Sergey Sirotkin: Ein Mann für WRT?Sergey Sirotkin: Ein Mann für WRT? ©

München/Jerez - Am Ende hatte Sergey Sirotkin ein dickes Grinsen im Gesicht. Ein Audi RS 5 DTM. Tourenwagen. Rund 1000 Kilogramm Gewicht. Mehr als 500 PS. V8-Saugmotor. Eine Herausforderung. 

Für den Russen war es vor allem eine Premiere. Eine, die er sichtlich genossen hat. 

"Als Kind habe ich schon die DTM verfolgt. Daher war die Vorfreude auf den Test riesig. Selbst in einem RS 5 DTM Platz nehmen zu dürfen war einmalig", sagte der 23-Jährige, der zuletzt in der Formel 1 seinen Platz bei Williams an Robert Kubica verlor. 

Noch nicht das perfekte Gefühl

Er wurde kurzfristig und auch etwas überraschend zu den Young Driver Tests der DTM nach Jerez eingeladen. Sein Debüt sei "ganz schön tricky" gewesen, meinte er. 91 Runden drehte er insgesamt. 

"Bis zum Ende meines Stints hatte ich noch nicht ganz das perfekte Gefühl für das Auto gefunden. Bisher bin ich noch kein Rennauto gefahren, das dem RS 5 DTM nahekommt – am ehesten in der Formel 3. Die Ingenieure und die Mechaniker haben mich bestmöglich unterstützt und haben mir die Eingewöhnungszeit so gut wie möglich verkürzt."

Liegt seine Zukunft nun in der DTM? Klar ist: Mit seinem Sponsoren-Paket und den Millionen von der russischen Bank SMP ist er vor allem ein interessanter Kandidat für das Audi-Kundenteam WRT, für das er in Spanien den Test auch absolvierte. In Jerez saßen zudem der Franzose Sacha Fenestraz (19) und Jonathan Aberdein (20) aus Südafrika im von Phoenix zur Verfügung gestellten RS 5 DTM. 

Fast 1500 Kilometer mit dem neuen Auto

WRT-Teamchef Vincent Vosse will nichts ausschließen, betonte, dass man sich bei Fahrerfragen im Moment in Gesprächen befinde. "Paydriver" ist für ihn ein negativ belegtes Wort, aber unter dem Strich sind Fahrer, die Sponsoren haben, für Teams wie seines überlebenswichtig.

"Das Team braucht Partner. Das hilft uns", sagte Vosse. "Es gibt viele junge Fahrer, die vielleicht in eine andere Serie wollen oder wissen, dass sie es nicht in die Formel 1 schaffen. Die ein Jahr investieren wollen, um der nächste Rene Rast oder Mike Rockenfeller zu werden."

Sirotkin hat aber auch eine Option in der Formel 1, wie er bestätigt. Neben Pascal Wehrlein ist er im Gespräch als Simulatorfahrer bei Ferrari. Der Russe weiß: "Das ist ein sehr guter Platz, denn es umfasst drei Teams: Ferrari, Haas und Sauber. Es ist eine großartige Option."

Auch der DTM-Kader von Audi selbst steht noch nicht offiziell fest. Theoretisch könnte Sirotkin also auch dort ein Thema werden, was aber eher unwahrscheinlich ist. Bei Audi und WRT ist mit dem Kader bis rund um den Jahreswechsel zu rechnen. Die Ingolstädter gaben in Spanien zudem Andreas Bakkerud (27/Norwegen), Mattia Drudi (20/Italien), Benoît Tréluyer (42/Frankreich) und Frédéric Vervisch (32/Belgien) eine Testchance im 2018er Auto.

Den neuen Boliden für 2019 mit Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotor und mehr als 600 PS fuhren Mike Rockenfeller und Nico Müller, die rund 1457 Kilometer abspulten. DTM-Projektleiter Andreas Roos: "Mit unserem Testträger konnten wir sehr viele Punkte unseres Testprogramms abhaken. Nun werden wir die doch lange Winterpause nutzen, um die Daten auszuwerten, bis wir im März für den nächsten offiziellen DTM-Test wieder nach Jerez zurückkehren."

"Wir kommen gut voran"

In Jerez natürlich auch dabei: BMW. Die Münchner setzten die Arbeit am nach dem neuen Class-1-Reglement modifizierten BMW M4 DTM für die Saison 2019 ebenfalls fort. "Ein Schwerpunkt liegt auf dem neuen Turbomotor: Es gilt, diesen von Test zu Test besser zu verstehen und zu optimieren. Dazu haben wir die drei Tage in Jerez intensiv genutzt", sagte Marco Wittmann. 

Sein Markenkollege Bruno Spengler: "Wir kommen in der Arbeit mit dem BMW M4 DTM für die kommende Saison gut voran. Die Bedingungen waren konstant, wir konnten viele Runden fahren und sind gut durch unser geplantes Programm gekommen. Das ist sehr wichtig, da wir ja nur beschränkt Testtage zur Verfügung haben."

Parallel sucht BMW noch den sechsten und letzten Fahrer für 2019. Für den finalen Kaderplatz durften sich die Werksfahrer Mikkel Jensen und Nick Catsburg sowie Nick Yelloly und Sheldon van der Linde zeigen. Eine Entscheidung will BMW in Ruhe fällen.

Van der Linde sagte stellvertretend für seine "Young-Driver-Kollegen": "Es war ein fantastisches Erlebnis. Ein DTM-Fahrzeug ist etwas ganz anderes als das, was ich gewohnt bin. Was mir am BMW M4 DTM am meisten gefallen hat, ist die Downforce. Sie ist unglaublich, und es ist großartig, mit welchem Tempo man die Kurven anfahren kann."

Mercedes-Youngster für Aston Martin?

Mercedes gab die endgültige Abschiedsvorstellung: Das Einsatzteam HWA war mit einem Auto in Jerez, in dem die beiden Österreicher Thomas Preining (20) und Ferdinand Habsburg (21) sowie die britischen Youngster Jake Dennis (23) und Jake Hughes (24) Platz nahmen.

Es dürfte ein Test für die Formel 3 und/oder das gemeinsame DTM-Projekt mit AF Racing und R-Motorsport unter der Lizenz von Aston Martin gewesen sein. Aston Martin steigt 2019 zunächst mit zwei, mittelfristig mit vier Autos ein.

Die DTM gibt es live in SAT.1 und auf ran.de

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