Tokio - Als er am Ziel seiner Träume angelangt war, fiel Alexander Zverev wie in Zeitlupe auf die Knie und schlug ergriffen die Hände vors Gesicht. Dann schossen ihm Siegertränen in die Augen. Mit der Nervenstärke und Dominanz eines Champions erklomm der Hamburger den Tennis-Olymp, als erster Deutscher holte er Gold im Männer-Einzel. Durch das 6:3, 6:1 im Finale gegen Karen Khachanov (ROC) bescherte er "Team D" zudem den vierten Olympiasieg in Tokio.

"Ich habe früher von Teilnahme an Grand-Slam-Turnieren oder Olympischen Spielen geträumt. Aber nicht davon, Olympiasieger zu werden. Und jetzt habe ich Gold um den Nacken hängen. Ich kann dieses Gefühl gar nicht beschreiben", sagte ein sichtlich bewegter Zverev nach der Siegerehrung.

Nach dem sensationellen Halbfinalerfolg über den großen Topfavoriten Novak Djokovic schenkte der Weltranglistenfünfte dem deutschen Tennis die nächste Sternstunde. Als einzige Deutsche hatte zuvor Steffi Graf 1988 in Seoul Einzel-Gold gewonnen, im Männer-Einzel übertrumpfte er Tommy Haas' Silbermedaille 2000 in Sydney.

Frühes Break ebnet den Weg zu Gold

Der 24-Jährige war als großer Favorit in den Showdown um Gold gegangen - doch dass dies kein Match wie jedes andere war, ließ er sogar seine Liebsten spüren. "Er hat gestern unsere Eltern angerufen und gesagt, dass er das Handy ausmacht und sich nach dem Finale wieder meldet", erzählte sein Bruder Mischa bei "Eurosport": "Er macht normalerweise nie das Handy aus und das zeigt auch, wie wichtig ihm das Finale ist."

Mit einem breiten Lächeln und demonstrativ locker betrat Zverev dann den Centre Court im Ariake Tennis Park - diesmal sollte alles anders werden als noch bei seinem letzten großen Finale, als der Druck zu groß wurde. Im vergangenen Jahr schrammte er trotz 2:0-Satzführung bei den US Open an seinem ersten Grand-Slam-Titel vorbei. An dieser Enttäuschung hatte er lange zu knabbern, doch sie regte seinen Hunger nach großen Siegen nur noch mehr an.

Und das merkte auch Khachanov direkt. Zverev nahm die Bälle früh und zwang den Weltranglisten-25., gegen den er die vergangenen beiden Duelle glatt verloren hatte, mit druckvollen Schlägen regelrecht zu Fehlern und belohnte sich mit dem frühen Break zum 2:1. Zwar war der Aufschlag zunächst nicht ganz so dominant wie die Runden zuvor, doch nach 43 Minuten brachte er Satz eins mit einem weiteren Break sicher ins Ziel.

Halbfinal-Triumph gegen Djokovic sorgte für Begeisterung

Selbst bei Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker hatte Zverev nach seinem fulminanten Sieg gegen den Weltranglistenersten Djokovic, dessen Träume vom Golden Slam er zerstörte, riesige Begeisterung ausgelöst. Als "Teufelskerl" bezeichnete er ihn in einer Grußbotschaft via "Eurosport" und gab vor: "Jetzt hol Gold für Deutschland nach Hause!" 

Hochfokussiert führte Zverev diesen Auftrag im zweiten Satz fort. "Sascha ist auf einer Mission", sagte sein Bruder Mischa. Auch Khachanov wirkte beeindruckt, und die deutsche Nummer eins packte erbarmungslos zu. Mit einem krachenden Rückhandwinner nahm Zverev dem Russen erneut den Aufschlag ab, begleitet von einem gewaltigen Jubelschrei. Die Weichen waren endgültig auf Sieg gestellt, mit großer Wucht und viel Herz ließ er nichts mehr anbrennen.

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