- Bildquelle: AFPSIDJONATHAN NACKSTRAND © AFPSIDJONATHAN NACKSTRAND

Pyeongchang - Im Skilanglauf gehen Johannes Hösflot Kläbo schon jetzt die Gegner aus, deshalb sucht Norwegens Volksheld in spe vorsorglich nach dem größtmöglichen Kaliber: Usain Bolt, das wäre doch mal ein Duell-Partner nach Maß! "Er soll rennen - und ich laufe Ski", sagte Kläbo, schlug einen 100-m-Lauf vor, im New Yorker Central Park - darunter macht es der 21-Jährige schon nicht mehr.

Nun wäre Kläbo, der schnellste Mensch der Welt auf Langlauf-Ski, Bolt, dem schnellsten Mann der Welt in Sportschuhen, hoffnungslos unterlegen. Der 100-m-Weltrekord des Jamaikaners liegt bei 9,58 Sekunden, die (inoffizielle) Loipenbestmarke von Kläbos Landsmann Ludvig Sögnen Jensen bei 11,03. Doch sonst scheinen dem seit seinem grandiosen Sprinttriumph jüngsten Skilanglauf-Olympiasieger der Geschichte keine Grenzen gesetzt.

Das Beste aus vielen Legenden

Der gnadenlose Loipen-Dominator mit dem Lausbubengesicht ist das heißeste Ding im Langlauf seit Jahrzehnten. Eine Umfrage nach dem nächsten Superstar des Wintersports würde in Norwegen ein eindeutigeres Ergebnis bringen als die Parlamentswahlen in Nordkorea. "Johannes, Du bist einfach krass!", twitterte selbst die norwegische Premierministerin Erna Solberg nach Kläbos Goldsprint.   

Der Modellathlet aus Trondheim ist ein "best of" bisheriger Skilanglauf-Größen. Vielseitig wie Björn Dählie, mit Überraschungseffekten wie Petter Northug, mit einer Urkraft, wie sie vor ihm eigentlich nur, pardon, ein Johann Mühlegg in der Loipe gezeigt hat.

Northug gratuliert

Vor allem an Landsmann Northug, den exzentrischen Nationalhelden, erinnert Kläbo. Der Rekordweltmeister, der die Spiele in Pyeongchang wegen Formschwäche verpasst, übermittelte auch prompt seine Hochachtung. "Gratulation, Johannes, zu einer wohlverdienten Goldmedaille! Du bist überlegen!", schrieb Northug bei Twitter.

Kläbo, der schon verinnerlicht hat, wie das Prinzip von Geben und Nehmen in seiner Sportart funktioniert, nahm das Lob gerne an und gab es artig zurück: "Das ist großartig zu hören - aber unser Langlauf-König bleibt natürlich Petter."

Familien-Team Kläbo

Northugs Ausbeute von zwei olympischen Goldmedaillen dürfte Kläbo schon in Pyeongchang übertreffen. Mit Norwegens Staffel und dem Sprint-Team ist er hoher Favorit, schon am Freitag über 15 km könnte Kläbo erneut triumphieren - viermal Gold bei ein- und denselben Winterspielen hat noch kein Langläufer gewonnen.   

Kläbo - trainiert vom Großvater, vermarktet vom Vater, medial betreut vom Bruder - ist erst 21, er hat noch 15 gute Jahre vor sich. Seine Ära könnte alles in den Schatten stellen. Kurzum: Er könnte der Bolt des Wintersports werden.

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