Äußert sich kritisch über WADA-Urteil: Michael Lehner - Bildquelle: AFPSIDFABRICE COFFRINIÄußert sich kritisch über WADA-Urteil: Michael Lehner © AFPSIDFABRICE COFFRINI

Berlin (SID) - Sportrechtsexperte Michael Lehner hat sich kritisch zur verhängten Vierjahressperre gegen Russland durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) geäußert. "Ich halte das Urteil für sehr schwierig. Ob das in der Abwägung zwischen Individualschuld und Globalschuld wirklich gerecht und angemessen ist, wage ich zu bezweifeln", sagte der Jurist dem SID.

Auch ob es den Anti-Doping-Kampf vorwärts bringe, halte er für zweifelhaft. Die WADA habe in den letzten Jahren selbst nie sehr geglänzt im Anti-Doping-Kampf. "Für mich hat das Ganze ein bisschen den Eindruck, dass man den maximalen Bestrafungs-Hammer herausholt, damit man gut dasteht", sagte Lehner.

Sollte Russland vor den CAS ziehen, rechnet Lehner nicht mit einer schnellen Entscheidung. Auch das Zeitfenster zu den Olympischen Spielen in Tokio (24. Juli bis 9. August) hält er für knapp bemessen. "Das ist eine verdammt kurze Zeit. Ein halbes Jahr beim CAS ist gar nichts", sagte er.

Derweil rät er den Russen den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof. "Russland sollte unbedingt den CAS anrufen, weil es auch für künftige Handhabungen einer Rechtssicherheit bedarf. Die kriegen wir im Schiedsgerichtssystem der internationalen Sportgerichtsbarkeit nur über den CAS", sagte er.

Russland darf nach dem WADA-Beschluss von Montag als Nation unter anderem nicht an den beiden kommenden Olympischen Spielen in Tokio 2020 und Peking 2022 sowie der Fußball-WM in Katar 2022 teilnehmen. Die Sanktionen umfassen einen ganzen Strafenkatalog, russische Sportler dürfen aber an sportlichen Großereignissen unter bestimmten Voraussetzungen als "neutrale Athleten" teilnehmen. Russland hat drei Wochen Zeit, Einspruch gegen das WADA-Urteil einzulegen. Dann würde der CAS eine Entscheidung fällen.

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