Naomi Schiff startet in der neuen W-Series für Deutschland. - Bildquelle: imago images / HochZweiNaomi Schiff startet in der neuen W-Series für Deutschland. © imago images / HochZwei

München/Zolder - Motorsport-Premiere am Hockenheimring: Im Rahmen des DTM-Auftakts Anfang Mai feierte die neu gegründete W-Series ihr Debüt. Erstmals gab es ein Rennen einer reinen Frauenserie. Dabei trug sich die Britin Jamie Chadwick mit ihrem Sieg in die Geschichtsbücher ein.

Für die deutsche Starterin Naomi Schiff lief es nicht ganz so erfolgreich. Im Nieselregen beim Heimrennen sprang nur Rang 14 für die 25-Jährige bei raus. "Ich bin wirklich unzufrieden mit dem Ergebnis aus Hockenheim. Es lief schlechter, als ich erwartet hatte. Die Bedingungen waren nicht auf meiner Seite. Im Trockenen war ich ganz vorne", erklärt Schiff und hofft in Zolder (die DTM-Rennen Samstag und Sonntag ab 13 Uhr live in SAT.1 und auf ran.de) auf deutlich besseres Wetter.

Schiff setzte sich bei Auswahltest gegen über 50 Kandidatinnen durch

Zu viele kleine Patzer kosteten sie am Ende ein besseres Ergebnis: "Die ersten Runden waren nicht so schlecht, ich habe ein paar Autos überholt. Aber danach habe ich ein paar Fehler gemacht, meine Reifen haben blockiert und dann ist jedes Mal wieder ein Auto durchgerutscht." 30 Minuten plus eine Runde haben die 18 Starterinnen der W-Series je Rennen Zeit, um die Plätze zu kämpfen. 

Mehr als 50 Fahrerinnen traten Anfang des Jahres zum Auswahlverfahren an, um sich ein Cockpit zu sichern. Zuerst wurde die Fitness der Damen getestet. Bei Testfahrten durften sich noch 28 Kandidaten unter Beweis stellen - am Ende schafften es Schiff und 17 Kolleginnen, sich einen Platz im Startfeld zu sichern. "Ich habe mir von Anfang an gedacht, dass ich das schaffe. Aber als ich die Mädels dann alle kennengelernt habe, habe ich festgestellt, dass das Niveau wirklich sehr hoch ist", erinnert sich die selbstbewusste Schiff, die in Belgien geboren wurde und in Südafrika aufwuchs. "Die Zeitabstände zwischen uns sind normalerweise sehr eng."

Coulthard fördert die talentierten Rennfahrerinnen

Ex-F1-Fahrer David Coulthard ist ebenso begeistert vom Potential der Fahrerinnen. Der Schotte ist einer der Mitbegründer der W-Series. "Du musst kein Mann sein, um ein erfolgreicher Rennfahrer zu sein. Wir glauben fest daran, dass Frauen und Männer auf dem selben Level wettbewerbsfähig sein können", erklärte Coulthard nachdem die W-Series ins Leben gerufen wurde.

Den Frauen fehle es oft nicht an Talent sondern nur an Förderung. "Deshalb ist eine eigene Frauenserie nötig." Beim Auftakt in Hockenheim war der ehemalige Rivale von F1-Rekordmeister Michael Schumacher live vor Ort, um sich das Premieren-Rennen anzuschauen.

Schiff und ihre Kolleginnen profitieren natürlich davon, dass eine so erfahrene Motorsportgröße sie unterstützt. "Ich nutze so oft wie möglich die Chance, mich mit David auszutauschen. Er gibt mir immer Tipps und beantwortet alle meine Fragen", schwärmt die Deutsche. Auch sie ist wie Coulthard fest davon überzeugt, dass die W-Series genau der richtige Schritt war, um Frauen im Motorsport voranzubringen: "Ich glaube, die W-Series gibt uns als Frauen etwas im Motorsport, was wir noch nie hatten: Eine eigene Plattform, auf der wir unser Talent zeigen können. Das ist eine tolle Chance für uns und unsere Karriere."

Schiffs Ziel: Ein Stammplatz in der DTM 2020

Mit 270 PS im Heck sind die 18 Damen unterwegs. Insgesamt werden rund 1,3 Millionen Euro als Preisgeld ausgeschüttet - die Siegerin bekommt allein über 440.000 Euro. Nach Zolder ist die W-Series auch an den DTM-Wochenende in Misano, am Norisring, in Assen und Brands Hatch dabei. Das Ziel, das Schiff dabei verfolgt, ist ganz klar: "Ich hoffe, dass ich dieses Jahr die W-Series in den Top 5 der Gesamtwertung beende und für nächstes Jahr einen Stammplatz in der DTM bekomme."

Ein ambitioniertes Ziel, hat die 25-Jährige doch dank Doppelbelastung einen vollen Zeitplan. "Ich gehe nächste Woche wieder arbeiten. Ich bin Teammanagerin eines GT4-Teams. Wir sind viel unterwegs, ich muss dafür eine Menge organisieren", erzählt die Teilzeit-Rennfahrerin. Viele Gelegenheiten für die Vorbereitung im Simulator bleiben da nicht.

Dass in Zolder vielleicht noch nicht gleich mit einem Sieg der Deutschen zu rechnen ist, weiß Schiff selbst - trotz ihrer eigenen hohen Ansprüche. "Ich bin eigentlich ein 'Underdog', weil ich aus dem GT-Bereich komme. Ich muss natürlich erst noch Erfahrung im Formel-Auto sammeln. Aber es macht extrem viel Spaß, diese Autos zu fahren", erzählt sie begeistert.

"Kann mir viel von Hamilton und Verstappen abgucken"

Um sich stets zu verbessern, schaut sie sich auch bei ihren Vorbildern etwas ab: "Ich bin ein großer Fan von Lewis Hamilton. Aber auch das, was Max Verstappen im Motorsport zeigt, ist sehr beeindruckend. Von den beiden kann ich mir viel abgucken und lernen."

Ob es ihr gelingen wird, eines Tages an der Seite der F1-Stars zu fahren? "Klar, die Formel 1 ist immer das Ziel. Aber ob das wirklich realistisch für mich ist, das weiß ich nicht." Erstmal gilt die volle Konzentration der W-Series - und somit dem Schaulaufen für die DTM-Teams. "Ich muss alles geben und darf meine Chance nicht vergeben."

Alessa-Luisa Naujoks

SAT.1 und ran.de übertragen die DTM-Rennen live und exklusiv.

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