Hörmann kann die WADA-Entscheidung nicht nachvollziehen - Bildquelle: AFPSIDJOHN MACDOUGALLHörmann kann die WADA-Entscheidung nicht nachvollziehen © AFPSIDJOHN MACDOUGALL

Köln (SID) - DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat die Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) kritisiert, die russische Agentur RUSADA wegen deren jüngsten Fristverletzung nicht zu sanktionieren. "Selbst unter Berücksichtigung, dass es eine hochkomplexe Thematik und sicher nicht einfach ist, fällt es schwer, die aktuelle Entscheidung gegenüber Athletinnen und Athleten, aber auch der gesamten Öffentlichkeit zu vertreten und ein solches Vorgehen der WADA für Sportdeutschland zu akzeptieren", erklärte Hörmann.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes kritisierte auch die komplette Vorgehensweise der WADA, die die RUSADA trotz nicht erfüllter Auflagen wieder anerkannt hatte. Die "ganze Geschichte um die vorzeitige Wiederzulassung der RUSADA und die Nicht-Erfüllung der dafür notwendigen Bedingungen" habe nicht dazu beigetragen, sagte Hörmann, "das Vertrauen in die WADA und in den weltweiten Anti-Doping-Kampf zu stärken."

Die RUSADA hatte es nicht geschafft, Inspekteuren der WADA bis zum 31. Dezember Zugang zu den Daten aus dem sogenannten Laboratory Information Management Systems (LIMS) des Moskauer Kontrolllabors zu verschaffen. Das war aber Voraussetzung dafür, dass die WADA im vergangenen September die Suspendierung gegen die RUSADA aufgehoben hatte. Mittlerweile hat die WADA die Daten erhalten, ob sie authentisch sind, wird derzeit geprüft.

"Mehrere Mitglieder unseres Exekutivkomitees haben ihre Enttäuschung darüber geäußert, dass die Frist nicht eingehalten wurde, jedoch darin übereingestimmt, dass diesbezüglich keine Sanktionen verhängt werden sollten", hatte WADA-Präsident Craig Reedie am Dienstag nach der Exekutiv-Sitzung gesagt: "Wir wollen vor allem sicherstellen, dass Betrüger zur Rechenschaft gezogen werden. Ich hoffe, dass die Athleten und andere sehen, dass wir diesbezüglich gute Fortschritte machen."

Der riesige Datensatz aus Moskau, laut WADA über 20 Terabyte groß, ist bei der Aufklärung des russischen Dopingskandals von grundlegender Bedeutung. Darin enthalten sind alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015. In diesem Zeitraum sollen systematisch positive Tests vertuscht worden sein. Mit den Daten sollen individuelle Verfahren gegen russische Athleten möglich sein. Experten halten es für möglich, dass aus den etwa 9000 Proben bis zu 600 Fälle resultieren könnten.

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