- Bildquelle: AFPSIDMLADEN ANTONOV © AFPSIDMLADEN ANTONOV

Pyeongchang (SID) - Ted-Jan Bloemen wurde gefeiert, bevor die endgültige Wachablösung auf den Langstrecken der Eisschnellläufer überhaupt offiziell war. Reihenweise strömten die Gratulanten auf den Wahl-Kanadier ein, sie klopften ihm auf die Schultern und herzten den designierten 10.000-m-Olympiasieger, als sich der große Sven Kramer noch schweren Schrittes über das Eis quälte.

Die 10.000 m hat der 28-malige Weltmeister Kramer bei Winterspielen nie gewonnen, und er wird es wohl auch nie tun. Er brach dramatisch ein und wurde nur Sechster. Doch selbst in Bestform hätte Kramer Überflieger Bloemen kaum gestoppt.

Ausgerechnet Bloemen, geboren im niederländischen Leiderdorp, durchbrach am Donnerstag die Dominanz der Oranje-Läufer in Pyeongchang. 12:39,77 Minuten bedeuteten Gold und olympischen Rekord für den 31-Jährigen, den sie in Kanada nur "TJ Flowers" nennen.

In den Niederlanden hieß er bloß Ted-Jan - und war nicht gut genug. Der kräftige Eisschnellläufer träumte von Titeln, Rekorden und Medaillen, doch in der Ansammlung niederländischer Spitzenathleten war er nur einer von vielen. Als ein Läufer vom Format eines Sven Kramer galt er erst recht nicht. Zu den Winterspielen in Sotschi flogen andere. Also flog auch Bloemen davon.

Anfang Juni 2014 stieg er in die Maschine in Richtung Calgary in Kanada. One Way. Im Geburtsland seines Vaters Gerhard-Jan fand Bloemen eine neue sportliche Heimat - und den Weg zum Erfolg.

Aus dem vermeintlichen Läufer zweiter Klasse ist der Weltrekordhalter über 5000 m und 10.000 m geworden. Auswandern als Ausweg. Bloemen lief statt in Oranje nun im schwarzen Rennanzug Kanadas zu Gold. 

"Ich habe einfach mehr Zeit gebraucht", sagte der 5000-m-Zweite Bloemen, der seine Olympia-Premiere veredelte: "Ich habe ein Team benötigt, das mir diese Zeit gibt. In Holland habe ich es nicht gefunden." 

Für die schnelle Integration in seiner neuen Heimat tat Bloemen alles. Kanadas niederländischer Trainer Bart Schouten erleichterte zwar die Anpassung, einfach machte es sich Bloemen deshalb nicht. Niederländisch ist im Training auf Bloemens Wunsch tabu. "Als ich nach Kanada gegangen bin, wollte ich mit vollem Herzen Kanadier und Teil des Teams sein. Deshalb habe ich zu Bart gesagt: 'Wir sollten uns ausschließlich auf Englisch unterhalten.'"

Verständigungsprobleme waren auf der kanadischen Gold-Party kein Hindernis

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