Wie sieht das Kräfteverhältnis in der DTM aus? - Bildquelle: imago images / HochZweiWie sieht das Kräfteverhältnis in der DTM aus? © imago images / HochZwei

München - Rene Rast musste lachen. Da waren sie, die berühmten Sandsäcke. Denn beim Saisonauftakt in Hockenheim haute im zweiten Qualifying BMW-Pilot Philipp Eng eine Fabelrunde raus. Seine 1:28,972 Minuten war die schnellste je von einem geschlossenen Rennwagen in Hockenheim gefahrene Runde. 

Vor allem war er damit 0,740 Sekunden schneller als der schnellste Audi. Rast war überrascht. "Vielleicht haben sie jetzt endlich die Sandsäcke ausgeladen! Oder den Motor hochgedreht", scherzte er: "Im Winter waren sie gefühlt eine Sekunde langsamer, und auf einmal eine Sekunde voraus." Im Winter, da waren die Testfahrten, und wenn Testfahrten sind, heißt es gerne: "Sandbagging." Tricksen, täuschen, tarnen, die Performance verstecken.

Nun steht die DTM vor ihrem zweiten Rennwochenende in Zolder (17. bis 19. Mai, live und exklusiv in SAT.1 und auf ran.de), und eigentlich müsste ja jetzt klar sein, wo die Reise für Audi, BMW und Aston Martin hingeht. Oder? 

Erste Hinweise

Jein, denn Hockenheim lieferte zwar erste Hinweise, aber noch kein klares Bild. 

Unter dem Strich agieren Audi und BMW in etwa auf Augenhöhe, Samstag gewann im Regen Marco Wittmann im M4 DTM, am Sonntag feierte Audi einen Dreifachsieg. 110 Punkte hat Audi nach zwei Rennen, 93 BMW. Aston Martin fällt mit neun Zählern erwartungsgemäß ab, hat aber bewiesen, dass man in der Lage ist, Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten. 

BMW überzeugt auf einer schnellen Runde, Audi hat im Rennen das Reifenmanagement etwas besser im Griff. Rast: "Wir waren eigentlich zuversichtlich, dass wir im Quali gut sind und eher im Rennen die Probleme haben. Jetzt war es ein bisschen anders herum. Es ist eine kleine Wundertüte und schwer, jetzt über eine Vormachtstellung zu sprechen." 

Denn in der DTM ist ja bekanntlich vieles neu: Knackpunkt ist der neue Vierzylinder-Turbomotor mit seinen Herausforderungen, den Vibrationen, die für mehr technische Probleme sorgen, daneben für einen höheren Reifenabbau auf der Hinterachse. Wer mit den Pneus am besten umgehen kann, sie so gut es geht schonen kann, kann im Rennen nachlegen, wenn es darauf ankommt.

"Mit frischen Reifen lässt sich das Auto auf einer Qualifying-Runde gut fahren. Am Ende ist es aber ein wirklicher Kampf mit dem Auto und den Reifen. Man versucht zu überleben und das Auto nicht ins Kiesbett zu setzen", beschreibt Rast das Gefühl im Auto. Teilweise beträgt der Drop, also der Performanceverlust des Reifens, von einer Runde auf die andere vier Sekunden. Handling und Timing sind also ganz entscheidend.

Andere Strecke, andere Charakteristik

Hinzu kommt: Hockenheim ist eine Momentaufnahme, Zolder eine ganz andere Strecke mit einer ganz eigenen Charakteristik. Und dazu Neuland für viele Fahrer. Rast nennt es „eine Reise ins Ungewisse", vor der er Respekt habe. "Keiner von uns kann so richtig einschätzen, wie sich Zolder mit einem DTM-Auto fahren lässt." Sein Audi-Kollege Robin Frijns nennt Zolder "Mini-Nordschleife – ein kleiner Fehler, und du hängst in der Mauer." Im Gegensatz zu Hockenheim wird der Reifen in Zolder nicht so sehr belastet, dafür aber die Bremsen.

Heißt: Viele Faktoren werden am Wochenende eine Rolle spielen.

BMW-Star Timo Glock stellt klar: "Wir lernen immer noch mit den Autos, weil wir vorher nicht so viel Testzeit hatten, die Lernkurve ist immer noch da." Er betont: "Wir müssen noch zwei, drei Rennen abwarten, um ein klareres Bild zu haben."

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