Kurz vor Saisonbeginn findet der offiziellen ITR-Test auf dem Lausitzring st... - Bildquelle: AudiKurz vor Saisonbeginn findet der offiziellen ITR-Test auf dem Lausitzring statt. © Audi

München - Bislang haben Audi, BMW und DTM-Neuling Aston Martin in Jerez und Estoril bei privaten Hersteller-Tests ihre neuen Turbo-Boliden entwickelt. Diese Woche ist es aber endlich vorbei mit der Geheimniskrämerei: Beim offiziellen ITR-Test auf dem Lausitzring werden an vier Testtagen endlich auch Zeiten genommen und veröffentlicht.

Wie aussagekräftig diese Zeiten sein werden, ist die Frage: "Alle bluffen noch", ist Rosberg-Audi-Teamchef Arno Zensen im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' überzeugt. "Und wer am besten blufft, werden wir erst sehen. Die Karten werden erst beim ersten Rennen in Hockenheim aufgedeckt."

Da das Reglement meist erst kurz vor dem Saisonstart fixiert wird, haben die Hersteller nach wie vor die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen. Ein Bluff könnte sich also auszahlen. Dennoch bieten die Rundenzeiten die Möglichkeit, eine Tendenz für die Saison zu erkennen. Wir beantworten im Vorfeld die fünf wichtigsten Fragen zum ITR-Test.

Warum ist der Test so wichtig?

Weil es der letzte Test vor dem Saisonauftakt in zwei Wochen in Hockenheim ist und die neuen Turbo-Boliden, die dieses Jahr erstmals in der DTM zum Einsatz kommen, nach wie vor am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Bislang haben Audi und BMW je neun private Testtage absolviert, während Neueinsteiger Aston Martin wegen der späten Präsentation des Vantage noch drei Testtage Rückstand hat. Und die Entwicklungskurve ist nach wie vor hoch, auch wenn die Boliden bereits am 1. April homologiert wurden.

 

Da durch die neuen Regeln die Uhren in der DTM wieder zurückdreht werden und alle neu anfangen, sind Überraschungen nicht auszuschließen. "Die bisherige Rangordnung könnte kräftig durcheinander gewirbelt werden und ein Team oder Hersteller, der sich im Winter besonders sorgfältig vorbereitet hat, könnte dadurch durchaus einen Vorsprung erarbeitet haben", bestätigt der ITR-Technikverantwortliche Gordian von Schöning gegenüber 'DTM.com'.

Nicht jeder ist die neuen Autos schon gefahren

Das spielt auch für die Fahrer eine Rolle: Das Aufwärmen der Reifen und die Startprozedur sind bei den neuen Boliden anders als in der Vergangenheit. Das ist vor allem für die Piloten eine Herausforderung, die bislang noch gar nicht getestet haben. Sie müssen sich so schnell wie möglich an die neue Autogeneration gewöhnen.

Wer nach den bisherigen Tests die Nase vorne hat? Bislang sieht es so aus, als hätte Audi die beste Ausgangssituation inne. Die Ingolstädter, die im Vorjahr lange brauchten, um in die Gänge zu kommen, waren bei den bisherigen Tests nicht nur die Schnellsten, sondern spulten auch die meisten Kilometer ab. Rene Rast & Co. waren auch die ersten, die bei den Tests auf Zeitenjagd gehen konnten. Neuling Aston Martin muss dagegen versuchen, den Rückstand von mehreren Sekunden aufzuholen. Das darf allerdings auch nicht verwundern, denn das Joint-Venture aus R-Motorsport und HWA hat in nur 90 Tagen ein DTM-Auto auf die Räder gestellt.

Welcher Pilot sitzt wann im Auto?

Bislang hat sich nur Neueinsteiger Aston Martin auf ein genaues Testprogramm festgelegt: Die Neueinsteiger haben gegenüber 'Motorport-Total.com' bestätigt, dass sie mit zwei Boliden vor Ort sind. Da jedes Team pro Testtag maximal ein Auto auf der Strecke haben darf und R-Motorsport 2019 zwei Teams einsetzt, schöpft man das Maximum aus. Jeder Testtag wird also von zwei Fahrern betritten.

Den Auftakt werden am Montag Rookie Ferdinand Habsburg und Ex-Mercedes-Pilot Daniel Juncadella machen. Am Dienstag kommt der Spanier erneut zum Einsatz, den zweiten Vantage wird aber Neuling Jake Dennis übernehmen. An den letzten beiden, deutlich längeren Testtagen stößt auch Teamleader Paul di Resta zum Team, um mit seiner Erfahrung das Set-up zu optimieren. Im zweiten Boliden sitzt am Mittwoch Dennis und am Finaltag Habsburg. Änderungen sind laut R-Motorsport noch möglich.

