Das anhaltende Protest-Verbot wird scharf kritisiert - Bildquelle: AFPSIDYUKI IWAMURADas anhaltende Protest-Verbot wird scharf kritisiert © AFPSIDYUKI IWAMURA

Berlin (SID) - Das Protest-Verbot auf dem Siegerpodium der Olympischen Spiele hat für scharfe Kritik aus Politik und Sport gesorgt. "Diese Haltung ist alles andere als zeitgemäß, überrascht aber wohl niemanden", sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, auf SID-Anfrage: "Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, dass sich die Anzahl von Athletenvertretungen, die völlig unabhängig von ihren Dachorganisationen agieren, weltweit erhöht." 

Am Mittwoch hatte sich die Athleten-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für das in der Regel 50 des Olympischen Charta festgelegte Verbot stark gemacht. Bei einer Befragung hatte sich eine Mehrheit von Athlet*innen aus 185 Ländern und 41 Sportarten dafür ausgesprochen. Vom unabhängigen Verein Athleten Deutschland gab es Kritik. 

"Der Bericht verdeutlicht, dass das IOC dem Erhalt der 'politischen Neutralität' höheren Wert beimisst als den grundlegenden Rechten einzelner Athletinnen und Athleten. Als Organisation, die sich für eben diese Rechte einsetzt, fällt unsere Bewertung anders aus", sagte Geschäftsführer Johannes Herber in einem Statement am Donnerstag.

Der Bericht der IOC-Kommission forderte auch vom IOC, dass es bei Olympia mehr Möglichkeiten zu Meinungsäußerungen geben solle. Das könnte ein "Moment der Solidarität gegen Diskriminierung" bei der Eröffnungsfeier sein. Außerdem könnte es den Athlet*innen gestattet werden, Ausrüstung und Kleidung mit Slogans wie Frieden, Respekt, Solidarität, Inklusion oder Gleichheit zu tragen. 

Auch der olympische Eid könne mit Hinweisen für Inklusion und gegen Diskriminierung versehen werden, hieß es in dem Bericht. Zudem wurde die Schaffung eines speziellen Bereichs im olympischen Dorf für Demonstrationen für Werte vorgeschlagen, die im Einklang mit der Olympischen Charta stehen. Laut Athleten Deutschland gingen die Empfehlungen der Kommission jedoch am "Kernproblem der pauschalen und weitgehenden Einschränkung der Meinungsfreiheit bei Sportwettbewerben vorbei".

Der Bericht sprach sich auch für mehr Klarheit bei Sanktionen aus, die Sportler*innen drohen, die bei Olympia in verbotenen Bereichen demonstrieren. Generell forderten die befragten Athlet*innen eine genauere Klärung darüber, was ein politischer Protest ist und was nicht. Athleten Deutschland begrüßte dies. "Wir regen an, einem Regelverstoß keine sportlichen Sanktionen folgen zu lassen", hieß es in dem Statement. Zudem solle der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Rolle bei der Sanktionspraxis klären.

In der Regel 50 ist festgelegt, dass jegliche "politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda" bei Olympischen Spielen nicht gestattet sei. In den vergangenen Monaten ist der Druck auf das IOC jedoch gestiegen, Lockerungen zuzulassen. Ein Grund dafür war der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA, viele Athlet*innen wollen ihre Ablehnung gegen solche Form der Gewalt auch bei Olympia zeigen.

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