Die Winterspiele stehen weiterhin in der Kritik - Bildquelle: AFP/SID/JADE GAODie Winterspiele stehen weiterhin in der Kritik © AFP/SID/JADE GAO

Köln (SID) - 243 Nichtregierungsorganisationen haben die Regierungen der an den Olympischen Winterspielen in Peking (4. bis 20. Februar) teilnehmenden Länder zu einem diplomatischen Boykott aufgefordert. Gleichzeitig kritisierten die Gruppen das Internationale Olympische Komitee (IOC) scharf für seinen Umgang mit der chinesischen Regierung, der schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

"Olympische Spiele können keine 'positive Kraft' entfalten, wie das Internationale Olympische Komitee behauptet, wenn die Regierung des Gastgeberlandes schwere Verbrechen begeht und gegen internationales Recht verstößt", sagte Sophie Richardson, China-Direktorin bei Human Rights Watch. 

Chinas Regierung steht unter anderem in der Kritik, da sie Minderheiten wie die Uiguren und Tibeter unterdrückt und die Meinungsfreiheit stark beschneidet. Länder wie die USA, Großbritannien oder Kanada haben bereits einen diplomatischen Boykott angekündigt. Deutschland hat einen solchen bislang nicht offiziell erklärt. Jedoch haben zahlreiche hochrangige Regierungsmitglieder mitgeteilt, dass sie nicht nach China reisen werden.

"Wir fordern die Regierungen auf, sich mit inhaftierten Menschenrechtsverteidiger*innen zu solidarisieren, die einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie sich für Reformen einsetzen, die Rechte anderer verteidigen oder einfach nur darüber diskutieren, wie die Zivilgesellschaft in China gestärkt werden kann", sagte Sharon Hom, Geschäftsführerin von Human Rights in China.

Das IOC und Präsident Thomas Bach sei laut Ansicht der Gruppen seiner "Verantwortung im Rahmen der Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte nicht nachgekommen". Es habe trotz der Menschenrechtsverletzungen "keine entsprechende Sorgfaltsprüfung" gegeben. Zudem habe sich Bach an einer "Propagandakampagne" Chinas beteiligt, "um die Anschuldigungen der dreimaligen Olympiateilnehmerin Peng Shuai wegen sexueller Übergriffe zu beschönigen".

Das IOC behaupte, "Sport und Politik würden nicht vermischt, aber die chinesische Regierung hat bereits die Olympischen Spiele 2008 in Peking für ihre politischen Interessen benutzt", sagte Bhuchung K. Tsering, Interimspräsident der International Campaign for Tibet. Omer Kanat, Geschäftsführer des Uyghur Human Rights Project, fügte hinzu: "Auch spektakuläre Olympische Spiele können nicht über Völkermord hinwegtäuschen."

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