Alle Audi-Fahrer sollen drankommen

Ähnlich die Situation bei Audi: Am Montag hat man alle Werkspiloten nominiert, die Teamkollegen müssten sich allerdings abwechseln. Am Dienstag kommen laut Plan die Piloten zum Einsatz, die bei den bisherigen Tests zuschauen mussten, also Rosberg-Pilot Jamie Green, Abt-Youngster Robin Frijns und Phoenix-Pilot Loic Duval. Für sie wird der Test besonders wichtig.

Für die ausführlichen zwei Finaltage hat Audi alle Piloten nominiert. Der Plan ist, dass sich die Teamkollegen abwechseln und jeder Fahrer fünf Stunden testen darf. Noch sind aber nicht alle Autos fertig aufgebaut: Phoenix wird zum Beispiel das Auto von Mike Rockenfeller einsetzen, während Duvals RS 5 erst beim Saisonauftakt in Hockenheim zum Einsatz kommt. Das führt dazu, dass die Designs der Autos beim Test nicht immer mit den Piloten übereinstimmen.

BMW hält sich bedeckt

Dafür wird erstmals auch das neue Privatteam WRT mit dem neuen Boliden vor Ort sein: Für die Belgier wird der Südafrikaner Jonathan Aberdein am Montag ins Lenkrad greifen, am Dienstag kommt der noch nicht für die Saison bestätigte Pietro Fittipaldi - Enkel von Formel-1-Legende Emerson Fittipaldi - zum Einsatz. An den letzten beiden Tagen sollen sich die beiden im WRT-Audi abwechseln.

Und was macht BMW? Die Münchner gaben sich auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' zugeknöpft. Man könne die Testeinteilung nicht bekanntgeben, da es auch wegen des Wetters noch kurzfristige Änderungen geben könne.

Wann und wie viel wird getestet?

Auf der Lausitzring-Website wird angegeben, dass der offizielle ITR-Test von 14. bis 18. April dauert. Das sorgte bei manchen Fans für Verwirrung. Hintergrund ist, dass am Sonntag nicht offiziell getestet wurde, aber ein einstündiger Roll-Out erlaubt war, um die neuen Turbo-Boliden einem Funktionstest zu unterziehen. Bisher wurde bei den drei Hersteller-Tests in Jerez und Estoril von jedem der drei Fabrikate nur ein Testträger eingesetzt.

Wie viel Zeit die DTM-Teams beim letzten Test vor dem Saisonstart haben? Am Montag werden sechs Stunden getestet, am Dienstag 5:40 Stunden. Dafür kommen die Teams an den zwei Schlusstagen voll auf ihre Kosten und dürfen je zehn Stunden testen.

Der Zeitplan

Montag (15.4.)

8:00 - 10:10 Uhr

13:00 - 16:50 Uhr

Dienstag (16.4.)

9:40 - 12:00 Uhr

14:00 - 17:20 Uhr

Mittwoch (17.4.)

8:00 - 13:00 Uhr

14:00 - 19:00 Uhr

Donnerstag (18.4.)

8:00 - 13:00 Uhr

14:00 - 19:00 Uhr

Wie wird das Wetter in der Testwoche?

Besser als erwartet! Ursprünglich deuteten die Wetterprognosen ähnlich wie beim vergangenen Herstellertest in Jerez auf Niederschläge hin. Das hätte vor allem die Aston-Martin-Truppe hart getroffen, die dringend aufholen muss. Die Wetterlage hat sich aber in den vergangenen Tagen deutlich entspannt. Mit Gewittern und Niederschlägen ist laut der aktuellen Vorschau an keinem der vier Testtage zu rechnen.

Dafür wird es kalt: Von Montag bis Mittwoch müssen die Teams damit rechnen, dass die Quecksilbersäule bei Teststart am Morgen nur knapp über der Null-Grad-Marke hält. Als Höchstwerte werden auch nicht mehr als 13 Grad prognostiziert, durch das erwartete sonnige Wetter könnte aber zumindest der Asphalt etwas aufgeheizt werden. Am Donnerstag soll es dann zwar bedeckt sein, dafür klettert das Thermometer auf rund 19 Grad.

Sind die Tests für Zuschauer öffentlich zugänglich?

Die Antwort ist ja! Und der Eintritt für die Fans, die endlich die Gelegenheit haben, sich vom Sound der neuen Turbo-Motoren ein Bild zu machen, ist kostenlos. Während das Fahrerlager geschlossen ist, können Fans auf Parkplatz 1 parken, der Zugang zur Strecke ist über den oberen Kreisverkehr an der Haupttribüne möglich. Die untere Tribüne B ist geöffnet.

SAT.1 und ran.de übertragen die DTM-Rennen live und exklusiv

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