Schnell und vielseitig: Gabrielle Thomas - Bildquelle: AFPGETTY SIDAL BELLOSchnell und vielseitig: Gabrielle Thomas © AFPGETTY SIDAL BELLO

Tokio (SID) - Abschluss in Havard, Studium der Epidemiologie mitten in der Corona-Pandemie, Einsatz für Benachteiligte - und ganz nebenbei ist Gabrielle "Gabby" Thomas auch noch eine der schnellsten Frauen auf diesem Planeten. Über die 200 m gilt die US-Amerikanerin als Favoritin auf Olympia-Gold, nachdem sie bei den Trials mit 21,61 Sekunden auf Platz zwei der ewigen Bestenliste gestürmt ist. Nur die sagenumwobene Florence Griffith-Joyner (21,34) war jemals schneller. 

Nach einer schillernden Saison hält Thomas sogar den Weltrekord für möglich. "Ich möchte mir keine Grenzen setzen. Also werde ich nicht sagen, dass es unerreichbar ist", sagt die selbstbewusste 24-Jährige, die vor jedem Rennen einen starken Kaffee trinken und meditieren muss. Die Konkurrenz ist zudem riesig: Gleich sechs Frauen haben in diesem Jahr schon die 22-Sekunden-Marke geknackt. 

Thomas kam durch eine ganz Große zur Leichtathletik - Allyson Felix, die in Tokio an ihren fünften Spielen teilnimmt, ist ihr Idol. Warum? "Ihre Bescheidenheit, ihre Anmut und wie gut sie ist in dem, was sie tut. Sie ist wirklich diejenige, die mich inspiriert hat", sagte Thomas vor der ersten Runde in der Nacht zu Montag (3.30 Uhr MESZ): 

Seit zwei Jahren trainiert Thomas in Austin/Texas unter Tonja Buford-Bailey, der Bronzemedaillengewinnerin über 400-m-Hürden von Atlanta 1996. Der so genannte "Bailey Bunch" ist eine der ganz wenigen Trainingsgruppen in den USA für schwarze Athletinnen, die von einer schwarzen Frau geleitet wird.

Ablenkung vom Training findet Thomas im Studium. Nach ihrem Abschluss in Neurobiologie und Global Health in Harvard, macht sie derzeit ihren Master in Epidemiologie in Austin. Zudem arbeitet sie als Freiwillige in einem Krankenhaus, in dem Menschen ohne Krankenversicherung behandelt werden.  

Wie schnell das Schicksal zuschlagen kann, erlebte Thomas im Frühjahr, als bei ihr ein Tumor an der Leber entdeckt wurde - zum Glück gutartig. "Ich erinnere mich, dass ich Gott sagte: 'Wenn ich gesund bin, gehe ich raus und gewinne die Trials'"; sagte sie: "Wenn das kein Krebs ist, werde ich es in dieses Team schaffen. Und genau das habe ich getan. Ich bin wirklich dankbar."

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