John Carlos - Bildquelle: AFPSIDRONALDO SCHEMIDTJohn Carlos © AFPSIDRONALDO SCHEMIDT

Köln (SID) - Nach der weltweiten Sportlervereinigung Global Athlete hat nun auch der Athletenbeirat des US-amerikanischen olympischen und paralympischen Komitees (USOPC AAC) mit Unterstützung des berühmten schwarzen Protestlers John Carlos die sofortige Abschaffung der Regel 50 der Olympischen Charta gefordert. Der Beirat veröffentlichte am Samstag einen Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC).

In der Regel 50 ist festgelegt, dass jegliche "politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda" bei den Spielen nicht gestattet sei. Schon mehrfach wurden Sportler für politische Äußerungen bei Olympia sanktioniert. So auch Carlos (75), der 1968 in Mexiko-Stadt bei der Siegerehrung gemeinsam mit seinem US-Teamkollegen Tommie Smith die Black-Power-Faust gezeigt hatte und ausgeschlossen worden war.

"Sportler werden nicht länger zum Schweigen gebracht", hieß es in der Mitteilung. Und weiter: "Wir stehen am Scheideweg. Das IOC und das IPC können den Weg der Bestrafung oder des Ausschlusses von Athleten, die sich für das einsetzen, woran sie glauben, nicht fortsetzen." Sechs Beiratsmitglieder und Carlos unterzeichneten das Papier.

Zuletzt hatte bereits Global Athlete einen Vorstoß gewagt. "Es ist Zeit für Veränderungen. Jedem Athleten muss es erlaubt sein, seine Plattformen, Gesten oder die Stimme einzusetzen", schrieb die Vereinigung Mitte Juni in einem Statement. Die Regeln stellen aus ihrer Sicht "eine klare Verletzung der Menschenrechte eines jeden Athleten dar".

Vor allem von Athleten in den USA war der Druck nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd gestiegen, das Nationale Olympische Komitee kündigte ein mögliches Umdenken an. IOC-Präsident Thomas Bach wollte politische Proteste bei Olympischen Spielen daraufhin nicht mehr definitiv ausschließen. Mitglieder der IOC-Athletenkommission sollen mit weiteren Athleten darüber diskutieren, wie mögliche Bekundungen aussehen könnten.

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