OLYMPIA LIVE UND KOSTENLOS AUF JOYN STREAMEN
Joshua Tasches langer Weg zu Olympia 2026: Über Rugby zum Bob-Anschieber
- Veröffentlicht: 20.02.2026
- 20:54 Uhr
- Philipp Kubiessa, Magdalena Stocker
Bob-Anschieber Joshua Tasche spricht im ran-Interview über seinen langen Olympia-Traum, Manuel Wilhelm, den Wechsel zum Bobsport – und die wichtigsten Pins im Olympischen Dorf.
Von den Olympischen Spielen berichten Philipp Kubiessa und Magdalena Stocker
Joshua Tasche steht kurz vor dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere: Dem Olympischen Viererbob-Rennen im Cortina Sliding Center. Doch der Weg dorthin war alles andere als geradlinig.
Im ran-Interview spricht der 30-Jährige über seinen Werdegang, der ihn über das Rugby-Feld zu Olympia führte, und sein Dasein als Pin-Trader im Olympischen Dorf.
ran: Sie haben als Kind Fußball gespielt, dann Leichtathletik, Rugby – und jetzt sind Sie Bob-Anschieber bei Olympia. Wie kam das alles zusammen?
Tasche: Ich glaube, wie jeder kleine Junge in Deutschland war natürlich Fußball das riesige Thema. Das habe ich viele Jahre gemacht, bis ich 16 war – dann habe ich aufgrund von Verletzungen aufgehört. Durch einen Schulwettkampf bin ich dann zur Leichtathletik gekommen. Drei Jahre habe ich das sehr ambitioniert betrieben. Ich habe nie den Sprung international geschafft, aber habe ab diesem Zeitpunkt gesagt: Ich will unbedingt zu den Olympischen Spielen. Mein Vater ist Jamaikaner, Usain Bolt war damals ein riesiges Vorbild für mich. Olympia ist mein Kindheitstraum.
ran: Und dann kam Rugby – und ran-Experte Manuel Wilhelm...
Tasche: Ich habe damals über einen Freund mit dem Rugbyspielen angefangen und mich dann über die Deutschen Meisterschaften empfehlen können. Da kam Manuel Wilhelm auf mich zu und hat gesagt: "Wir sehen Talent – und wenn du richtig Gas geben willst, komm nach Heidelberg.” Das habe ich dann auch relativ zeitnah gemacht. Ich bin hingezogen, habe dort mit den Jungs aus der 7er-Nationalmannschaft jeden Tag zusammen trainiert.
Joshua Tasche: Vom Rugby zum Bob-Anschieber
ran: Die Corona-Pandemie beendete dann die Rugby-Karriere...
Tasche: Corona war für mich eine schwierige Situation. Ich war 25, meine Entwicklung im Rugby stagnierte, und mir wurde gesagt, die Station Rugby ist wahrscheinlich vorbei. Ich habe mich damit schnell abgefunden, aber trotzdem gesagt: Mein großer Traum Olympia ist noch nicht vorbei. Dann habe ich mein Handy in die Hand genommen und den Anschieber Marc Rademacher angerufen und gesagt: „Ich habe Speed, Power und Ehrgeiz. Glaubst du, das wäre was für mich?” Er meinte: „Probier es einfach mal aus.” Und dann war ich eine Woche später schon dabei.
- Nach Staffel-Drama: Preuß verkündet drastischen Schritt
- Olympia 2026: Jutta Leerdam kontert ihre Kritiker mit besonderer Antwort
ran: Seit dieser Saison fahren Sie im "Team Ammour". In Sankt Moritz gelang im Januar der EM-Titel. Viral gegangen ist aber der US-Viererbob. Der kam nur mit dem Piloten unten an, weil die Anschieber beim Start gestolpert waren. Was ist Ihre Aufgabe als Anschieber auf Position drei?
Tasche: Nachdem das Startsignal kommt, müssen wir auf den ersten Metern extrem gut beschleunigen – dafür sind die Anschieber verantwortlich, damit der Schlitten erst einmal auf Geschwindigkeit kommt. Wenn wir unseren Topspeed erreicht haben, geht es darum, sehr synchron und schnell einzusteigen. Der Pilot steigt als Erster ein, dann Position zwei und drei (ich) und der Bremser als Vierter direkt hinterher. Im Fernsehen sieht das häufig sehr synchron und perfekt aus, aber da steckt sehr, sehr viel Arbeit dahinter.
Olympia 2026: Tasche glänzt als Pin-Trader
ran: Im Olympischen Dorf sind Sie auch als Pin-Trader bekannt. Was steckt dahinter?
Tasche: Ich habe versucht, alles mitzunehmen, was geht. Der coolste Pin ist definitiv von den Jamaikanern – das sind so ein bisschen meine Jungs. Die sind direkt auf mich zugekommen und haben gesagt: „Gib uns einen oder zwei.” Mittlerweile habe ich für die anderen auch schon Jamaika-Pins besorgt. Und der schwerste war tatsächlich der aus Madagaskar, weil nur eine einzige Person damit rumgelaufen ist. Aber zum Glück habe ich den am Ende auch noch bekommen.
ran: Jetzt haben Sie noch eine Nacht bis zu Ihrem großen Traum. Können Sie schlafen?
Tasche: Ich hoffe es. Heute merke ich im Laufe des Tages, dass die Nervosität langsam kommt. Aber ich glaube, die Nacht wird gut werden – ausreichend zumindest, um gut zu performen. Wir sind selbstbewusst, wir wissen, was wir können und dass wir auch die vermeintlich Größeren ärgern können.