Wo kommt Pascal Wehrlein unter? - Bildquelle: imago/HochZweiWo kommt Pascal Wehrlein unter? © imago/HochZwei

München - Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um nach vorne zu kommen. Alte Seile kappen, sich neu ausrichten, den Reset-Knopf drücken. Die etwas unbequemere Alternative wählen.

Pascal Wehrlein hat genau das getan. Hat sich von Mercedes getrennt. Am Ende nicht mehr wirklich überraschend. Denn die Liaison war am Ende keine glückliche mehr, für beide Seiten. Wehrleins Karriere stagnierte. Mercedes hatte Talente, auf die man mehr setzte. Eine Romanze, die nach sechs Jahren erkaltet ist. Zeit, sich nach etwas anderem umzusehen.

"Mein Vertrag mit Mercedes läuft am Ende der Saison 2018 aus, und wir haben gemeinsam entschieden, die Zusammenarbeit nicht fortzusetzen", sagte Wehrlein: "Ich sehe mich nach neuen Herausforderungen und Möglichkeiten um und spreche im Moment mit anderen Teams über ein Cockpit für die nächste Saison."

Der Knackpunkt, den man nicht auf den ersten Blick sieht: Die Mercedes-Verbindung war in den ersten Jahren Chance, am Ende aber nur noch ein Hindernis. Welches Konkurrenz-Team nimmt schon einen Fahrer mit Mercedes-Stallgeruch? Den hat Wehrlein jetzt abgeschüttelt, die Karten werden neu gemischt.

ran.de sagt, welches Blatt Wehrlein im Moment hat.

Formel 1: Das ist sein Plan A, das erklärte, das ultimative Ziel. "Dafür habe ich mit dem Motorsport angefangen. Davon träume ich, seit ich ein kleiner Junge bin. Deswegen würde ich gern zurück. Und ich weiß, dass ich den Sprung schaffen kann", sagte er.

Doch die Formel 1 ist kein Wunschkonzert, die Cockpits in der Königsklasse sind begrenzt, die Topteams sind sowieso belegt. Doch durch die Trennung von Mercedes gibt es neue Alternativen: Toro Rosso zum Beispiel. Nach dem Aufstieg von Pierre Gasly zu Red Bull ist ein Cockpit mindestens frei, im zweiten wackelt Brendon Hartley nach unbeständigen Leistungen immer noch bedenklich.

Und: Eigentlich wollte das Red-Bull-Schwesterteam in Monza die Fahrer bekanntgeben, eine Bestätigung lässt aber auch in Singapur auf sich warten. Normalerweise setzt Toro Rosso auf Fahrer aus der Nachwuchsschmiede, doch da ist momentan keiner, der sich groß aufdrängt. Auch das Ferrari-Kundenteam Haas F1 wäre theoretisch eine mögliche Anlaufstelle.

DTM: Es mag für viele eine seltsame Vorstellung sein, doch klar: Wehrlein wäre theoretisch frei für Audi und BMW, um 2019 in der DTM zu bleiben. Sollte sich der Königsklassen-Plan zerschlagen – warum nicht? Wäre "nur" die Frage, ob er in Ingolstadt oder München überhaupt ein Thema werden könnte.

Ganz grundsätzlich planen die beiden Hersteller keine großen Veränderungen. "Nach der Saison schauen wir uns an, ob und wenn wir irgendetwas ändern müssen. Ich sehe wirklich nicht den riesigen Bedarf, sondern eher ein paar Kleinigkeiten. Was der Markt im Moment hergibt oder nicht, wir haben immer einen BMW-Plan", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. Das war allerdings vor der Wehrlein-Trennung von Mercedes. Bei Audi könnte es zu einem Stühlerücken kommen, in Ingolstadt setzt man aber gerne auf den eigenen Fundus.

Es ist aber zumindest nicht komplett auszuschließen, dass sich BMW und Audi mit der Personalie befassen. Hinzu kommt: 2019 sollen auch Kundenteams Autos an den Start bringen. Gerade die benötigen Fahrer mit Erfahrung. Angeblich soll Mücke Interesse an einer Rückkehr in die Tourenwagenserie zeigen.

Da würde sich ein Kreis schließen: Mit dem Team unternahm Wehrlein seine ersten Schritte im Formelsport und fuhr für die Mannschaft aus Berlin auch im ersten DTM-Jahr, als Mücke noch Mercedes-Werksteam war.

Formel E: Als Mercedes-Fahrer wäre er sofort eine Option für den Einstieg ab Saison 6 (2019/20) gewesen. Womöglich schon für HWA, das langjährige DTM-Werksteam von Mercedes ist als "Vorhut" in der anstehenden Saison ab Dezember am Start.

Sagen wir es so: Wenn man auf der einen Seite seine große Chance auf ein Formel-E-Cockpit sieht und auf der anderen seine Entscheidung, sich zu trennen, dann könnte das ein deutlicher Hinweis darauf sein, was Wehrlein von einer Zukunft in der Formel E hält. Oder von einer Formel-E-Zukunft mit Mercedes.

IndyCar/V8-Supercars: Er hat sich vor einiger Zeit mal als großer Fan der beiden Serien geoutet und mehrmals betont, dass er sich auch dort eine Zukunft vorstellen könne. Heißt: Nicht auszuschließen, dass er den Sprung in die USA oder nach Australien wagt.

In der IndyCar-Serie absolvierte sein ehemaliger Mercedes-Teamkollege Robert Wickens 2018 sehr erfolgreich seine Rookie-Saison, ehe er sich bei einem Horrorcrash im August schwer verletzte.

Andreas Reiners

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