Bach: Olympia darf keine politische Plattform sein - Bildquelle: AFPSIDDANIEL LEAL-OLIVASBach: Olympia darf keine politische Plattform sein © AFPSIDDANIEL LEAL-OLIVAS

Lausanne - IOC-Präsident Thomas Bach hat die neuen Richtlinien für politische Meinungsäußerungen bei Olympischen Spielen verteidigt. "Die Olympischen Spiele sind eine globale Plattform für Athleten und ihre sportlichen Leistungen", sagte Bach am Freitag in Lausanne: "Sie sind keine Plattform und dürfen niemals eine Plattform werden, um politische oder andere potenziell spaltende Ziele voranzutreiben. Wenn die politische Neutralität nicht respektiert wird, dann werden die Olympischen Spiele die Welt spalten, und nicht vereinigen."

Nach den am Donnerstag veröffentlichten Leitlinien zur Regel 50 der Olympischen Charta sind Proteste und Demonstrationen unter anderem an allen olympischen Wettkampfstätten inklusive des Olympischen Dorfes, während der Medaillenzeremonien und während der Eröffnungs- und Schlussfeier untersagt. Dazu gehören explizit das Zeigen von politischen Botschaften, politische Gesten wie das Knien oder Verstöße gegen das Protokoll bei Siegerehrungen. 

Vorfälle bei Schwimm-WM und Panamerikanischen Spielen

Athleten ist dagegen erlaubt, ihre politische Meinung während Pressekonferenzen und Interviews, in Teambesprechungen, in digitalen und traditionellen Medien sowie Sozialen Netzwerken zu äußern.

Zuletzt hatten mehrere Sportler mit ihrem Verhalten für Aufmerksamkeit gesorgt. So hatten sich bei der Schwimm-WM im vergangenen Jahr der Australier Mack Horton und der Brite Duncan Scott bei der Medaillenvergabe geweigert, dem unter Dopingverdacht stehenden chinesischen Sieger Sun Yang zu gratulieren und für das Siegerfoto auf dem Podest zu posieren. 

Bei den Panamerikanischen Spielen hatte der US-Fechter Race Imboden bei der Siegerehrung gekniet und sich damit dem Protest des ehemaligen NFL-Quarterbacks Colin Kaepernick gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit in den USA angeschlossen.

Vereinigung Athleten Deutschland übt Kritik

Kritik gab es von der Vereinigung Athleten Deutschland. "Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein wertvolles Gut, dessen Einschränkung nur aus schwerwiegenden Gründen akzeptiert werden kann", hieß es in einer Stellungnahme: "Wir bezweifeln, dass der Verweis des IOC auf die Wahrung der politischen Neutralität des Sports ausreicht, um ein Verbot von politischen Protesten zu rechtfertigen."

Der Verein betrachte es als vergebene Chance, Athleten in diesen Momenten die Möglichkeit zu nehmen, gesellschaftliche Veränderungen anzuregen und ihre Fans auch in dieser Hinsicht zu inspirieren. 

"Wir teilen die Ansicht des IOC, dass Athlet*innen die Olympischen Spiele ohne spaltende Disruptionen ("divisive disruptions") erleben sollten. Insofern Proteste friedlich und respektvoll durchgeführt würden, wäre dies gewährleistet", hieß es weiter: "Wir glauben, dass echte Einheit und Verständigung nicht entstehen, indem der Dialog über kulturelle Unterschiede und politische Auffassungen unterdrückt wird."

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