In einem knappen Rennen setzte sich der DKV-Vierer durch. - Bildquelle: GettyIn einem knappen Rennen setzte sich der DKV-Vierer durch. © Getty

Tokio - Ronald Rauhe sprang als erster aus dem Gold-Boot auf den Steg, dann drückte er jeden seiner Teamkollegen ganz fest an sich und fiel schließlich übermannt von seinen Emotionen auf die Knie.

Der Kajak-Vierer der Männer hat im letzten Wettkampf der Olympischen Spiele doch noch das ersehnte erste Gold der deutschen Rennsport-Kanuten geholt. "Schon als ich gesehen habe, dass wir vorne sind, haben mich die Emotionen überrannt", sagte Rauhe.

Gold im letzten Rennen für Rauhe

Für den 39-Jährigen war es im letzten Rennen seiner Karriere seine fünfte Olympiamedaille und die zweite goldene nach dem Zweier-Triumph 2004 in Athen. "Dafür habe ich eineinhalb Jahre länger gearbeitet. Ich hätte mir nichts anderes erträumen können. Das macht es mir leicht, meine Karriere zu beenden", sagte er. Als Krönung darf Rauhe am Sonntag die deutsche Fahne bei der Schlussfeier ins Olympiastadion tragen.

In einem Kopf-an-Kopf-Rennen verwiesen Schlagmann Max Rendschmidt, Routinier Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke den Rivalen Spanien knapp auf Rang zwei. "Das war die beste Leistung der letzten fünf Jahre", sagte der leitende Bundestrainer Arndt Hanisch. Rendschmidt und Liebscher hatten schon 2016 in Rio mit dem Vierer Gold geholt.

Weil die übrigen DKV-Boote am Samstag jedoch komplett leer ausgingen und der dreimalige Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel sogar im Halbfinale scheiterte, fällt die Bilanz mit drei Medaillen (1-1-1) insgesamt mäßig aus.

Kanuten mit mäßiger Bilanz

"Wir müssen zugeben, dass wir mit einer anderen Erwartungshaltung hergekommen sind. Mir macht es Sorgen, dass der Abstand zur Weltspitze außer im Kajak größer geworden ist", sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko. 2016 in Rio hatten die Rennkanuten noch viermal Gold geholt.

Zumindest der Vierer wurde seiner Favoritenrolle aber gerecht - und das sogar im Ersatzboot. Das eigentliche Boot war beim Verladen in Luxemburg von einem Gabelstaplerführer gerammt worden, der Ersatz kam aber rechtzeitig in Tokio an. Der Vierer der Frauen musste sich dagegen mit Rang fünf begnügen, erstmals seit 1988 verpasste das deutsche Quartett den Sprung auf das Podest.

Enttäuschung für Brendel

Eine Enttäuschung erlebte auch Brendel. Der dreimalige Canadier-Olympiasieger schaffte es auf seiner Paradestrecke über 1000 m bei schwierigen Bedingungen nicht ins Finale, im B-Lauf wurde er Zweiter. "Es war nicht einfach für mich. Ich habe gemerkt, dass ich mit den Besten nicht mithalten kann", sagte der 33-Jährige, der 2012 und 2016 auf dieser Strecke Gold gewonnen hatte.

Der Berliner Conrad Scheibner schaffte es anders als Brendel ins A-Finale und wurde Sechster. Lisa Jahn und Sophie Koch kamen im ersten Canadier-Rennen der Olympia-Geschichte für Frauen auf einen sehr guten vierten Platz. Zuvor hatten nur Brendel und Tim Hecker mit Bronze im Zweier sowie Max Hoff/Jacob Schopf mit Silber den Sprung auf das Podest geschafft.

Ziel des DKV waren eigentlich sechs Medaillen im Rennsportbereich. "Wir haben Fehler gemacht, die wir analysieren müssen", sagte Konietzko. Weil die Slalomkanutinnen und -kanuten um Olympiasiegerin Ricarda Funk in allen vier Rennen auf das Podest gepaddelt waren, fiel die Bilanz insgesamt dennoch positiv aus.

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