- Bildquelle: BMW © BMW

München - Gerüchte gab es in den vergangenen Jahren immer wieder, doch am Donnerstagabend verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Jens Marquardt verliert seinen Posten als BMW-Motorsportdirektor. Am Freitag-Nachmittag wurde das dann offiziell von den Münchnern bestätigt. Doch war es Marquardts Entscheidung, nach zehn Jahren eine neue Herausforderung zu suchen oder wurde der 53-Jährige wegen mangelnder Erfolge aus dem Amt befördert?

"Es war meine Entscheidung, die vom ganzen Management unterstützt wurde", antwortet Marquardt, der 25 Jahre lang im Motorsport tätig war. "Die Entscheidung habe ich schon vor einiger Zeit mit meiner Familie besprochen und getroffen. Sie mussten in den vergangenen zehn Jahren sehr tolerant sein. Meine 13-jährige Tochter hat mich an vielen Wochenenden nicht gesehen, auch wenn sie bei einigen Events dabei war."

Ab dem 1. November leitet Marquardt das Pilotwerk für den Prototypenbau der Serienmodelle der BMW-Gruppe - und ist damit für 700 Mitarbeiter verantwortlich. "Es fühlt sich gut an, dass ich jetzt schon zum zweiten Mal das Vertrauen unseres Managements für eine verantwortungsvolle Position ausgesprochen bekommen habe", sagt Marquardt.

"Habe eine Träne im Auge"

Das sei zwar etwas ganz anderes als der Motorsport, es gäbe aber durchaus Parallelen. "Wir produzieren nur wenige Exemplare an Autos. Daraus werden natürlich dann Tausende", verweist er auf die Verbindung zwischen Entwicklung und Produktion. "Es ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Feld."

Ob er seinem bisherigen Posten, den er Anfang 2011 als Nachfolger von Mario Theissen einnahm, nicht nachtrauert? "Ich war immer mit viel Emotionen dabei, weil ich denke, dass man den Job nicht richtig macht, wenn man das nicht ist. Daher habe ich natürlich eine Träne im Auge", gibt er zu. "Aber gleichzeitig freue ich mich sehr auf die neue Herausforderung. Ich habe ja schließlich noch etwa zwölf Arbeitsjahre vor mir."

Aber lässt nicht die Tatsache, dass Marquardts Nachfolger Markus Flasch nur als Übergangslösung präsentiert wurde, nicht darauf schließen, dass der Wechsel doch keine reine Routineaktion gewesen sein könnte?

Marquardt: Warum es der richtige Zeitpunkt ist

"Das Timing wird nicht nur von der Position diktiert, die man gerade innehat, sondern auch von der neuen Position", antwortet Marquardt. "Und diese Position benötigte einen Nachfolger, denn diese Verbindung zwischen der Produktion und der Entwicklung ist für uns sehr wichtig." Zudem haben die Umstände im Motorsport-Bereich, die durch die Coronavirus-Krise und den Ausstieg aus der DTM-Dachorganisation ITR besonders schwierig gewesen seien, zum Timing geführt.

"Wir haben eine stabile Möglichkeit für Gerhard und die DTM gefunden, um mit der Plattform weiterzumachen, was wirklich eine Herausforderung war", sagt er. "Das haben wir geschafft. Die Programme wie Formel E und GT-Rennsport sind für das nächste Jahr bereit. Dazu kommt, dass derzeit niemand weiß, wann diese instabile Situation zu Ende sein wird", verweist er auf die Pandemie.

"Wegen all dieser Einschränkungen" habe es so lange gedauert. Zudem seien die Weichen für 2021 gestellt: "Es gibt nichts, dass man jetzt entscheiden könnte, denn für nächstes Jahr ist alles ziemlich klar. Wir können uns also jetzt die Zeit nehmen, um uns neu aufzustellen." In Gesprächen mit Entwicklungsvorstand Frank Weber sei man zum Schluss gekommen, dass das Timing für einen Wechsel an der Spitze jetzt passen könnte.

Marquardt will bei DTM-Finale vor Ort sein

"Das Timing passt nie, aber wir waren der Meinung, dass es jetzt am besten passt. Markus kann vorübergehend übernehmen, da zumindest, was unsere Pläne für nächstes Jahr angeht, alles stabil ist." Besonders stolz ist Marquardt darauf, dass man eine Lösung für die DTM-Zukunft gefunden habe.

"Wir haben glaube ich was ziemlich Herausragendes erreicht. Und es war nicht einfach. Jetzt passt zum Glück alles zusammen - und jetzt passt auch der Zeitpunkt, um mit diesem neuen Unterfangen in dieser neuen Position zu beginnen", sagt Marquardt abschließend.

 

Aber ist damit das Kapitel Motorsport für ihn endgültig beendet oder wird er beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim, der das Ende der Traditionsserie als Hersteller-Plattform darstellt, vor Ort sein? "Ja, definitiv", sagt er. Um dann zu ergänzen: "Natürlich nur, wenn es die Umstände ermöglichen, dass man auch irgendwie hinkommt, was man derzeit ja nie weiß. Aber ganz klar: Wenn es in Hinblick auf das Maßnahmen möglich ist, werde ich dort sein."

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