Das Skigebiet in Yanqing - Bildquelle: AFP/SID/FRANCOIS-XAVIER MARITDas Skigebiet in Yanqing © AFP/SID/FRANCOIS-XAVIER MARIT

Peking (SID) - Die Organisatoren versprechen klimafreundliche Winterspiele in Peking. Doch die Umweltsünden im Zusammenhang mit dem Großevent sind eklatant. Wie nachhaltig werden die Wettkämpfe im Reich der Mitte?

Peking (SID) Beim Flug über das Skigebiet in Yanqing kommt nur wenig Wintersport-Romantik auf. Graue Berge, kaum Schnee - nur ein schmales weißes Band zieht sich durch die Landschaft. Unzählige Kanonen sorgen für tonnenweise künstlichen Schnee und dafür, dass die olympischen Alpin-Wettbewerbe ausgetragen werden können. Experten haben aber längst weitere Umweltsünden der chinesischen Gastgeber ausgemacht.

"Diese Winterspiele werden die unnachhaltigsten Spiele aller Zeiten sein", mutmaßt die Geografieprofessorin Carmen de Jong von der Uni Straßburg im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Es sei einfach "zu viel im Spiel, was Wasser angeht, Bodenverlust, CO2-Ausstoß und so weiter".

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht das anders. Es sollen "grüne, offene und saubere" Winterspiele werden, heißt es in einem Nachhaltigkeitskonzept aus dem Mai 2020. Insgesamt plant das IOC mit Gesamtemissionen von rund 1,3 Millionen Tonnen CO2 für das Event. Der Hauptanteil soll sich aus den errichteten Wettkampfstätten und dem Verkehr zusammensetzen.

Dabei rücken die chinesischen Organisatoren die umweltfreundlichen Aspekte der Spiele in den Fokus. So soll der Individualverkehr zu den Sportstätten weitestgehend mit Elektro- oder wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen bewältigt werden. Die bei den Wettkämpfen verwendete Energie komme zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen, es werde kein Grundwasser für die Schneeproduktion genutzt. Auch die Wiederverwendung von Olympia-Bauten der Sommerspiele 2008 gehört zum Konzept.

"Dass das Thema Nachhaltigkeit im Fokus steht, ist zunächst einmal positiv zu sehen. Jedoch ist es aus meiner Sicht der falsche Ansatz, einen per se großen und negativen Fußabdruck nachträglich oder über Ausgleichsmaßnahmen zu reduzieren", sagt Stefan Wagner von der Initiative "Sports for Future". Die Spiele in Peking blieben trotz der Bemühungen im Kern umweltschädlich.

Olympische Spiele, betont Wagner, "sollten dort stattfinden, wo gravierende Eingriffe in die Natur und in die Infrastruktur nicht nötig sind". Das Skizentrum in Yanqing wurde dagegen komplett neu errichtet, Teile eines Naturschutzgebietes mussten weichen. "Dort wurde großflächig entwaldet, Böden und Vegetation wurden vernichtet", sagt de Jong.

Für das IOC gewinnt das Thema an Bedeutung. Ab 2030 müssen alle Spiele klimapositiv abgehalten werden. Die Organisatoren von Paris 2024 haben sich diesem Ziel bereits verpflichtet. Die Macher wissen, dass sie in Zeiten globaler Erwärmung das Thema offensiv angehen müssen, um kein Imageproblem zu bekommen.

Zum Konzept gehört dabei auch die Aufforstung eines "Olympischen Waldes" in Mali und im Senegal, der mit insgesamt 335.000 Bäumen voraussichtlich rund 200.000 Tonnen CO2 binden soll. "Der Klimawandel ist eine unserer größten Prioritäten, und wir fühlen uns verpflichtet, unsere Emissionen auf Grundlage des Übereinkommens von Paris zu reduzieren", sagte IOC-Präsident Thomas Bach im Sommer.

Kritiker bemängeln jedoch das "Greenwashing". Das IOC oder im Fußball die FIFA und UEFA würden sich mit Kompensationszahlungen "freikaufen", die Events an sich aber klimaschädlich bleiben.

Die Winterspiele und die dadurch eigens errichteten Skigebiete sollen laut den chinesischen Organisatoren den noch lahmenden Ski-Tourismus im Reich der Mitte anregen. Solcher Maßnahmen bedarf es für die nächsten Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo nicht: Dort gibt es bereits ein Skigebiet, Infrastruktur und vor allem - Naturschnee.

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