Satz an sich, sondern das permanente Nachfragen nach dem Satz von Solmaz auf die Nerven. Die Aussage selbst ist für ihn nur größerer Ansporn. Zumal Bolaghi davon ausgeht, dem Kampf seinen Stempel aufzudrücken.

"Im Idealfall teile ich viel aus und stecke wenig ein", so Bolaghi im Podcast. "Ich will das sauber über die Bühne bringen. Ideal ist immer, wenn man seinen Stil dem andere aufzwingen kann. Das ist das Ziel jedes Kämpfers. Wenn das passiert, wäre das das Optimum."

Und dafür hat der Frankfurter in der Kämpferschmiede des MMA Spirits vorgesorgt. Dabei kam ihm gelegen, dass neben ihm auch seine Teamkollegen Max Coga und Daniel Weichel Kämpfe anstehen hatten und entsprechend ebenfalls in der Vorbereitung waren.

"Ich denke nicht, dass es ein Standkampf wird. Ich habe hart dafür trainiert. Ich bin aber auch im Stand hervorragend vorbereitet. Wir haben gerade mit Max und Weichel gemeinsam unser Camp absolviert und es lief einfach super, ohne mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Ich denke, ich kann ihm meinen Stil aufzwingen."

Bolaghi: Ich habe auswärts immer besser gekämpft!

In Hamburg geht es in Solmaz nicht nur gegen den Champion, sondern auch gegen die Hamburger Fans, die bereits im Februar ihren Kämpfer nach vorne peitschten und die Halle in einen Hexenkessel verwandelten. Darauf angesprochen, zeigte sich Bolaghi gelassen.

"Ich habe auswärts immer stärker gekämpft als zuhause", so Bolaghi. "Der Druck ist zuhause größer, der Kopf ist auswärts freier. Egal, ob in der Halle am Ende zwei oder 20.000 Zuschauer sind, am Ende steht man allein mit dem Gegner auf der Matte oder im Käfig. Und was herauskommt, steht in den Sternen."

Dem 30-Jährigen, der nicht nur im MMA, sondern vor allem beim Ringen stets auch in fremder Halle seine Leistung abrufen musste, ist es sogar ganz recht, in Solmaz‘ Wohnzimmer zu kämpfen. "Den Fans des Gegners auf den Sack zu gehen, ist befriedigender, als sich von seinen eigenen Fans feiern zu lassen", lachte Bolaghi.

Bolaghi gehörte zu den besten jungen Ringern des Landes

Und Erfahrung damit hat Bolaghi nach einer langen Karriere als Ringer schließlich genug. Bereits seit Kindheitstagen war der Frankfurter auf der Matte zuhause, wurde erst von seinem Vater trainiert, bevor er später für mehrere Vereine und den Deutschen Ringer-Bund für Furore sorgte.

Bolaghi gewann dabei mehrere internationale Junioren-Turniere und feierte mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Dortmund seinen größten Erfolg im Jahr 2011. Doch die gesellschaftliche Anerkennung nach einer solchen Ausnahmeleistung blieb ihm verwehrt.

Bis heute erzählt Bolaghi eine Geschichte, über die er mittlerweile zwar lachen kann, die aber die Probleme der Sportler abseits der großen Mannschaftssportarten in Deutschland aufzeigt.

Bolaghis Medaille zählte beim Türsteher nichts

"Damals haben die Handballer die WM im eigenen Land gewonnen und da habe ich mir gedacht, das mach ich auch, ich hole mir die Medaille im eigenen Land", erklärte Bolaghi. "Eine Woche nach meiner Medaille hatte mein Management zur Feier in einem Laden einen Tisch reserviert. Ich habe meine Leute eingeladen und dann kommt man da hin und der Türsteher sagt mir ich komme nicht rein."

"Das war einfach demütigend. Da kommt ein 21-Jähriger Saba, stolz wie Oskar, in der Weltspitze angekommen zu sein, hat vor fünf Tagen noch den Adler der deutschen Nationalmannschaft auf der Brust getragen und das Land repräsentiert und dann sagt der Typ einfach ‚Ne, ist nicht‘."

"Es hat einfach unterstrichen, dass Ringen wie viele andere Amateursportarten in Deutschland einfach untergeht und nicht anerkannt wird. Man arbeitet als Sportler ja nichts, tut nichts fürs Land, zahlt keine Steuern, etc. Das sind Vorwürfe, die ich mir schon anhören musste."

Bolaghi wechselte 2013 zum MMA

"Es heißt immer, Ringer kämpfen um Ruhm und Ehre, aber ich habe trotz meiner Siege weder das eine noch das andere bekommen und wollte auch nicht immer von Papa leben", erklärte Bolaghi weiter und erwähnte das immense Pensum der Wettkämpfe, Reisen und Entbehrungen. Irgendwann reifte in Bolaghi der Entschluss, dass es für ihn keine Perspektive mehr im Ringen geben würde.

"Nachdem Alexander Leipold, der mich seit meinem 14. Lebensjahr begleitet hat und mir durch dick und dünn gegangen ist, als Bundestrainer aufgehört hat, fiel das auch noch weg", so Bolaghi weiter.

"Unter dem neuen Trainer hat es einfach nicht gefunkt und dann hat es irgendwann einfach keinen Spaß mehr gemacht, das war der Knackpunkt. Wenn man in seinem Briefkasten eine Einladung des Ringer-Bundes findet und dann Tränen in den Augen hat, weil man weiß, dass man bald wieder wegmuss, dann ist das nicht gut."

Noch während eines Turniers teilte Bolaghi seinem Trainer den Entschluss mit, mit dem ringen aufzuhören. Wenige Monate später stieg Bolaghi zum ersten Mal als MMA-Kämpfer in den Käfig.

Bolaghi: Ringen ist mein Rettungsfallschirm

Zwar geht der Blick von Bolaghi nicht wehmütig zurück, doch bezeichnet sich der 30-Jährige im Herzen immer noch als Ringer. Die Vorteile, die er aus seiner Ringer-Zeit mit ins Octagon nehmen kann, sind nicht zu verachten.

"Das Ringen ist mein Rettungsfallschirm, auf das ich immer zurückgreifen kann", so Bolaghi weiter. "Man kann zwar die Techniken des Ringens beherrschen und beibringen, aber die Instinkte, diese Millisekunden, in denen man sich für eine Bewegung entscheidet, kann man nicht aufholen. Da genieße ich meinen Vorteil."

Diesen will er am 12. Oktober gegen Solmaz ausspielen. Ob ihn sein Gegner dann für einen echten Mann hält oder nicht, kann ihm egal sein, wenn er den Gürtel gewinnt. "Am Ende stehe ich ja…über ihm", sagte Bolaghi vor Wochen.

Die komplette Folge des Schlagwort-Podcasts mit Bolaghi seht ihr hier:

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