Mary Cain spricht über ihre Zeit beim NOP - Bildquelle: AFPGETTY SIDJONATHAN FERREYMary Cain spricht über ihre Zeit beim NOP © AFPGETTY SIDJONATHAN FERREY

Köln - Der wegen Dopingverstößen gesperrte Leichtathletik-Coach Alberto Salazar und das Nike Oregon Project (NOP) sehen sich neuen Vorwürfen ausgesetzt. Die einstige US-Wunderläuferin Mary Cain erklärte in einem Beitrag für die New York Times, man habe sie in ihrer Zeit beim NOP dazu aufgefordert, deutlich ihr Gewicht zu reduzieren. Dies habe über drei Jahre zum Verlust ihrer Periode geführt, sie habe fünf Knochenbrüche erlitten und am Ende sogar über Suizid nachgedacht.

"Ich war das Opfer eines Missbrauchs, durch ein System und einen Mann", sagte die 23-Jährige, die sich 2013 als 17-Jährige dem NOP angeschlossen hatte. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie als große Mittelstreckenhoffnung gefeiert. Doch mit ihren Laufzeiten ging es fortan nur noch bergab. Zuletzt trat sie 2016 in Erscheinung.

Am 10. Oktober war das umstrittene NOP von Nike offiziell für beendet erklärt worden. Wenige Tage zuvor war Alberto Salazar wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen für vier Jahre gesperrt worden. Die WM-Dritte Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) hatte seit Ende 2018 auch in den USA trainiert. Sie gehörte dem NOP aber erst seit April offiziell an. Sie trainierte selbst nie unter Salazar, ihr Coach war Pete Julian.

Die jüngsten Entwicklungen hatten Mary Cain offenbar die Augen geöffnet. "Nach dem Dopingbericht fühlte ich mich plötzlich befreit. Das hat mir geholfen zu verstehen, dass dieses System nicht okay ist", sagte sie, "deshalb habe ich beschlossen, mich erst jetzt zu äußern. Nike hat die Chance, Änderungen vorzunehmen und seine Athleten in Zukunft zu schützen."

Nike zeigt sich überrascht

Der Sportartikelriese Nike zeigte sich überrascht von den Vorwürfen Cains. "Dies sind zutiefst beunruhigende Anschuldigungen, die Mary oder ihre Eltern zuvor noch nicht erhoben haben. Mary wollte erst im April dieses Jahres wieder zum Oregon-Projekt und zu Albertos Team zurückkehren und hatte diese Bedenken im Rahmen dieses Prozesses nicht zur Sprache gebracht", heißt es in einem Statement des Unternehmens.

Man nehme die Vorwürfe "sehr ernst. Wir werden unverzüglich Ermittlungen einleiten, um ehemalige Athleten des Oregon-Projekts anzuhören. Bei Nike versuchen wir, den Athleten stets in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen, und diese Behauptungen widersprechen komplett unseren Werten", heißt es in der Mitteilung weiter.

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